Das Kreuz in der Region
Ein Symbol, viele Bedeutungen

Steinerother Kopf.
5Bilder

pebe Siegen/Olpe/Betzdorf. In unserem Kulturkreis ist es unübersehbar (noch) präsent: das Kreuz – „das“ Symbol des Christentums. Es steht für den gewaltsamen Tod Jesu von Nazareth. Den erkennt der christliche Glaube als Selbsthingabe des Gottessohnes, die mit der Entfremdung des Menschen von Gott (traditionell „Sünde“ genannt) Schluss macht. In der Auferstehung Jesu wird diese Selbsthingabe besiegelt und erweist ihn damit als den erwarteten, rettenden Messias – den Gesalbten („Christus“).
Wenn das Kreuz auch durch die Erzählungen der Evangelien zum unaufgebbaren Grundbestand der christlichen Bilderwelt gehört, so taucht es als Symbol doch erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts nach Christus auf. Vorher gab es andere Symbole, z. B. das Christusmonogramm aus „Chi“ (X) und „Rho“ (P) oder den Fisch („ichthys“) als selbst zum Wort gewordene Abkürzung der griechischen Wörter für „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“.

Längsbalken kommt aus dem Hochmittelalter

Besonders das Hochmittelalter gab dem „Kruzifix“ die im Westen vorherrschende Gestalt: der Längsbalken, im oberen Drittel ergänzt durch den kürzeren Querbalken und oft versehen mit der realistischen Darstellung des gepeinigten, toten Jesus. In den Jahrhunderten vorher wurde er aber auch oft als der Auferstandene dargestellt, der das Leid nicht ungeschehen macht, aber verwandelt. Auch waren die Kreuzformen unterschiedlich, es gab zum Beispiel das „griechische“ Kreuz mit gleichlangen Armen oder das Tau-Kreuz, bei dem der Querbalken auf dem Längsbalken aufliegt.

Kreuzt drückt Spannung aus

Das Kreuz ist ein weit verbreitetes und altes Symbol, es zeigt eine Grundspannung an: Waagrechte und Senkrechte kreuzen (!) sich – mit all den spekulativen Reflexionen, die möglich sind: Die Senkrechte verbindet mit dem Himmel, die Waagrechte zeigt die Erde, die vom Himmel berührt und durchdrungen wird. Und im Kreuzungspunkt der Spannung: der aufrechte Mensch, der, wenn er die Arme ausbreitet, selbst wieder Kreuzgestalt an- und damit Erde und Himmel in sich aufnimmt …
Für Christen ist das Kreuz immer wieder neu Gegenstand der Meditation: „Ärgernis“ (griechisch: skándalon) und „Torheit“ nannte Paulus die tödliche Konsequenz des liebenden Lebens Jesu im 1. Korintherbrief. Sie bleibt ein Stachel, denn was dem Tod Jesu als Bekenntnis folgt, ist dem Glauben, dem Vertrauen und der Hoffnung als Geheimnis aufgegeben.

Das Irritierende des Kreuzes

Die Botschaft des besiegten Todes ist ungeheuerlich und beim „ersten Kontakt“ sogar erschreckend (davon erzählt das letzte Kapitel des Markusevangeliums). Ein Echo dieses Erschreckens lässt sogar noch das neuerlich zerstörte „Kebbekus’-Kreuz“ in Rüblinghausen erahnen. Da hat jemand das Irritierende, Unfassbare des Kreuzes nicht mehr ausgehalten. An der christlichen Botschaft ändert das nichts: Das Kreuz ist real, aber nicht ungeheuerlich. Denn es ist nicht das Letzte. Das Letzte ist das Leben. Nicht nur in Gotteshäusern und auf Friedhöfen ist das Kreuz als Botschafter all dessen zu finden. Auch auf Gipfeln und an Wegesrändern begleitet es die Menschen. Wir haben uns in der Region umgeschaut und einigen Kreuzen diesen Beitrag gewidmet.

