Ein leises Lächeln in der Musik

Philharmonie fesselte mit »Künstlernaturen« / Großer Dirigent, ausgezeichneter Solist

ciu Siegen. Es war ein ungemein spannungsreiches Konzert, das am Freitagabend unter dem Motto »Künstlernaturen« in der Siegerlandhalle ein großes Publikum regelrecht fesselte. Die Philharmonie Südwestfalen spielte Wagner, Beethoven und Berlioz. Packend, zuweilen höchst dramatisch und immer mit superber Perfektion musizierte das Orchester dieses schwierige Programm – unter der sehr bewussten Leitung des holländischen Dirigenten Ernst van Tiel, der bekanntermaßen einer der drei Kandidaten für die zu besetzende Position des Chefdirigenten der Philharmonie ist. Unter van Tiel, der mit inspirierender Aura zum Orchester hin wirkte, bewiesen die Musikerinnen und Musiker ihre hohe Flexibilität und auch ihre Fähigkeit, zu begeistern. Dazu präsentierte das Orchester mit Daniel Gortler einen ausgezeichneten Klaviersolisten, der, wie er später sagte, gerne Gast der Philharmonie Südwestfalen (er war es jetzt zum zweiten Mal) ist: »I like this orchestra.«

Die Ouvertüre zu »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg« von Richard Wagner (1813–1883) eröffnete das Konzert. Fast behutsam entwickelte das Orchester aus dem stimmungsvollen Beginn ein Pathos, das wohl aufwühlend, aber nicht übersteigert war und das zum Finale hin in jubelnde Passagen mündete. Glänzend (mit fabelhaftem Blech!) endete diese Einstimmung in das wagnersche Kunst-Werk in einem strahlenden, berauschten Dur.

Einleuchtend, dass zu den »Künstlernaturen« in der klassischen Musik immer auch das Genie zählt: Ludwig van Beethoven (1770–1827), dessen Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur in den Jahren 1805/06 entstand. Eine Komposition, die den Solisten mit dem Orchester spielen lässt, gleichsam als Ersten unter Ersten, was Daniel Gortler außerordentlich gut gelang. Der Musiker, der eigentlich in Tel Aviv, aber mittlerweile auch in Europa und den USA zu Hause ist, entwickelte im ersten Satz (Allegro moderato) gemeinsam mit der Philharmonie Südwestfalen eine feine dynamische Spannung. Wunderschön sein emotionales Spiel in der ausgedehnten Solokadenz. Zauberhaft, wie das Orchester danach wieder einsetzte; fast, als lächle die Musik leise. Langsames Schreiten, gepaart mit bedächtigem Innehalten charakterisierte das Andante con moto, das sich in der tänzerischen Behändigkeit des lebhaften Rondos entlud. Den langanhaltenden Applaus des Publikums belohnte Gortler mit einem Stück aus Felix Mendelssohn Bartholdys (1809–1847) »Liedern ohne Worte«.

Nach der Pause dann die »Symphonie fantastique« von Hector Berlioz (1803–1869), eines der Hauptwerke der Romantik, Musik, die eine Geschichte erzählt, hier die auch autobiografisch geprägte »Episode de la vie d’un artiste« (Episode aus dem Leben eines Künstlers). Großes Thema ist die Liebe. Unglücklich, tragisch, denn der Liebende bringt die Geliebte um. Das ist Programm für die Musik, die zwischen verträumtem Idyll und kopflosem Wüten changiert. Jetzt spielt die Philharmonie im groß besetzten Orchester; sie malt mit farbigen Klängen die Bilder dieser fantastischen Geschichte. Angefangen vom sanften Largo des Kopfsatzes, das leidenschaftliches Sehnen spiegelt, über den leichten, aber schon gebrochenen Walzer im zweiten Satz, das Hirtenspiel im dritten »Akt« dieses musikalischen Dramas, bis hin zum höchst bewegenden »Marche« zum Richtplatz und dem geisterhaften Schluss.

Höhepunkte dieses Hör-Schau-Spiels waren zweifellos das wechselseitige »Rufen« von Oboe und Englischhorn, das nahende Gewittergrollen (vier Pauken!) und die so unheimliche Stimmung, die Glockenschläge, Bläserklang und das verzerrte Kieksen der Klarinette schufen – eine fast schmerzhafte Groteske.

Am Ende gab es stürmischen Applaus für das Orchester und seinen Dirigenten. Für eine famose Aufführung und Musik, die lange nachwirkte.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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