Eine Geburt auf der L 718

 Große Freude über eine ungewöhnliche Geburt: (v. l.) Notfallsanitäter Luis Scholl, Mariusz Paul Anghel (Vater), Carmen Maria Anghel (Mutter), Notfallsanitäter Marco Klein mit Alexander-Damian Anghel auf dem Arm und Hebamme Petra Walczok. Foto: ial
  • Große Freude über eine ungewöhnliche Geburt: (v. l.) Notfallsanitäter Luis Scholl, Mariusz Paul Anghel (Vater), Carmen Maria Anghel (Mutter), Notfallsanitäter Marco Klein mit Alexander-Damian Anghel auf dem Arm und Hebamme Petra Walczok. Foto: ial
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ial - „Anhalten Notarzt – und komm’ nach hinten!“, was scheinbar hektisch klingt, das lief am Freitagmorgen ruhig und routiniert ab. Eine Geburt. Mitten auf der L 718, im DRK-Rettungswagen der Rettungswache Bad Laasphe. Eigentlich war die 24-Stunden-Schicht der beiden Notfallsanitäter Marco Klein und Luis Scholl fast beendet. „Doch wir mussten morgens noch mal raus. Keine dringliche Alarmierung“, erinnern sich die beiden im Gespräch mit der Siegener Zeitung.

Zu einer Entbindung hatte die Leitstelle des Kreises Siegen-Wittgenstein den Rettungswagen ins Stadtzentrum von Bad Laasphe geschickt. „Das haben wir ja öfter mal. Nichts Besonderes“, schildert Marco Klein. In den meisten Fällen ist bis zur Geburt noch genügend Zeit, um die werdenden Mütter in Ruhe ins Krankenhaus zu fahren und wichtige Dinge, wie zum Beispiel Schwangerschaftskomplikationen, zu besprechen. „Auch hier kam uns die Frau schon entgegen gelaufen“, erinnern sich beide. Entsprechend als Routine stufen sie auch diesen Fall ein. Nachdem wichtige Daten aus dem Mutterpass erhoben sind und die Vorgeschichte abgeklärt ist , ist klar: Keine Risikoschwangerschaft, geplanter Geburtstermin und die Fruchtblase ist bereits geplatzt. Wehen alle drei Minuten. „Der Muttermund war geschlossen und wir sind dann los gefahren“, erklärt das Team. „Aber während des Transports wurden die Wehenabstände kürzer und die Frau begann auch zu pressen“, schildert Marco Klein die weitere Entwicklung. Mehrmals schaut er nach dem Muttermund, der für die Geburt immer noch nicht ausreichend geöffnet ist. „In Dotzlar war noch alles okay“, erinnert er sich.

Trotzdem hat er seinem Kollegen Luis Scholl bereits gesagt, dass er schneller fahren soll. Daran erinnert er sich mit einem Lächeln im Gesicht. „Auf der Lenne war der Muttermund dann offen und das Köpfchen schaute bereits heraus“, berichtet er. Trotz Atemanleitung, die er der Mutter vorgemacht hat, hat sich das Baby entschieden, noch im Rettungswagen das Licht der Welt zu erblicken. Hand in Hand arbeitet das eingespielte Team zusammen und bringt ein Kind zur Welt, als hätte es nie etwas anderes getan.

Um 5.52 Uhr wird Alexander-Damian, ein kleiner Junge, im Rettungswagen geboren. „Wir haben uns blind verstanden, waren sehr aufeinander abgestimmt und es brauchte nicht vieler Worte. Das lief einfach“, erinnert sich Luis Scholl. Im Bad Berleburger Krankenhaus ist Hebamme Petra Walczok bereits vorgewarnt, dass eine Frau kommt, die kurz vor der Entbindung steht. Für die Ankunft der werdenden Mutter und des Babys ist alles vorbereitet. „Plötzlich hieß es, dass das Kind schon da ist“, erinnert sie sich. Bei der Ankunft im Krankenhaus werden Mutter und Kind untersucht und die Nachgeburtsphase wird abgewartet. „Danach konnte die Mutter ihr Kind stillen und kam dann vom Kreißsaal auf die Station. Das Kind wurde von Dr. Sandra Hartmann, unserer Gynäkologin, untersucht“, erklärt Petra Walczok das weitere Vorgehen in der Klinik. Und: „Der Geburtsstandort hier in Bad Berleburg ist sehr wichtig. Ansonsten wären die werdenden Mütter über eine Stunde unterwegs, bis sie im geeigneten Krankenhaus ankämen. Und nicht jede Geburt verläuft ohne Probleme“.

Wie ging es eigentlich dem RTW-Team dabei? „Ich wollte am Freitagmorgen noch ganz kurzfristig ein bisschen Resturlaub nehmen, aber das klappte dann nicht mehr“, scherzt Marco Klein. „Und ich wollte auch gar nicht anhalten, als Marco das sagte“, fügt Luis Scholl lachend hinzu. „Das schönste nach der Geburt war, als von der Petra eine Whatsapp-Nachricht kam, dass Mutter und Kind wohlauf sind und wir wirklich alles richtig gemacht haben“, freuen sich die beiden. Eine Geburt im Rettungswagen hatten sie noch nie. „Das kommt wahrscheinlich auch nur einmal in so einem Berufsleben vor“, sind sie sich sicher. „Ich habe das seit ich hier arbeite, auch noch nie mitbekommen“, kann auch Petra Walczok aus ihrer Erfahrung sagen. Ihren Stolz über die glückliche Geburt können die drei nun alle nicht mehr verbergen. „Das ist schon etwas ganz wunderschönes“, sind sie sich einig.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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