„Gipfelkreuz“ am „Groß Glaesner“ mit Panoramablick

nja - Es zu finden, ist nicht ganz einfach – und dennoch ist es weithin sichtbar: Seit 2008 steht ein stattliches Holzkreuz auf dem „Groß Glaesner“, in 415 Metern Höhe: „Höchste Erhebung der Gemarkung Lindenberg“, ist dort, am Ende des Gewerbegebiets Wilhelmshöhe-West, auf einer Tafel zu lesen (erreichbar über die Alte Eisenstraße). Wer sich in der jüngeren Stadtgeschichte nicht auskennt, der wird sich wundern. Erinnert der Name doch irgendwie an den Großglockner in Österreich.
Der Hügel entstand indes von Menschenhand: Im Zuge eines Bauprojekts der früheren Firma Möbel Zimmermann, erzählt Lothar Schlemper vom Heimatverein Lindenberg, der damals an der Errichtung des „Gipfelkreuzes“ beteiligt war. Hartmut Glaesner, früher Vorstandschef der Stadtsparkasse Freudenberg, hatte an der Vermarktung des Gewerbegebiets mitgewirkt. „Wir wollten ihn eigentlich mit der Namensgebung veräppeln. Er war aber sofort angetan von unserer Idee, dort oben auch ein Kreuz aufzustellen, das zum Verweilen und Innehalten einlädt – und hat uns unterstützt.“ Wer vor dem großen Eichenkreuz steht, dem erschließt sich ein grandioser Rundumblick.
Schlemper schwärmt beispielhaft vom Sonnenaufgang hinter dem Rothaargebirge. Eine Sitzgruppe lädt zum Ausruhen und Picknicken ein, Hinweistafeln geben u. a. Tipps, was sich dem Auge am Horizont erschließen kann; bei guter Sicht. Das Kreuz wurde nach ein paar Jahren erneuert, ein Gipfelbuch lädt den Besucher ein, sich zu verewigen und mitzuteilen. Rund 2800 Einträge gibt es schon. Von Freudenbergern, von Ausflüglern aus der Region, Touristen – und vielen Fernfahrern, die das Kreuz von der A 45 aus, Fahrtrichtung Dortmund, erblicken und sich angesprochen fühlen. Die dort oben abschalten, vom stressigen Alltag mit Termindruck und Staus. 2011 und 2012 gab es auch Sternwallfahrten der kath. Kirchengemeinde zum Kreuz am „Groß Glaesner“. Dort war es auf die Dauer aber doch zu beengt. Und so findet die Wallfahrt nun auf dem Ischeroth ihr feierliches Ende. 

Lindenberg.

Molzhain: stimmungsvolle An- und Ausblicke

rai - Der Wegweiser „Schöne Aussicht“ in Molzhain erklärt sich auf dem Steinerother Kopf von selbst: Am Gipfelkreuz tut sich ein traumhafter Fernblick auf. 1994 errichteten einige Molzhainer das Holzkreuz. Die Wurzeln für ein Kreuz auf dem Steinerother Kopf reichen bis 1911 zurück: Das Missionskreuz ragte sieben Meter hoch, an einer anderen Stelle. Schon im Ersten Weltkrieg und bis 1926 wurde an Christi Himmelfahrt in Prozessionen dorthin gepilgert. Als der Basaltabbau sich hier ausdehnte, wurde das Kreuz etwas nach Steineroth versetzt. Auf dem Steinerother Kopf stand einst auch eine Kapelle. 1927 wurde sie abgerissen, so Bruno Schuhen, Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Molzhain, der in der Chronik „Molzhain im Wandel der Zeit“ blätterte. Irgendwann verschwand das Kreuz. Jahrzehnte gab es keines mehr – bis 1994: In Eigenregie packten einige Molzhainer die Wiedererrichtung an.
An der Stelle, wo einst Brecheranlage und Schmiede des 1963 stillgelegten Steinbruchwerkes gestanden hatten, wurde auf der leicht ansteigenden Ebene das Holzkreuz aufgestellt. 1997 lebten die Prozessionen wieder auf, immer am ersten Freitag im Mai. Seit dem Bau der Kapelle, etwas unterhalb des Steinerother Kopfes und in Dorfnähe, ist diese Ziel der Prozession, die der örtliche Musikverein veranstaltet. 2001 bekam das Gipfelkreuz eine LED-Beleuchtung, die in der Adventszeit weithin sichtbar ist.

Steinerother Kopf.

