Eine ganze Menge Not kann gelindert werden

Verein »Siegener Tafel« wird im Mai fünf Jahre alt / Neuer Standort beim Hammerwerk in Weidenau

kk Siegen. Die Schlange ist lang. Am Eingang stehen zwei Tische. Dahinter zwei Frauen. Siegener Ausweise werden vorgezeigt. Einem Abgleich mit der alphabetisch geordneten Namensliste folgt die Ausgabe einer Nummer. Gegen Vorzeigen der Nummer werden hauptsächlich Lebensmittel durch ein Fenster gereicht. Die Menge hängt von der Anzahl der Familienmitglieder ab. Gezahlt wird 1 e. Der Gegenwert der Waren beträgt ein Vielfaches.

Es ist wohl kein Geheimnis mehr: Wir sind zu Besuch bei der Siegener Tafel. Die hat ihr neues Quartier in vier Containern beim alten Hammerwerk unter der HTS-Zufahrt in Weidenau bezogen. Die Bleibe ist mittlerweile hergerichtet. Die Gäste haben sich an den neuen Standort gewöhnt. Dienstag und Donnerstag um 14.30 Uhr startet die Ausgabe der Nahrungsmittel. Dienstags sind bedürftige Familien an der Reihe, deren Nachname mit Buchstaben zwischen A und K beginnt. Donnerstag kommt dann das restliche Alphabet an die Reihe.

»Der neue Standort hat große Vorteile«, berichtet Sybille Klein als Vorstandsmitglied des Vereins »Siegener Tafel«. Niemand werde unter der massigen HTS nass. Direkte Nachbarn gebe es nicht. Bei einem Rundgang übers neue Areal wird schnell klar: Eine gute Portion Logistik und vor allem ehrenamtliches Engagement sind vonnöten, damit alles läuft. Denn: Bevor Nudeln, Milch, Joghurt, Brot, Obst und vieles mehr durch die Fenster gereicht werden können, müssen die Güter morgens von insgesamt 38 Geschäften abgeholt werden. Sybille Klein: »Wir sammeln zwischen Hilchenbach und Mudersbach ein.« 15 Fahrer sind unentgeltlich im Einsatz. Die Vorstandsvertreterin: »Das ist eine muntere Truppe.« Alles Rentner. Übrigens: Der Verein sucht noch Urlaubsvertretungen.

Abgeholt wird, was in den Läden aussortiert worden ist. Verteilen statt vernichten lautet das Motto. Sybille Klein: »Zwei Tage vor Ablauf des Verfalltermins kommen die Sachen aus den Regalen.« Die Lebensmittel landen aber nicht im Müllcontainer, sondern in zwei gekühlten Kleintransportern, »Sprinter« genannt. Einer ist erst einmal eine Leihgabe für den Übergang. »In wenigen Wochen wird das neue Auto da sein.« Das kostet einen Batzen Geld. Um das aufzubringen, ließ das Team – dazu gehören auch etwa 40 Helferinnen – sich etwas einfallen. Am 3. Mai wird auf dem Geisweider Flohmarkt verkauft, was im eigenen oder befreundeten Haushalt nicht mehr vonnöten ist. Auch eine Spardosen-Aktion läuft. Nicht nur für die Bezahlung des »Sprinters«, sondern auch zur Deckung der laufenden Kosten. Zuschüsse erhält der Verein nämlich nicht.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Siegener Tafel sind hoch motiviert. Sybille Klein: »Wir sehen, dass wir eine Menge Not lindern können.« 487 Familiennamen stehen in den Unterlagen. »Wir versorgen pro Woche sicherlich 1500 Menschen.« Geschummelt werden kann nicht. Sybille Klein: »Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen.« So sei beispielsweise die genaue Familiengröße amtlich bestätigt. Ein Trend fällt ins Auge: »Im Mai bestehen wir seit fünf Jahren. Anfangs hatten wir rund 80 Prozent ausländische Gäste. Jetzt sind das nur mehr 60 Prozent. Von Woche zu Woche kommen mehr Deutsche hinzu.«

Fünf Jahre Siegener Tafel e.V. – der Geburtstag wird am 31. Mai von 11 bis 15 Uhr am neuen Standort gefeiert. Ab 19 Uhr gibt es ein Benefiz-Konzert in der Pfarrkirche Peter und Paul. Es singt das Ensemble Cantemus Siegen. Übrigens: Wer mithelfen möchte, kann sich auf der Homepage des Vereins (www.siegener-tafel.de) über dessen Arbeit informieren. Das Büro ist dienstags und donnerstags von 9 bis 17 Uhr besetzt (Tel. 2384520).

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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