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Paul Demandt beschäftigte sich schon Ende der 40er-Jahre mit dem Energiebedarf der Zukunft
Ein „wissenshungriger Mensch“

Auguste Demandt, die Mutter von Paul Demandt, vor dem Hof der Familie in Volnsberg (später ein Aussiedlerhof oberhalb von Volnsberg). Paul Demandts Vater, Friedrich Demandt, kam bei den Kämpfen um Verdun im Jahre 1916 um. Da war Paul acht Jahre alt.
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  • Auguste Demandt, die Mutter von Paul Demandt, vor dem Hof der Familie in Volnsberg (später ein Aussiedlerhof oberhalb von Volnsberg). Paul Demandts Vater, Friedrich Demandt, kam bei den Kämpfen um Verdun im Jahre 1916 um. Da war Paul acht Jahre alt.
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sz/gmz - Paul Demandt, u. a. Absolvent der Wiesenbauschule, warnte schon 1949 vor Fichten-Monokulturen und wies darauf hin, dass der Energiebedarf stark steigen werde!
sz/gmz Volnsberg/Buchen.  „In der heutigen Zeit muß jeder Möglichkeit, Kalorien zu schaffen, sei es in Form von Nahrungsmitteln oder von Energie und Wärme, nachgegangen werden.“ – Die Frage, wie man die wachsende Weltbevölkerung ernährt, das war ein großes Thema in den 1950er-Jahren. Dem widmet sich der gebürtige Volnsberger Paul Demandt in einer Schrift, die 1949 im Verlag Vorländer gedruckt wurde und die „Die Hebung der Siegerländer Land- und Forstwirtschaft“ thematisierte. Sein Lebenslauf ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie jemand trotz widriger Umstände mit Entschlossenheit und Können Chancen schafft und nutzt.

sz/gmz - Paul Demandt, u. a. Absolvent der Wiesenbauschule, warnte schon 1949 vor Fichten-Monokulturen und wies darauf hin, dass der Energiebedarf stark steigen werde!
sz/gmz Volnsberg/Buchen.  „In der heutigen Zeit muß jeder Möglichkeit, Kalorien zu schaffen, sei es in Form von Nahrungsmitteln oder von Energie und Wärme, nachgegangen werden.“ – Die Frage, wie man die wachsende Weltbevölkerung ernährt, das war ein großes Thema in den 1950er-Jahren. Dem widmet sich der gebürtige Volnsberger Paul Demandt in einer Schrift, die 1949 im Verlag Vorländer gedruckt wurde und die „Die Hebung der Siegerländer Land- und Forstwirtschaft“ thematisierte. Sein Lebenslauf ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie jemand trotz widriger Umstände mit Entschlossenheit und Können Chancen schafft und nutzt. Paul Demandts Sohn Georg erinnert, aus aktuellem Anlass (man erinnert sich vielleicht: Vor Corona waren der Umweltschutz und die ökologisch saubere Energiegewinnung das Thema aller Themen), an die Arbeit seines Vaters. Die Heimatlandredaktion der SZ sprach mit Georg Demandt und zitiert aus seinem Text über die Arbeit seines Vaters.
Auch wenn die Wortwahl – „Kalorien“ – vielleicht überraschen mag, da wir mit dem Kalorien eigentlich nur die Vorstellung verbinden, sie um jeden Preis zu vermeiden, zumindest die überflüssigen und die schlechten, ist die Problematik hochaktuell, die Paul Demandt schon 1949 diskutierte: Woher sollen die „Kalorien“ kommen, die Gesellschaft, Landwirtschaft und Wirtschaft für ein auskömmliches oder gutes Leben benötigen? Mit „Kalorien“ meinte er Energie, sei es in Form von Nahrung oder in Form von Strom, Wärme, Antriebsstoffen.

