Ein Regenbogen fürs »Lebendige Haus«

Generationenverbindendes Wohnprojekt am Häusling etabliert sich / Stadtteilarbeit im Blick

pebe Siegen. Die Außengerüste sind abgeräumt, die Fassade leuchtet in frischen Aquarelltönen. Das Gebäude, das früher in Altrosa gehalten war, erstrahlt nun in zarten Regenbogenfarben: Das »Lebendige Haus« in den Mauern des alten Christofferhauses am Siegener Häusling nimmt mehr und mehr Form an. Ein Wohnprojekt, das Generationen verbinden, auf gegenseitige Hilfe gestützt sein soll und sich mittlerweile zu einer aktiven Genossenschaft entwickelt hat. Vor einem Jahr zogen die ersten Bewohner ein. Und heute? »Das Haus ist voll«, stellt Senta Monien, zufrieden fest. Sie wohnt selbst in einer geräumigen, hellen Dachgeschoswohnung des »Lebendigen Hauses«, ist Vorstandsmitglied des gleichnamigen Vereins, und in der Genossenschaft aktiv.

Viel hat sich in den vergangenen Monaten getan, viel ist aber auch noch zu tun, wie Clemens Kolbe, Vorstandsmitglied der Genossenschaft und mit der Koordination der Arbeiten betraut, beim SZ-Besuch erläutert. Vor allem gehe es darum, das Konzept des »Lebendigen Hauses« weiter auszubauen. Das Ziel, so Kolbe: »Wir versuchen uns darauf vorzubereiten, hier im Kreis als Generationenhaus anerkannt zu werden.«

Damit greift die Einrichtung das Aktionsprogramm »Mehrgenerationenhäuser« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf. Hierbei geht es darum, traditionelle Strukturen wie z.B. familiäre und nachbarschaftliche Netzwerke in neuen Lebensmodellen zu erhalten und zu stärken. Mehrere Generationen sollen gemeinsam an einem Ort leben, sich begegnen, voneinander lernen und sich unterstützen. Zugleich sei dies eine »Möglichkeit zur Zusammenarbeit zwischen bürgerschaftlich Engagierten und professionellen Kräften«, so das Ministerium. Das Stichwort heißt »soziale Nachhaltigkeit« die u.a. in der örtlichen Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden erreicht werden soll. Ein weiteres Ziel des Projekts: »Die Aufspaltung in Leistungs- und Sozialwesen überwinden«. Mit anderen Worten: Die Bereitstellung von Dienstleistungen, eingebunden in das örtliche Leben.

Ein ehrgeiziges Ziel also, das nun auch das »Lebendige Haus« verfolgt. Gleichzeitig solle aber die »verbindliche Nachbarschaft auch nicht zur Überforderung werden«, so Kolbe. So denke man derzeit über die Entwicklung eines »Sozialbüros« nach, das verschiedene Dienste koordinieren und anbieten könnte. Mit dem Aufbau geringfügiger Arbeitsverhältnisse und der Schaffung einer Infrastruktur für berufliche Selbstständigkeiten solle das Haus auch für junge Menschen attraktiv gemacht werden. Der Aufbau einer Stadtteilbegegnungsstätte schließlich solle »zeigen, dass wir eine gesellschaftliche Aufgabe in Siegen übernehmen«.

Noch sind die Senioren am Häusling in der Überzahl. »Das Bewusstsein für das Förderliche der Generationenverbindung entwickelt sich schneller am alten Pol«, umschreibt Georg Blattmann, Pfarrer der anthroposophisch orientierten Christengemeinschaft, den »Überhang« vorsichtig. Aber die »dritte Generation«, also die Kinder, hat mit mehreren Familien auch schon Einzug am Häusling gehalten. Für die kleineren der insgesamt 20 Wohnungen mussten bereits Wartelisten aufgestellt werden, berichtet Kolbe. Derzeit gibt es auch noch eine bereits belegte »Studentenwohnung«, die aber innerhalb einer bestimmten Frist auch in eine genossenschaftlich belegte Wohnung umgewandelt werden sollen. Aber da gibt sich das »Lebendige Haus« kreativ-spontan: »Auch andere Lösungen sind denkbar, z.B. könnten sich studentische Mieter auch im Haus mit Jobs engagieren«, benennt Kolbe eine Alternative.

Derzeit laufen die Arbeiten im Haus noch auf Hochtouren weiter. Die Treppenhäuser müssen fertiggestellt werden, Zuwegungen und Außenanlagen müssen noch in den »optischen Endzustand« versetzt werden, und Ende des Monats sollen die Balkone vor der breiten Nordostfassade zur Stadt hin aufgeständert werden. Der Gemeinschaftsbereich ist noch im »Rohzustand«, die letzten Wohnungen werden derzeit hergerichtet.

Auch die Finanzierung sei gesichert, betonen die SZ-Gesprächspartner. 40 Genossen beteiligen sich derzeit mit ihren Einlagen an dem ehrgeizigen Projekt, aber es könnten ruhig mehr sein, wie die SZ-Gesprächspartner bemerken. Georg Blattmann: »Wir suchen Genossen, die nicht Bewohner sind und aus freien Stücken mitmachen« – eine Art »ethische Geldanlage« also. Und da Geld in Zeiten marodierender Marktwirtschaft ohnehin immer knapp ist, wird auch im »Lebendigen Haus« über »Fundraising«, also die Suche nach Sponsoren, nachgedacht. Ein interessantes Projekt zur finanziellen Entlastung der Einzelbewohner ist überdies die »Nachhaltige Technik GbR« von Bewohnern und Handwerkern, die die Holzhackschnitzelheizanlage sowie die Regenwasseranlage betreibt. Über die GbR sei es möglich, die nachhaltige Technik zu installieren, ohne die Bewohner mit den Investitionskosten zu belasten.

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