Ein Vermächtnis für die Zukunft

Über namhafte Persönlichkeiten Königsbergs und Ostpreußens sprach Prof. Dr. Harald Seubert in der J.-G.-Herder-Bibliothek.  Foto: gast
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gast Weidenau. „Die geistige Landschaft Ostpreußens ist von besonderer Prägung. In ihr verbinden sich Universalismus und Patriotismus“, so die einleitenden Worte von Prof. Dr. Harald Seubert zu seinem Vortrag in der J.-G.-Herder-Bibliothek über „Das geistige Königsberg und Ostpreußen – Erinnerung und Vermächtnis für die Zukunft“. Prof. Harald Seubert: „Am 29. Juni 1256 wurde die Stadt Königsberg erstmals urkundlich erwähnt. Im Dezember 1242 bekundete der Landmeister Heinrich von Wida in einem Schreiben die Absicht, Lübischen Wünschen zur Gründung einer Freistadt mit Hafenzugang im Samland zu entsprechen.

Obwohl nur die Mündung des Pregelflusses als Siedlungsort in Frage kam, räumte der Deutsche Orden dem Lübischen Rat das Recht ein, den Siedlungsort zu bestimmen. Die Geschichte Königsbergs beginnt also im Widerspiel der Hanse und des Deutschen Ordens und erweist sich von größter europäischer Tragweite. Während es dem Kaiser um die Erweiterung des Reiches nach Osten ging, beabsichtigte der Papst, einen Kirchenstaat an der Ostsee unter der geistlichen Autorität des Erzbischofs von Riga einzurichten. Nach 1255 entstand eine erste Stadtanlage. Mit der Verleihung der Großen Handfeste zur uneingeschränkten Selbstverwaltung durch den Königsberger Komtur Albert von Meißen am 28. Februar 1286 konstituierte sich die Bürgerschaft.“

Wie der als Ordinarius für Ideengeschichte des deutschen Sprachraums und Kulturphilosophie an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen (Poznan) wirkende Prof. Harald Seubert weiter mitteilte, war Königsberg in der Barockzeit ein zentraler Ort der deutschen Poesie. Simon Dach schrieb seine Stadt in seine Gedichte ein. Er studierte 1626 an der Königsberger Albertina Theologie, wurde 13 Jahre später Professor für Theologie in Königsberg und später Rektor. Dach hielt Kontakt zur Liedertafel Heinrich Alberts, der das berühmte Gedicht Ännchen von Tharau vertonte. Der Referent beleuchtete ebenso die enge Verbindung des am 22. April 1724 in Königsberg geborenen Philosophen und Universitätslehrers Immanuel Kant zu seiner Stadt. Für ihn bedeutete Königsberg ein Sokrates des preußischen Ordens.

Prof. Seubert: „Sein Tagesablauf war immer minutiös geplant. Aus dieser Lebensform ging Kants großartiges Denkwerk hervor. Kant war unstrittig Republikaner und Vertreter der Konstitution. Neben Kant, dem Weltphilosophen aus Deutschland, profilierte sich der Philosoph Johann Georg Hamann. Hamann, ein kühner Sprachschöpfer, liebte Königsberg. Seine Schriften sind Theologie, Ur-Ästhetik und Sprachmethaphysik in einem. Gescheitert kehrte Hamann aus London nach Königsberg zurück, wo ihm Kant eine Stelle als Übersetzer verschaffte. Die Bedeutung und Größe des Nebenbuhlers Kant hat Hamann nie überwunden. Schwerkrank verließ er Königsberg für immer.“

Mit dem Dichter und Kultur-Philosophen Johann Gottfried Herder, dessen Prägung in Königsberg sich im Spannungsfeld von Kant und Hamann entwickelte, nannte der Vortragende eine weitere Persönlichkeit. Herder würdigte Kant mit den Worten. „Ich habe das Glück genossen, einen Philosophen zu kennen, der mein Lehrer war“. Anders als Kant ist Herder gereist. Zu Hamann, der den jungen Herder immer wieder von der Spekulation zum Leben rief, hatte er eine innige Beziehung.Auch für den preußischen Dichter Heinrich von Kleist, der im Mai 1805 in Königsberg eintraf, war die Stadt mehr als eine Episode. Hier wurde er Diätar an der Kriegs- und Domänenkammer. Der Dichter E. T. A. Hoffmann wurde in Königsberg geboren. Leidenschaftliche Liebe verband ihn in Königsberg zu der verheirateten sechsfachen Mutter Dora Hatt, die er Sonnenjungfrau nannte und nie wirklich besitzen durfte.Prof. Seubert: „Auch im 20. Jahrhundert brachten Königsberg und Ostpreußen besonders viele große innovative, freiheitliche Geister hervor. Zu nennen sind u. a. der Politiker und Jurist Hugo Haase sowie der letzte Ministerpräsident Preußens, Otto Braun, die jüdische Publizistin Hannah Arendt und der Schriftsteller Ernst Wiechert.“ Zum Schluss seines lebhaften Vortrags stellte Prof. Seubert fest: „Königsberg und Ostpreußen sind Gedächtnisorte eines künftigen Europa.“

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