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Stadt Siegen ist vorbereitet
Ein Ort für Quarantäne-Brecher

Mit dem alten, umgewidmeten Kreiswehrersatzamt an der Tiergartenstraße gibt es genug Platz, auf die schnelle Quarantäne-Maßnahmen für etwa vier Personen umzusetzen. Fotos: Christian Hoffmann
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  • Mit dem alten, umgewidmeten Kreiswehrersatzamt an der Tiergartenstraße gibt es genug Platz, auf die schnelle Quarantäne-Maßnahmen für etwa vier Personen umzusetzen. Fotos: Christian Hoffmann
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Siegen/Bad Berleburg. Göttingen und Gütersloh sind der traurige Beweis: Das Damoklesschwert einer möglichen zweiten und dritten Welle der Verbreitung des Coronavirus schwebt natürlich auch über unserer Region, das Covid-19-Thema kann jederzeit und allerorts wieder aufpoppen. Dass die Schutzmaßnahmen bei uns mutmaßlich bislang einen größeren Ausbruch verhindert haben, liegt wohl mit an der Einsicht und Besonnenheit der Menschen. Was aber, wenn die Bereitschaft, verantwortungsvoll zu agieren, einmal ausbleiben sollte? Wenn zum Beispiel jemand die angeordnete Quarantäne missachtet oder sich von vornherein gegen den Hausarrest widersetzt? Bereiten sich Kreis und Kommunen auf solche Szenarien vor?

tile Siegen/Bad Berleburg. Göttingen und Gütersloh sind der traurige Beweis: Das Damoklesschwert einer möglichen zweiten und dritten Welle der Verbreitung des Coronavirus schwebt natürlich auch über unserer Region, das Covid-19-Thema kann jederzeit und allerorts wieder aufpoppen. Dass die Schutzmaßnahmen bei uns mutmaßlich bislang einen größeren Ausbruch verhindert haben, liegt wohl mit an der Einsicht und Besonnenheit der Menschen. Was aber, wenn die Bereitschaft, verantwortungsvoll zu agieren, einmal ausbleiben sollte? Wenn zum Beispiel jemand die angeordnete Quarantäne missachtet oder sich von vornherein gegen den Hausarrest widersetzt? Bereiten sich Kreis und Kommunen auf solche Szenarien vor?

Im Oberzentrum Siegen brauche man sich nicht aktiv auf solche Fälle vorzubereiten, erklärt Sozialdezernent André Schmidt auf Anfrage. Es gebe auch keine entsprechende Vorgabe oder Handreichung von Land und Bund. Aber mit dem ehemaligen Kreiswehrersatzamt an der Tiergartenstraße gebe es beispielsweise eine Möglichkeit, in der eine solche Maßnahme für etwa vier Personen umsetzbar wäre. Die Immobilie wird der Krönchenstadt vom Bund zur Unterbringung von Flüchtlingen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Keine weiteren Orte im Kreisgebiet

Nach dem siebenfachen Corona-Fall im Siegener Studentwohnheim Engsbachstraße (die SZ berichtete) wurden hier bereits einige Studenten einvernehmlich für die anschließende Quarantänezeit untergebracht, weil diese sonst aus räumlichen Gründen (gemeinsame Sozial- und Sanitärräume) nicht hätte eingehalten werden können. Auch für diese Nutzung werde der Stadt, übrigens auch künftig, keine Rechnung vom Bund gestellt, sagt Schmidt.

Also: Siegen hat einen möglichen Ort für Quarantänebrecher. Im übrigen Kreisgebiet gibt es diese Orte momentan nicht, heißt es aus dem Kreishaus. Aktuell stelle sich die Frage auch nicht, weil es kaum Erkrankte im Kreisgebiet gebe, so die Verwaltung weiter. Sollte es sogenannte Quarantäne-Brecher geben, dann müsse man sicher entsprechende Maßnahmen in Kooperation mit den Ordnungsämtern der Kommunen ergreifen, so Sprecher Torsten Manges.

Blick über den Tellerrand

Andere NRW-Kreise sind da weiter, wie der Blick über die regionalen Tellerrand zeigt. Etwa der Kreis Steinfurt im Münsterland. Dort hat man in Westladbergen jüngst im Sinne vorausschauender Gefahrenabwehr genau für den Fall der Fälle ein Wohnhaus langfristig angemietet, um bis zu fünf potenzielle Quarantäne-Brecher unterzubringen. Das Grundstück ist mit doppeltem Bauzaun gesichert. Dort könnten auf Anordnung des Landgerichts sich widersetzende Personen unter Aufsicht in Quarantäne gesteckt werden, heißt es. Zuständig für Umsetzung und Einhaltung ist die Kommune.

Und im Märkischen Kreis stehen Feldbetten parat. In einer Turnhalle der Stadt Menden wurde ein Quartier eingerichtet, in dem Quarantäne-Brecher zwangsweise untergebracht werden können, wenn sie nicht konsequent zu Hause bleiben. Wer uneinsichtig ist und gegen die von den Gesundheitsbehörden erlassenen Verhaltensregeln verstößt, soll dort festgehalten werden können.

Kein Kavaliersdelikt

Im Falle einer Infizierung mit dem Coronavirus wird für die Betroffenen eine Quarantäne aufgrund des Infektionsschutzgesetzes und aufgrund der Coronaschutzverordnung des Landes verhängt. Es handelt sich um eine Art Hausarrest. Der dauert laut Robert-Koch-Institut 14 Tage, denn das entspricht der maximalen Dauer der Inkubationszeit. Die häusliche Quarantäne – im Kreis Olpe z. B. sind immerhin noch rund 70 Menschen unter Quarantäne gestellt – bedeutet den ununterbrochenen Aufenthalt zu Hause. Für den täglichen Einkauf oder für die sonstigen Erledigungen müssen Familie, Freunde oder die Nachbarschaft mobilisiert werden.
Neben den Infizierten selbst werden auch deren Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne geschickt. Das sind Personen, die mit Coronavirus-Infizierten in engerem Kontakt im Wortsinne standen. Sie müssen sich bei den Gesundheitsämtern der Kreise melden, denn es besteht eine vom Bund verordnete Meldepflicht.
Die Ämter betreuen die Betroffenen und kontrollieren gemeinsam mit den Ordnungsämtern der Kommunen die Einhaltung der Quarantäne.
Allein der Verstoß gegen eine Quarantäne-Anordnung ist strafbar. Eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren sieht der Paragraf 30 des Infektionsschutzgesetzes vor. Und: Wer andere ansteckt, den trifft es noch ärger. Eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren drohen, denn dann geht es um fahrlässige Köperverletzung.

Mit dem alten, umgewidmeten Kreiswehrersatzamt an der Tiergartenstraße gibt es genug Platz, auf die schnelle Quarantäne-Maßnahmen für etwa vier Personen umzusetzen. Fotos: Christian Hoffmann
Einige der Bewohner des Studentwohnheims Engsbachstraße mit dem Virus wurden bereits in dem Notquartier untergebracht – freiwillig, einvernehmlich!
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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