Gipfel mit humorvoller Pointe: die Martinshardt

js - In den Alpen gehören sie fest zum Landschaftsbild, im Rothaargebirge jedoch sind Gipfelkreuze eher die Ausnahme – für das Besteigen der Berge ist hier auch weniger Abenteuerlust vonnöten. Auf der 616 Meter hohen Martinshardt auf der Stadtgrenze zwischen Hilchenbach und Kreuztal thront seit knapp drei Jahrzehnten ein stabiles Holzkreuz.
Seiner Spitze gelingt das, was dem Müsener Hausberg nicht gegeben ist – sie ragt über den Gipfel des nur zwei Meter höheren Kindelsbergs hinaus. Dass die Dorfbewohner überm Wasser diese „Unterlegenheit“ nicht so ohne Weiteres auf sich beruhen lassen wollten, zeigt ein kleiner Steinhaufen. Der sollte den Gipfel eigentlich um die benötigten Restmeter erhöhen, um den prominenten Kindelsberg endlich in den Schatten stellen zu können.
Gelungen ist das offenkundig nicht – zu viel Material hätte dafür auf den Gipfel geschafft werden müssen. Weitaus mehr Erfolg hatte das Eichenkreuz, das von einem munteren Müsener Freundeskreis errichtet wurde und seither bestens gepflegt wird. Seit November 1992 wird zudem ein Gipfelbuch geführt, in das sich inzwischen auch so mancher Kindelsbergpfad-Wanderer eingetragen hat. Ruhebank und Schutzhütte ergänzen das Ensemble. Neu ist übrigens der Ausblick zum Kindelsberg: Den haben die Borkenkäfer in den Forst gefressen.

Martinshardt.

Vom Hohen Bilstein weit ins Land

win - Hoch über dem Biggesee weithin sichtbar ist das Gedenkkreuz auf dem Hohen Bilstein, einer Felsformation, die als Naturdenkmal eingetragen ist. Das weiße Kreuz, inzwischen von der Stadt komplett erneuert, wurde ursprünglich im Jahr 1963 aufgestellt. Initiiert wurde der Bau seinerzeit von der „Action 365“, einer ökumenischen Laienbewegung, die auf die Initiative des legendären Straßenpredigers Pater Johannes Leppich zurückgeht, ein begeisterungsfähiger, gesellschaftskritischer Redner, der unter dem Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“ bekannt wurde. Es sollte zehn Jahre nach dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR an dessen Opfer erinnern. Unter dem Kreuz, das die Inschrift: „Herr, lass uns alle eins sein“ trug, wurde zunächst jedes Jahr im Juni um die Einheit, aber auch um die Einheit im Glauben gebetet. Diese Gedenkfeiern schliefen im Lauf der Jahre ein. Der Sinnspruch ist freilich aktueller denn je. Und seit kurzem ermöglicht eine stabile Sitzgruppe Wanderern, fast im Schatten des Kreuzes eine Rast mit einer grandiosen Aussicht einzulegen.

Bilstein

Das Kreuz zum Kriminalfall

js - An einen aufsehenerregenden Kriminalfall erinnert seit viereinhalb Jahrzehnten ein Kreuz, das etwas abseits der B 62 zwischen Applauskurve und Kronprinzeneiche steht und nach wie vor gepflegt wird. Hier ermordeten zwei Dahlbrucher den Kreuztaler Taxifahrer Erich Hassel.
Der 42-jährige Familienvater, der hauptberuflich Lokführer war und nebenbei am Taxisteuer saß, war in einer Augustnacht kurz vor Feierabend von 22 und 25 Jahre alten Brüdern mit Schüssen in den Rücken getötet worden. Sein Leichnam wurde am Tag darauf von einem Brombeersammler im Gebüsch gefunden. Die beiden Täter, von denen der eine aus der Haft geflohen war und der andere eine Gefängnisstrafe vor der Brust hatte, türmten mit Taxi und erbeutetem Geld nach Hamburg, wo sie es auf der Reeperbahn auf den Kopf schlugen. Später wollten sie sich nach Holland absetzen, wurden aber im Grenzgebiet bei Bentheim festgenommen. 1978 wurde den beiden der Prozess gemacht. 16 Verhandlungstage dauerte dieser vor dem Siegener Schwurgericht, 80 Zeugen wurden befragt.Die Dahlbrucher wurden nicht lebenslänglich hinter Gitter geschickt. Aufgrund ihrer erheblichen Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt und der damit verbundenen Strafmilderung wurden sie zu 13 bzw. 15 Jahren Haft verurteilt. 

Zwischen Applauskurve und Kronprinzeneiche.
Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen