Ein Geben und Nehmen

Mit enormer Expressivität, aber auch mit Sinn für stille musikalische Momente spielte die Pianistin Danae Dörken bei „Best of NRW“ im Apollino. Foto: ciu
  • Mit enormer Expressivität, aber auch mit Sinn für stille musikalische Momente spielte die Pianistin Danae Dörken bei „Best of NRW“ im Apollino. Foto: ciu
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ciu Siegen. Bach, Brahms, Rachmaninow, Liszt – und Danae Dörken beherrschte sie alle! Die junge Frau aus Wuppertal, 1991 geboren, schon jetzt vielfach ausgezeichnet und mit erstklassigen Referenzen, gab am Dienstagabend im Apollino des Siegener Apollo-Theaters ein schönes, mitreißendes, beeindruckendes Klavierkonzert und setzte in der WDR-3-Reihe „Best of NRW“ einen eigenen, besonderen Akzent. Ganz eng war sie mit dem Steinway, horchte hinein in den Klang, den sie schuf, der den Raum gewissermaßen besetzte, vielgestaltig, facettenreich.

Zunächst Johann Sebastian Bachs (1685–1750) a-Moll-Partita BWV 827, deren einzelne Sätze Danae Dörken sehr deutlich voneinander abhob, jedem einzelnen dieser Tänze seinen höchst eigenen, unverwechselbaren Charakter gab. Angefangen von der Fantasia, klar und leuchtend, über die schnelle Corrente hin zum heiteren Scherzo, wirkte ihre Interpretation dicht, war ihr Spiel exakt und reflektiert, ohne verkopft-akademisch zu sein.

In die Vollen ging es mit Johannes Brahms’ (1833–1897) sechs Klavierstücken op. 118, einer selbstvergessen wirkenden Musik, mit wunderbaren Wendungen, weichem, rundem Klang, ja, auch ganz energischen Passagen. Schon hier deutete sich an, mit welcher (auch innerer) Kraft Danae Dörken zu spielen vermag. Ihr Brahms war ein Geben und Nehmen und fürs Publikum ein Geschenk.

Emotionaler Höhepunkt des Konzerts waren nach der Pause die „Moments musicaux“ op. 16 von Sergej Rachmaninow (1873–1943), mit denen die Pianistin hören und auch sehen ließ, wie variabel sie musizieren kann. Irre Tempi, höllische Sprünge, plötzliche Wechsel in der Aussage (wie in diesem zunächst bedrängenden Sturm des Presto, der ganz unvermittelt innehält) – all das kostet sie aus, spielt mit enormer Expressivität und Wucht, reißt mit und hin. Schon das hätte als Finale dieses kammermusikalischen Abends genügt, doch Danae Dörken gab noch etwas zu: Zunächst die im Programm vorgesehene Paraphrase über „Rigoletto“ von Franz Liszt (1811–1886), mit der die Musikerin erneut ihre Kunst-(und Finger-)Fertigkeit unterstrich, dann das stille „Des Abends“ von Robert Schumann (1810–1856). Das war pure Poesie.

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