Eindrücke von „Reisestationen“

Auch Masken gehören zu Ion Ceausus Reise-Erinnerungen in der IHK. Foto: IHK

gmz Siegen. „Et ego in Arcadia: Auch ich war/bin in Arkadien“, dem gelobten Land, dem Land der Sehnsucht und der Freiheit des Geistes. Dieses Motto der klassischen, romantischen und modernen Italiensehnsucht steht am Beginn der „Reisestationen“, die der aus Rumänien stammende, seit 1979 in der Bundesrepublik, jetzt in Olpe lebende Maler Ion Ceausu in der IHK-Galerie in Siegen zeigt (Eröffnung heute, 19 Uhr). Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung von Kunst und Kultur Attendorn erstellt.

Bilder aus Italien, aus Südfrankreich, von der Algarve, von Bergen, dem Meer stellt er aus. Bilder von Reisen in andere Welten, von Erfahrungen mit anderen Kulturen und Entdeckungen neuer Gedanken. Aber keineswegs vorhersehbar, mit den üblich glatten Toskana-Motiven, oder der Schönheit der Côte und viel blauem Himmel. Sondern es sind expressive Bilder, herb manchmal, ungeschönt, aber schön. Sein „et ego“ beispielsweise überrascht, macht schmunzeln, dann nachdenklich. Da steht doch sein Auto unter einer Pinie in einer südlichen Landschaft und trägt sein „ick bin alt hier“ keck und unsentimental und durchaus bewusst vor sich her.

Im fast wilden Gestus, der an die Malerei der Fauves erinnert, zwingt er die Farben, so meint man, in eine Form, die wiederum gegen die Farbe ankämpft. Bewegt sind die Bilder deshalb, getragen von einer inneren Spannung, die nichts Süßes hat, auch wenn das Bild eine Reihe Pinien oder Zypressen auf einem Hügel zeigt. Oder, in den Stillleben, Blumen in einer Vase. Der kräftige Pinselstrich, das oftmals dominierende Schwarz, das ein Bild schier durchzustreichen scheint: Diese Eindrücke sind „erobert“, erworben, das Ergebnis langer Beschäftigung, nicht nur rein ästhetisch begründete „Bilder“.

Die auf den ersten Blick (zer)störenden, sehr dominanten schwarzen oder blauen Striche entpuppen sich auf den zweiten als ein strukturierendes Element, hinter dem sich das Bild erschließt. Man kommt sozusagen vom Abstrakten, dem Ceausu sich in jüngeren Jahren verbunden fühlte, zum Konkreten, erkennt den schwarz-blauen Formenwirrwarr in der Arbeit „Friedhof in Chianti“ vielleicht als ein Gestrüpp, hinter dem sich der Blick nach unten erschließen kann, auf ein ummauertes Areal, das den Friedhof bildet, daneben eine Kirche. Die Landschaft mit Feldern, die Straße, die sich am Hügel im Hintergrund entlangzieht, „sortieren“ sich anschließend. Dann entdeckt man vielleicht noch, dass eine Pinienallee dem Besucher Schatten spendet, auf dem Weg zu diesem Ort der Ruhe. Bei aller Reduktion der Darstellung, bei aller abstrahierten Form der Objekte, bei aller Energie, die dem Pinselstrich innewohnt: Die Ruhe des Ortes strahlt aus dem Bild.

Leichtigkeit erlangen Ion Ceausus Arbeiten da, wo er neben den kräftigen malerischen Pinselstrichen auch zeichnerische Akzente setzt. Der studierte Bauingenieur, der in Rumänien an dieses technische Studium eines der „Monumentalen Malerei“ (also der verschiedenen Spielarten der „Kunst am Bau“) anschloss, weiß um die Wirkung beider Ausdrucksformen. In der Arbeit „Weierhohl“ zeigt er, wie mit einem Fisheye-Objektiv gesehen, die stadtbildprägenden Türme eines Städtchens vor petrolblauem Himmel. Dieses Blau rückt die Türme von Kirche und Befestigungsanlage zusammen. Die feinen Linien, die den Himmel durchziehen, verbinden sie zusätzlich und beziehen den Himmel auf die Gebäude, nehmen ihm den „Selbstzweck“. Spannend!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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