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Foodsharing in Siegen
„Eine gemeinsame Hand“

Wegwerfen und Verschwendung minimieren: Annabell Lixfeld ist „Foodsaverin“ und rettet nicht mehr verkäufliche Lebensmittel aus Überzeugung.
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  • Wegwerfen und Verschwendung minimieren: Annabell Lixfeld ist „Foodsaverin“ und rettet nicht mehr verkäufliche Lebensmittel aus Überzeugung.
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sabe Siegen. In Zeiten von Corona Seite an Seite stehen, wenn auch mit dem nötigen Abstand: Vielerorts werden Kräfte gebündelt, Menschen vernetzen sich, schließen sich zusammen, wollen helfen. Das Solidarische, das gemeinschaftliche Schaffen, scheint mit Blick auf die Verkettung von Zusammenschlüssen aus Vereinen, Privatpersonen, Kommunen, Institutionen und Nachbarschaftshilfen im Zuge der Krise neu entfacht und weiter befeuert.

„Jeder hat das große Ganze vor Augen“, sagt Philip Engelbutzeder. „Es wird schnell gehandelt. Was sonst drei, vier, fünf Monate gebraucht hätte, ist jetzt in zehn Tagen entstanden.“ Der Wissenschaftler der Verbraucherinformatik ist Mitglied bei „Foodsharing“ und Teil eines großen Zusammenschlusses, den die Corona-Krise erst hat entstehen lassen.

sabe Siegen. In Zeiten von Corona Seite an Seite stehen, wenn auch mit dem nötigen Abstand: Vielerorts werden Kräfte gebündelt, Menschen vernetzen sich, schließen sich zusammen, wollen helfen. Das Solidarische, das gemeinschaftliche Schaffen, scheint mit Blick auf die Verkettung von Zusammenschlüssen aus Vereinen, Privatpersonen, Kommunen, Institutionen und Nachbarschaftshilfen im Zuge der Krise neu entfacht und weiter befeuert.

„Jeder hat das große Ganze vor Augen“, sagt Philip Engelbutzeder. „Es wird schnell gehandelt. Was sonst drei, vier, fünf Monate gebraucht hätte, ist jetzt in zehn Tagen entstanden.“ Der Wissenschaftler der Verbraucherinformatik ist Mitglied bei „Foodsharing“ und Teil eines großen Zusammenschlusses, den die Corona-Krise erst hat entstehen lassen. Vertreter von „Foodsharing“, „SoliNa“ (eine im Zuge der Corona-Krise gegründete Hilfsorganisation, steht für Solidarität und Nachbarschaft Siegen) und dem Heimatverein Achenbach stehen an der Achenbacher Straße 115 (Sozial-Café und Restaurant Net(t)werk) – mit ausreichender Luftlinie – im großzügigen Garten für mehr „Wir“ zusammen. Die Kooperation wolle, so formuliert es Stefan Jäkel, Medienbeauftragter von SoliNa, das Wissen und die Netzwerke dreier Bewegungen als eine starke Hand formieren, die gerade jetzt in der Krisenzeit schnell handlungsfähig werden könne, um mit voller Kraft Lebensmittel an wohnungslose und hilfsbedürftige Menschen verteilen und ausgeben zu können.

Suppe für viele

Um das Haus herum hat sich bis in den Vorhof eine lange Schlange gebildet. Im Zwei-Meter-Abstand stehen Menschen und warten geduldig auf ihre Portion Suppe zum Mitnehmen. Manche tragen eine Maske. Die Stimmung ist gut, keiner drängelt, alle freuen sich auf die warme Schale in den Händen. „Selbstgemacht“, sagt Tamara Schmidt vom Heimatverein. „Nach meinem Aufruf bei Facebook haben sich zwei Frauen gemeldet und gesagt, sie wollen helfen. Jetzt kochen sie jede Woche einen frischen Eintopf für die Bedürftigen.“

Als die Tafeln im Zuge der Krise schließen mussten und damit ein klaffendes Loch in der Versorgung von obdach- und mittellosen Bürgern entstand, sei Hilfe noch viel dringlicher geworden. Kurzum habe der Heimatverein dann beschlossen, seine Ressourcen gegen Armutsbekämpfung noch weiter auszubauen.