"Energiefrage" schon in den 1950ern entscheidend

Die Frage nach den Kalorien, der Energie, war eine, deren Beantwortung in der Zeit, als die Entbehrungen der Nachkriegszeit noch kaum überwunden waren, dringend war. Wie konnte die Gesellschaft die steigenden „Bedarfe“ decken? Bedarf bestand: Nahrung für Menschen und Nutztiere, Energie für Industrie und Produktion, für den Alltag, die zunehmende Mobilität. Energie war noch lange Jahre ziemlich teuer: Man erinnere sich nur an den Protest der Siegener Händler, die ihre Geschäfte in der Löhr-, der Kölner und der Marburger Straße unter Arkaden „verstecken“ sollten und damit hohe Stromkosten hatten!
Paul Demandt hatte, als er die Abhandlung 1949 schrieb, eine sehr interessante Berufslaufbahn hinter sich (und noch vor sich). Eigentlich hätte er, 1908 geboren, den elterlichen Hof in Volnsberg übernehmen sollen (er war der Älteste; der Vater war im Ersten Weltkrieg in Verdun gefallen), aber die Folgen einer Kinderlähmung schienen dem entgegen zu stehen. Er machte nach der Volksschule in Volnsberg eine kaufmännische Ausbildung, arbeitete in verschiedenen Betrieben und auch immer in der Landwirtschaft mit. Von 1934 bis 1938, also in seinen späten 20ern, besuchte er die Wiesenbauschule in Siegen, die sogenannte Kulturbauschule, und legte seine Abschlussprüfung als Ingenieur für „Wasserwirtschaft und Kulturtechnik“ ab.
Als Ingenieur war er in verschiedenen Verwaltungen und auch Wirtschaftsunternehmen tätig, in Münster und im Kölner Raum, studierte dann drei Semester an der TU Darmstadt moderne Methoden der Land- und Forstwirtschaft, war dort auch mit verschiedenen planerischen Sonderaufgaben betraut, konnte sein Studium aber kriegsbedingt nicht abschließen. Aber immerhin: Der begabte Ingenieur mit Volks- und Wiesenbau-Schulabschluss hatte Zugang zur Universität. Nach dem Krieg war er, Vater von fünf Kindern, in der Siegener Kreisverwaltung tätig und damit beauftragt, Hauberg in Weide- und Ackerland umzuwandeln. Den Kontakt zur Landwirtschaft hat er nie verloren, da er immer wieder, auch für längere Zeiten, im Familienbetrieb in Volnsberg mithalf. Später war er als Ingenieur für Tiefbau beim Amtsbauamt der Verwaltungsgemeinschaft Amt Keppel – Stadt Hilchenbach angestellt. Außerdem war er als Bauingenieur für Wasserwirtschaft (und Architekt) in Lippstadt tätig, dann im Raum Bonn und Königswinter, wo er u. a. die Ausschreibung für die Nordbrücke der Bonner Autobahnbrücke leitete. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand kam er wieder ins Siegerland zurück.

Paul Demandt: ein interessierter Mensch

Er starb 1986. Sein Lebenslauf zeigt, wie Paul Demandt als „wissenshungriger Mensch“ (so beschreibt ihn sein Sohn Georg im Gespräch mit der SZ-Heimatland-Redaktion) alle Chancen nutzte, um voran zu kommen, mit viel Engagement, Wissbegierde, Können, Geschick und Zielstrebigkeit trotz widriger Umstände (Krankheit, Krieg, etc.).
Sein Interesse galt nicht nur dem Kulturbau und der Architektur (im weitesten Sinne): Auch für Literatur, Geschichte und Sprachen hatte er ein Faible. Er lernte, mit seinem Volksschulabschluss als Grundlage, Latein im Fernstudium, eignete sich auch Englischkenntnisse an und zog in die USA, wo er aber nicht Fuß fasste, sondern mitsamt Familie (mit vier Kindern) wieder zurück nach Deutschland kam.
Und er machte sich, wie Georg Demandt im folgenden Text darlegt, Gedanken darum, wie die Menschheit zu ernähren sei, was man tun müsse, um die Ernährung aller zu sichern. Das Zitat zu Beginn des Textes fasst sein Anliegen zusammen, das er in der Schrift „Die Hebung der Siegerländer Land- und Forstwirtschaft“ mit dem Untertitel „Wege zur ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen“ veröffentlichte. Hier Georg Demandts Analyse der Veröffentlichung seines Vaters:

Georg Demandt über seinen Vater:

Im Erscheinungsjahr der Schrift [1949] sieht die Situation in Deutschland ernährungsmäßig eben ganz anders aus als heute, wie sich ältere Leserinnen und Leser erinnern werden: Das Stück Fleisch gibt es allenfalls am Sonntag … Die Probleme der Beschaffung von genügend Nahrungsmitteln sind immer noch spürbar, auch aufgrund des nicht abreißenden Stroms von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten.“ … Paul Demandt machte sich nach dem Krieg „Gedanken darüber, wie die schlechte Ernährungslage in seiner Heimat, dem Siegerland, verbessert werden könnte“. Die Schrift enthält verständlicherweise eine Reihe zeitgebundener Analysen bisheriger landwirtschaftlicher Produktionsweisen und Vorschläge zu ihrer Modernisierung.
Darüber hinaus wird man aber als heutiger Leser überrascht von Ideen und Ratschlägen, die nichts an Aktualität verloren haben. So warnt der Autor eindringlich davor, bei Aufforstungen nur auf Fichten- Monokulturen zu setzen, die in seinen Augen ökologisch vollkommen wertlos sind. Stattdessen sollte man den Laubwald viel stärker fördern. Bei Rodungsaktionen empfiehlt er, einen etwa 10 Meter breiten Baumbestand mit Unterholz stehen zu lassen, um Vögeln und Kleintieren Schutz und Lebensräume zu erhalten. Auch hält er wenig vom damals wohl allgemein üblichen Kahlschlag. Dieser sei für eine baldige Erholung des Waldes nicht förderlich.
Eine weitere Empfehlung bezieht sich auf Wiesen, Weiden und Äcker, die nach Möglichkeit zusammengelegt werden sollten. Damit würden manche unwirtschaftlich lange Anfahrwege zu Streulagen vermieden. Damit nimmt Demandt schon die etwa ein Jahrzehnt später in großem Stil beginnende Umlegung landwirtschaftlicher Flächen vorweg, die es Landwirten mit größeren Betrieben möglich machte, die meist kleinen Höfe in den zu eng gewordenen Dorflagen aufzugeben und neue, sogenannte Aussiedlerhöfe meist in Dorfnähe zu errichten. In deren unmittelbarer Umgebung sollten die eigenen landwirtschaftlichen Flächen ohne größeren Zeitverlust erreichbar sein.
Im Zuge solcher Flächenumlegungen könnten, so Paul Demandt weiter, schwer zu bewirtschaftende Wiesen, Weiden und Äcker in Steillagen aufgegeben und aufgeforstet werden. Dafür würden geeignete Waldflächen mit geringerer Geländeneigung gerodet und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Eventuell damit verbundene längere Anfahrwege seien in Kauf zu nehmen, da die neuen Flächen wesentlich einfacher bearbeitet werden könnten.
Besonders beeindruckt an der Schrift die hohe Sachkenntnis des Autors, unter anderem über die biochemischen Vorgänge im Boden, so dass man seine Vorschläge hinsichtlich Düngung und Bodenverbesserung nur als sehr fundiert bezeichnen kann. Dass er dafür die Verwendung des Tierdungs empfiehlt, dürfte kaum überraschen, ebenso wenig, dass er sich auch für die Aufbringung frischer Jauche (ein wohl auch heute im Siegerland vielfach gebräuchliches Wort für das, was im übrigen Deutschland meist mit Gülle bezeichnet wird ) auf Felder, Wiesen und Weiden ausspricht. - Fortsetzung folgt.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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