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Auf ein Käffchen mit den Kathreiners
Ein guter Kaffee braucht 13 Minuten

„Bei uns wird der Kaffee von grün zu braun“, lächelt Judith Kathreiner. Gemeinsam mit ihrem Mann Björn betreibt sie eine kleine Rösterei in Seelbach, in der man die fertigen Bohnen nicht nur kaufen, sondern auch probieren kann.
  • „Bei uns wird der Kaffee von grün zu braun“, lächelt Judith Kathreiner. Gemeinsam mit ihrem Mann Björn betreibt sie eine kleine Rösterei in Seelbach, in der man die fertigen Bohnen nicht nur kaufen, sondern auch probieren kann.
  • Foto: Alexandra Pfeifer/Pixabay
  • hochgeladen von Christian Völkel

ap Seelbach. Durch die hölzerne Haustür der Kathreiners strömt ein intensiver Kaffeeduft. Die Röstmaschine ist noch warm. Verköstigt werden die Bohnen natürlich auch – und zwar gemahlen, handgefiltert und sortenrein, so wie Judith Kathreiner es am liebsten mag. Ihr Mann bevorzugt eher Espresso. Doch bei einer Sache sind sich die beiden dann wieder einig: Ein guter Kaffee braucht Zeit. Und zwar knapp 13 Minuten. So lange „veredeln“ die Kathreiners ihre Rohbohnen, um das perfekte Ergebnis zu erzielen.
Genau darin unterscheidet sich die kleine...

ap Seelbach. Durch die hölzerne Haustür der Kathreiners strömt ein intensiver Kaffeeduft. Die Röstmaschine ist noch warm. Verköstigt werden die Bohnen natürlich auch – und zwar gemahlen, handgefiltert und sortenrein, so wie Judith Kathreiner es am liebsten mag. Ihr Mann bevorzugt eher Espresso. Doch bei einer Sache sind sich die beiden dann wieder einig: Ein guter Kaffee braucht Zeit. Und zwar knapp 13 Minuten. So lange „veredeln“ die Kathreiners ihre Rohbohnen, um das perfekte Ergebnis zu erzielen.
Genau darin unterscheidet sich die kleine Rösterei in Seelbach auch von den „großen“ Händlern: Dort kämen die Bohnen nämlich für zwei bis drei Minuten bei 500 Grad in den Röster und seien danach zwar von außen schön dunkel, doch von innen „roh“ und somit weniger aromatisch, erklärt Judith Kathreiner. Das Ergebnis ist ein Kaffee, der bis dato weder ihr noch ihrem Ehemann so wirklich schmeckt.

Die meisten Aromen kommen erst dann zum Vorschein, wenn der Kaffee etwas abgekühlt ist.
Judith Kathreiner
Kathreiner´s Kaffeerösterei

Früher haben wir gar keinen Kaffee getrunken“, erzählt sie. „Höchstens mit viel Milch und Zucker.“ Das Aha-Erlebnis hatten die beiden vor ungefähr sieben Jahren auf einer Messe. „Wir haben einen schwarzen Arabica getrunken“, erinnert sich Björn Kathreiner, der zu dieser Zeit im Vertrieb tätig war. „Und der schmeckte.“ Seine Frau nickt euphorisch, während sie genüsslich einen großen Schluck aus ihrer Tasse nimmt. Nach der ersten Begeisterung folgten damals auch schnell Taten. Das Ehepaar recherchierte im Internet, besuchte mehrere Röstereien und Lehrgänge, kaufte schließlich eine Röstmaschine und nahm Kontakt mit einem Rohkaffeehändler aus Hamburg auf. „Für uns war immer wichtig, zu wissen, woher der Kaffee kommt“, erklärt Björn Kathreiner. „Wir achten auf gute Arbeitsbedingungen und einen fairen Vertrieb.“ Dafür reiste er sogar schon selbst nach Guatemala, um auf einer Farm die reifen Kaffeekirschen vom Baum zu pflücken und die rohen Bohnen aus ihrer Schale zu befreien. „Bei uns wird der Kaffee dann von grün zu braun“, lächeln die Jungunternehmer, die sich auch heute noch regelmäßig an neuen Sorten und Mischungen ausprobieren.

Maximal 120 Grad

Der Ablauf ist aber immer derselbe: Nachdem die Kathreiners ihre Röstmaschine befüllt haben, warten sie geduldig auf den „First crack“ – so nennt man das Aufpoppen der Bohnen, das man sich ähnlich wie bei Popcorn vorstellen kann –, bevor sie die Temperatur langsam bis auf maximal 210 Grad hochregeln. Aus dem 6-kg-Röster kommt jedoch nicht exakt das heraus, was die beiden zuvor hineingegeben haben. Ein „Einbrand“ von rund 20 Prozent müsse wegen der Feuchtigkeit in den Bohnen immer mit einkalkuliert werden.

Der Kaffee braucht Zeit

Auch nach dem Abkühlen braucht der Kaffee (Ruhe-)Zeit. „Das ist wie mit einer guten Suppe“, veranschaulicht Judith Kathreiner. „Die schmeckt am zweiten oder dritten Tag am besten.“ Frühestens dann gingen die fertigen Kaffeebohnen in den Verkauf. Besonders beliebt sei die säurearme Sorte Arabica. Aber die schmeckt nicht bei jedem zu Hause gleich.
Neben der Röstung hat auch das Brühverfahren einen entscheidenden Einfluss auf das, was am Ende in die Tasse kommt. „Jedes gibt ein anderes Ergebnis“, erklärt die Expertin. Am aromatischsten sei der Kaffee aus dem Filter oder der Stempelkanne, der sogenannten French Press. Wichtig sei dabei, kein kochendes Wasser zu verwenden. Und: „Die meisten Aromen kommen erst dann zum Vorschein, wenn der Kaffee etwas abgekühlt ist“, weiß Judith Kathreiner, die ihren Kaffee deshalb vorzugsweise lauwarm genießt.

Jeder Mahlgrad ein anderer Geschmack

Ein Fan von Pad- und Kapselmaschinen oder Vollautomaten sind die Kathreiners beide nicht. „Das macht nur Sinn, wenn man sich keine Zeit für einen guten Kaffee nehmen will.“ Viel mehr als eine klassische Filtermaschine brauche es tatsächlich nicht – außer vielleicht eine gute Mühle. „Jeder Mahlgrad Unterschied bringt einen anderen Geschmack in die Tasse“, erläutert die Kaffeeliebhaberin aus Seelbach. Immer eine gute Wahl sei beispielsweise eine Handmühle der Marke Commandante.
„Es ist, wie bei jedem anderen Hobby auch, immer die Frage, was man bereit ist, auszugeben“, fügt Björn Kathreiner hinzu. „Nach oben gibt es keine Grenzen.“ Eine Empfehlung für eine gute Filtermaschine unter 250 Euro liefert der Espressojunkie gleich mit: „Ich bin ein riesiger Moccamaster-Fan. Die Maschine ist momentan das Nonplusultra auf dem Markt.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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