Ein Verein auf der Suche

Heftige Aussprache bei Sportfr. Siegen:

Vom schwierigen Prozess, einen neuen Stil einzuführen

geo Siegen. Das enttäuschende Auftreten der Siegener »Sportfreunde« beim 0:2 am Freitag gegen Kickers Offenbach kann auch eine Chance sein, denn am Tage nach der ersten Saison-Heimniederlage krachte es bei den »Sportfreunden« gewaltig. Nach dem Samstag-Training nahm auch der Sportliche Leiter Rolf Bleck an der routinemäßig stets einen Tag nach dem Spiel stattfindenden »Analyse« teil. Dabei sind Trainer Michael Feichtenbeiner und Bleck mit der zu erwartenden Schärfe an die Mannschaft heran getreten und haben vor allem die miserable Einstellung der Spieler gegeißelt.

Die gewollten Provokationen lösten danach eine laut Bleck recht offene Aussprache ein, bei der auch die Spieler über einige »Kleinigkeiten« (Bleck) ihren Unmut äußerten. Die Probleme seien ausgeräumt, das Gespräch fruchtbar gewesen. Man stehe mit Sicherheit vor einer konzentrierten Trainingswoche, weil nun die Mannschaft in der Pflicht sei, Versäumtes in jeder Hinsicht nachzuholen.

In den Jahren einiges »eingeschliffen«

Freilich haben die Ereignisse der letzten Tage und Wochen auch einen schwierigen Prozess offen gelegt, den Mannschaft und Trainer derzeit mit unterschiedlichem Erfolg bewältigen. Im SZ-Gespräch umschrieb Trainer Michael Feichtenbeiner diese Findungsphase so: »In taktischen Dingen und im Umgang mit der Mannschaft haben sich in den Jahren während der Tätigkeit meines Vorgängers die Abläufe eingeschliffen. Jetzt ist ein neuer Trainer mit einem neuen Stil da. Da versuchen die Spieler wie überall anderswo auch auszuloten, wie weit sie gehen können und woran sie mit dem neuen Trainer sind.«

Feichtenbeiner fügte an, dass ihm der Ruf vorauseile, sehr auf Disziplin zu achten (Kleiderordnung etc.). Bis eine Mannschaft wisse, wo die Grenzen gesetzt seien, bedürfe es aber gewisser Vorfälle, um die Pfähle abzustecken. Gemeint war damit die SZ-Berichterstattung über einen nächtlichen Disco-Besucher aus der Mannschaft vor dem Offenbach-Spiel. Feichtenbeiner hat den »Sünder« am Samstag vor versammelter Mannschaft aufgefordert, sich zu »outen«, was diesen jedoch nicht »juckte«. Dazu Feichtenbeiner: »Da ein solcher Vorfall für mich bis jetzt nur in der Zeitung gestanden hat und meine Spieler versichern, nicht beteiligt gewesen zu sein, habe ich als Trainer keine andere Wahl als mich vor meine Mannschaft zu stellen und der Sache nicht weiter nach zu gehen.«

Von einem möglichen »Autoritätsproblem« wollte der Stuttgarter daher auch nichts wissen. Bekanntlich war Cem Islamoglu zu Saisonbeginn für seinen nicht abgesprochenen Trainingsausflug nach Istanbul recht gnädig davon gekommen, auch hatte man nach Feichtenbeiners eigenen Worten bei Jozef Kotula vor dessen Suspendierung schon »einige Kleinigkeiten« durchgehen lassen. Auch habe er nie den von ihm aufgestellten Verhaltenskodex vor Spielen (ab zwei Tage vorher ab 23 Uhr zu Hause telefonisch erreichbar sein) überwacht, da Misstrauen grundsätzliche eine schlechte Basis für die Zusammenarbeit sei.

Schon einmal ein Spieler erwischt

Einzige Ausnahme, dies räumte Feichtenbeiner ein, war das eher zufällige Erwischen eines Spielers durch den Trainer selbst, der am Abend vor einem Spiel bei südländischen Temperaturen zu mitternächtlicher Stunde in einem Siegener Straßencafe erwischt worden war. Alkohol sei damals nicht im Spiel gewesen, dennoch gab es Geldstrafe und Abmahnung für den Spieler. Außerdem passiere so etwas überall, so Feichtenbeiner, der auf Bayern München mit seinen »Disco-Gängern« bzw. »Skifahrern« Basler, Kahn oder Matthäus verwies.

Dennoch scheinen die Siegener Spieler nach der »Kasernenhof-Ära« Ingo Peter mit dem umgänglicheren Typen Feichtenbeiner immer noch die Formen des Miteinanders auszuloten - was den Ergebnissen auf dem Platz abträglich zu sein scheint. Zumindest der Verein ist aber nach den Ereignissen der jüngsten Vergangenheit guter Dinge zu sein, dass man auf der Suche nach einem gedeihlichen Miteinander erheblich weiter gekommen ist. Eine erste Bestandsaufnahme wird es am Samstag in Eschborn geben.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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