Eine Augenzeugin berichtet

»Passionserzählung der Maria Magdalena« von Frederichs wird von Kantorei aufgeführt

gmz Siegen. Für ihn gebe es, sagt der Komponist Prof. Dr. Henning Frederichs im Gespräch mit der SZ, kaum ein anderes musikalisches Sujet, das menschlich und heilsgeschichtlich so aufwühlend, vielfältig und damit und natürlich auch musikalisch herausfordernd sei wie die Passion Christi. Deshalb hat er in den 80er Jahren die Bitte der damaligen Leiterin der Ev. Kantorei Siegen, Almuth Höfker, gerne aufgegriffen, die ihn, nachdem sie das von ihm komponierte Petrus-Oratorium gehört hatte, um ein ähnliches Werk für die Kantorei bat. Das stellten sie 1986 erstmals vor: »Die Passionserzählung der Maria Magdalena«.

Am kommenden Karfreitag, 18. April, 18 Uhr ist es wieder einmal in der Nikolaikirche zu hören, in einer Neueinstudierung aufgeführt von der Ev. Kantorei unter der Leitung von Ute Debus. Als Solisten werden Gertrud Günther (Mezzosopran), Matthias Weichert (Bariton), Gabriele Fuchs (Sopran), Annette Wurm (Alt), Martin Hackler (Tenor) und Ralf Stiebig (Bass) zu hören sein, Elmar Gränzdörffer ist der Sprecher. Dazu kommt ein Instrumentalensemble.

Als ausgesprochener Kenner von Passionsmusik (er hat darüber promoviert) wusste Henning Frederichs natürlich, dass er sich einem hoch komplexen Thema stellt – und hat deshalb einen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Zugang gewählt. Er lässt das Karfreitagsgeschehen von Maria Magdalena erzählen, einer Augenzeugin der dramatischen Ereignisse, die – in der »vorschriftlichen« Zeit der Urgemeinden – einen sehr persönlichen Bericht abliefert. Henning Frederichs greift dabei auf die Angaben der vier Evangelien zurück, die die Geschichte von der Verurteilung Christi und seiner Hinrichtung im Grunde ja sehr nüchtern, sachlich und fast distanziert berichten, und zieht auch einige Szenen aus dem apokryphen Petrus-Evangelium heran, zum Beispiel eine eindrückliche Schilderung der Sonnenfinsternis.

Die Sonne (und ihre Verfinsterung) liefert auch die Erzählstruktur für das Geschehen, das sich am Laufe der Stunden orientiert (»um die sechste Stunde aber ...«). Zugleich bildet das Aufgehen der Sonne, die Sonnenfinsternis und das Untergehen der Sonne auch musikalisch ein »Gerüst«, das den Zuhörern das Verrinnen der Zeit und das Fortschreiten der Ereignisse verdeutlicht. Zu dem Lauf der Zeit hat Henning Frederichs auch die zu den Stundengebeten gehörenden Psalmtexte gestellt. Maria Magdalena selbst erzählt von Abendmahl, Verrat, Gefangennahme, Verurteilung und Hinrichtung – sie war ja, so kann man aus den Evangelien schließen, anwesend. Henning Frederichs hat die Figur Maria Magdalena auch ausgewählt, weil sie Augenzeugin war und ihr im Zusammenhang mit der Auferstehung ja eine besondere Rolle zukommt (sie ist eine der ersten, die dem auferstandenen Christus begegnet). Als Augenzeugin liefert sie einen bewegten und bewegenden Bericht (gesungen von der Mezzo-Sporanistin Gertrud Günther). Auch musikalisch setzt Henning Frederichs, der u.a. in Köln eine Professur für Dirgieren innehatte und lange den Wittener Bach-Chor geleitet hat, eigene Akzente. Die Partie der Maria wird beispielsweise leitmotivisch von einer Bratschenmelodie begleitet. Diese Melodie taucht verfremdet auch auf, spielt also mit »verstellter Stimme«, wenn sie Jesus »zitiert« oder Pilatus, die von anderen Sängern verkörpert werden. Verschiedene Stile verdeutlichen die unterschiedlichen Ebenen der Erzählung: Die Musik stellt die Komplexität der Ereignisse eindrucksvoll vor. Am Freitag, 17.15 Uhr, führt Henning Frederichs in der Nikolaikirche in seine Komposition ein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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