Ein Klangerlebnis

Larry Carlton bot den Gästen im Lÿz ein virtuoses Gitarrenspiel.  Foto: ds

ds Siegen. Schon so manche großen nationalen wie internationalen Musiker verwöhnten ihre Hörer im Jazzclub Oase, der etablierten Plattform für feine musikalische Unterhaltung im Siegener Lÿz. Doch eine Berühmtheit wie Larry Carlton aus nächster Nähe zu erleben, dürfte nicht nur für überzeugte Jazzfans ein einzigartiges Erlebnis gewesen sein. Zusammen mit seinem Sohn und Bassisten Travis Carlton und dem Drummer Doug Belote spielte Larry Carlton am Freitagabend im gut besuchten Lÿz auf und bot dem achtsamen Zuhörer ein Klangerlebnis, das in der Jazz- und Bluesszene seinesgleichen sucht.

Eingefleischte Anhänger des großen Stars waren ebenso Teil des Publikums wie ganz junge Musikbegeisterte und selbst praktizierende Gitarreros. Gemeinsam war ihnen allen die Begeisterung, die das Trio auf der Bühne entfachte. Seinem Ruf als einer der besten Gitarristen der Welt wurde Mr. Carlton wahrlich gerecht. Das wurde schon eingangs klar, als der dreifache Grammy-Gewinner den „Happy Birthday March“ in A-Flat und F-Sharp in Anlehnung an seinen kürzlich gewesenen 61. Geburtstag improvisierte. Seine Finger fegten dabei unglaublich filigran über die Seiten und zauberten feinste Gefühlsschattierungen hervor.

Auch im darauf folgenden Bluesduett mit Sohn Travis konnte man davon Zeuge werden, wie bedächtig Larry mit seiner Gitarre, einer Gibson ES-335 signature, die ihm den Spitznamen „Mr. 335“ einbrachte, umging. Mit geschlossenen Augen wiegte er gefühlvoll den Kopf im Rhythmus, sein freundlicher Gesichtsausdruck wich oft einer konzentrierten Anspannung. Kein Zweifel, der Mann wurde eins mit dem Sound. Wie in Trance spielte er und nahm das Publikum auf seinen Gitarrenwellen mit in eine Welt vielfältiger Tonfolgen. Durch das Banding, den unterschiedlich starken Anschlagtechniken, modulierte er die Töne dynamisch und mit viel Feingefühl.

Immer wieder donnerten auch härtere Rockpassagen durch den Saal, gekonnt integriert in smoothe Melodien. Die Unterstützung lieferte Travis mit seinem energischen Bassspiel, das er besonders in seinen grandiosen „funk-slapping“-Soli bis ans Äußerste trieb. Wenn dann der Vater den gekonnten Einstieg fand, kam ihrer beider Virtuosität in einem harmonischen Zusammenspiel voll zum Tragen. Carlton und sein Sohn zeigten, dass eine Gitarre sanft singen, aber auch kräftig brummen kann. Larry benutzte wenig Technik, ihm reichten Akustik- und E-Gitarre, dafür beherrschte er aber umso mehr Techniken. Es lag jetzt mächtig Drive im Raum, was auch Drummer Belote, der den Groove nicht nur in seinem breiten Grinsen trug, zu verdanken war. Er spielte ebenso eine fantastische Show und bewies in einem fulminanten Abschlusssolo, was er drauf hat.

Die Gitarre begleitet Larry Carlton seit seinem sechsten Lebensjahr. Als er im Alter von 18 Jahren die Highschool verließ, begann seine Karriere als Musiker. Produzenten und Bands entdeckten sein Talent und engagierten ihn. Er arbeitete mit Größen wie Sammy Davis Jr., Quincy Jones, Michael Jackson und John Lennon zusammen. Als Teil der legendären Fusion-Jazz-Combo The Crusaders definierte er die Jazzwelle im Los Angeles der 70er Jahre. Doch damit nicht genug: Seine Performance auf Steely Dans „Kid Charlemagne“ wurde von dem Musikmagazin „Rolling Stone“ zu den drei besten Rocksoli aller Zeiten gewählt!Ab 1977 spielte er als Solokünstler und kann heute auf eine immens lange Diskografie zurückblicken. Wie auf seinen letzten Alben „Sapphire Blue“ und „Fire Wire“ zu hören ist, widmet er sich aktuell mehr dem Blues, dennoch reichte die musikalische Palette am Freitagabend über Jazz, Blues, Funk und Rock. Die Legende bewies, dass das kreative Feuer auch nach all den Jahren noch brennt. Einfach immer noch ein Original.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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