Ein Team - „auferstanden aus Ruinen”

Karlsruher Schützenhilfe bei Siegener Neuanfang:

Verdientes 1:1 gegen Tabellenführer KSC - Koch hielt Elfmeter - Neues Motto: Janecko statt Jonjic

sz Siegen. Nach den Turbulenzen der letzten Woche stand am Samstagmittag für die Experten eigentlich nur noch die Höhe der Siegener Niederlage in Frage - zu stark erschien der angereiste „Herbstmeister” Karlsruher SC, zu durcheinander und zu „blockiert” die Siegener Spieler, an denen das Trainer-Theater einfach nicht spurlos vorbeigegangen sein konnte. Doch das ist das Schöne am Fußball - es kam anders! Und am Ende sprang ein hochverdienter Punktgewinn heraus, ein 1:1, das über den dürren Zähler hinaus einen Neuanfang markieren könnte. Aber mit solchen Prognosen sollte man derzeit vorsichtig umgehen, zu viel Porzellan ist in wenigen Tagen zertrümmert worden - hüben wie drüben.

Und doch ließ der rote Faden dieser spannenden 90 Minuten am Samstag im Siegener Leimbach-Stadion bei nüchterner Betrachtung eigentlich nur ein Fazit zu: Alles spricht dafür, dass in dieser Partie eine Mannschaft „aus Ruinen auferstanden” ist, eine Art sportlicher Wiedergeburt, auf die man in Zukunft Schritt für Schritt aufbauen kann. Bleibt allenfalls zu hoffen, dass der „Wortdiebstahl” bei der ehemaligen DDR-Nationalhymne („auferstanden aus Ruinen”) kein Wink mit dem Zaunpfahl sein wird und die Siegener auf ähnliche Weise dereinst verbleichen....

Aber auch die Tatsache, dass der hoch favorisierte Karlsruher SC tatkräftig mitstrickte und somit den „Faktor Glück” ins Leimbach-Stadion zurückbrachte, scheint eine psychologische Wende darzustellen.

Nur noch der „Fangschuss” fehlte

Denn eigentlich brauchten die Badener am Samstag nur noch den „Fangschuss” abzuschicken, das „waidwunde Wild” lag schon am Boden! Doch statt dessen baute der souveräne „Herbstmeister” den abstiegsgefährdeten Emporkömmling aus dem Siegerland tatkräftig auf. Und der ließ sich nicht zweimal bitten, raffte sich erst zu wackerem Widerstand auf, drückte schließlich den angeschlagenen KSC mächtig in die Defensive und wurde zumindest mit einem weiteren Geschenk, einem Eigentor, für die Anstrengungen belohnt.

Doch der Reihe nach. Man merkte vom Anpfiff weg, dass die Gäste balltechnisch und in ihrer spielerischen Anlage eine Nummer über den Siegerländern angesiedelt waren. Auch in puncto Zweikampfverhalten sah es für die spürbar verunsicherten „Sportfreunde” nicht gut aus. Und wie so oft, wenn eine Mannschaft oben, die andere unten steht, fiel das 1:0 für Karlsruhe eher zufällig - freilich schön herausgespielt. Mit feinen Spielzügen hatten die Gäste in der 28. Minute die linke Siegener Abwehrseite schlecht aussehen lassen. Geschickt wurde Libero Thijs Waterink im Rückraum freigespielt, für den sich kein Siegener verantwortlich fühlte. Dessen 22-m-Schuss aber war keine „Granate”. Doch er kullerte genau gegen den Innenpfosten und von da ins Tor!

Keine zwei Minuten später schied Artur Platek mit einer Leistenzerrung aus. Noch ein routinierter Spieler weniger, noch eine Ad-hoc-Umstellung mehr. Trainer Ingo Peter nahm nicht, wie erwartet, Frank Germann zurück und Egler oder Knoche rein. Vielmehr rückte Vidmantas Vysniauskas in den Abwehrverbund, zuletzt eher gescholten wegen taktischer Disziplinlosigkeit. Dessen Rolle übernahm vorne mit Martin Willmann noch ein sogenannter „Nobody”. Und das alles gegen einen sowieso viel stärkeren Gegner.

Fragwürdiger Elfmeter die Wende

Doch dann „zupfelte” John van Buskirk dem abermals aufgerückten Waterink im Strafraum ein wenig am Hemd, der schwache Schiedsrichter Mike Pickel fiel darauf herein und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nicht minder schwach aber war sodann die Ausführung Vitus Nagornys, und der tapfere Andreas Koch fing nicht nur den „Elfer” sondern auch die Sympathien der Zuschauer ein. Denn urplötzlich sprang der Funke vom Spielfeld auf die Ränge, wo sich bis dato einige Besserwisser in „Jonjic, Jonjic-” und in „Peter-raus”-Rufen versucht hatten.

Rothenbachs Eigentor zum 1:1-Ausgleich

Spätestens mit dem Anpfiff der 2. Halbzeit kippte die Partie, verlagerte sich das Geschehen in die KSC-Hälfte. Wohl schon mit den Gedanken beim morgigen DFB-Pokal-Auftritt in Magdeburg, schalteten die Kuntz-Schützlinge zurück und beschränkten sich auf das vermeintlich Notwendige. Und die beste Abwehr der Liga, die in 17 voraufgegangenen Spielen erst sechs Gegentore hinnehmen musste, wäre vielleicht auch am Samstag „sauber” geblieben. Aber da half Carsten Rothenbach kräftig nach und lenkte eine scharfe Kotula-Hereingabe gegen die Laufrichtung seines Keepers zum 1:1 ins eigene Netz (68.).

Versucht man nun, Ordnung in das Chaos zu bringen, so waren es keine spielerischen Glanzpunkte, die die Wende markierten. Vielleicht muss man sich einfach einmal einen einzelnen Spieler herauspicken, um die Zukunft zu sehen. Denn die Art und Weise, wie der junge Tscheche Petr Janecko auf der linken Außenbahn auftrumpfte, war wirklich bemerkenswert. Frech und schnörkellos riss er Lücken in die KSC-Abwehr, ging weite Wege, spielte kluge Pässe, scheute Zweikämpfe nicht, sondern suchte sie. So hieß das Motto nicht mehr Jonjic sondern Janecko. Sicher erst mal nur ein Strohhalm, aber schon einer, an den man sich künftig klammern kann.

Texte: geo/Fotos (4): dima

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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