Drei Initiativen - ein Strang

Die Mahlzeit oder auch die gepackte Lebensmitteltüte zum Mitnehmen, schnell hat der Verein reagiert, Hilfe kam von allen Seiten. „Das war Wahnsinn – diese Entwicklung, wirklich unfassbar.“ Der Aufruf hallt nach und schallt weit. Neben Privatpersonen kommen auch „Foodsharing“ und „SoliNa“ auf den Heimatverein zu. Eine Initiative ist geboren, die „voneinander lernen will, miteinander stehen will“, wie es Günter Langer als Vorsitzender des Heimatvereins formuliert. „Und die wächst und wächst und wächst …“ Trennlinien in Organisation und Ausrichtung, so wird es beim Gespräch zwischen blühenden Kirschbäumen klar, gibt es natürlich auch unter dem Schirm der Kooperation in den inneren und äußeren Vereinsstrukturen der drei Partner weiterhin. 

SoliNa, gegründet im Zuge der Corona-Krisenentwicklung, hat seine Versorgungsstrukturen – hauptsächlich geht es hierbei um Einkäufe, anderweitige Besorgungen oder Gassigehen – quasi aus dem Boden gestampft. Foodsharing ist ein deutschlandweiter gemeinnütziger Verein mit lokalen Ortsgruppen, dem ein breites (digitales wie analoges) Netzwerk mit systematisierten Strukturen zugrunde liegt und der seit Jahren beständig wächst. So können beispielsweise über die Online-Plattform Essenskörbe erstellt oder Hygiene- und Etikettemaßnahmen aufgerufen werden.

Alle machen mit

Der Heimat- und Verschönerungsverein Achenbach hat sich mit seinen breit aufgestellten Projekten die Verbesserung des Lebensumfelds für die Achenbacher Bürger und für Einzelne zur Aufgabe gemacht – das reicht von Dorfplatzerneuerung über Armutsbekämpfung. Im Zuge des Zusammenschlusses werden die Trennlinien allerdings als Schnittstellen genutzt – die Früchte einer unkonventionell genutzten Symbiose sprießen bereits. „Wir merken jetzt schon, wir können was richtig Tolles bewegen“, sagt Günter Langer. „Alle machen mit und wollen helfen, parteiübergreifend, generationsübergreifend.“

So seien etwa schon richtige Freundschaften zwischen jungen und älteren Menschen entstanden – „bei SoliNa und Foodsharing sind viele junge Menschen dabei“ –, man ergänze sich wunderbar: „Wir brechen da gerade ganz viel auf, das tut uns so gut.“ Zwar sei man aus der Krise heraus entstanden, wolle das nahrhafte Bündnis aber darüber hinaus weiterhin pflegen, da sind sich alle vier Gesprächspartner einig.

Die Ideen und Projekte sprudeln schon: Wissen zwischen den Generationen weitergeben, etwa Gemüsegärten traditionell bewirtschaften und forschungsgestützt mit Blick auf nachhaltige Lebensweisen begleiten, jüngere Menschen werden zu Gesprächspartnern für Ältere oder Alleinstehende – viel ist am Werden, viel ist schon da: Suppenausgabe, Essenskörbe, Lebensmitteltüten, ein Lieferservice für hilfsbedürftige Menschen, die mobilitätseingeschränkt sind oder Angst vor einer Infektion haben. Die Bewegung will eine möglichst flächendeckende Verteilung und bündelt dazu alle zur Verfügung stehenden Ressourcen: „Das ist kein ,entweder oder’, sondern ein ,und’“, sagt Tamara Schmidt.

• Erreichbarkeit des Lieferservices unter Tel. (01 70) 6 76 87 13, eine Übersicht über alle gebündelten Hilfsangebote darüber hinaus wurden auf der Internetseite www.navi-siegenhilft.de gebündelt.

Foodsaverin Annabell Lixfeld im Interview Über Skype erreicht die SZ Annabell Lixfeld. Sie ist engagiertes Mitglied bei Foodsharing. Ursprünglich rettet und verteilt der Verein „ohne caritativen Anspruch“, wie sie sagt, Lebensmittel, die der Handel nicht mehr anbieten darf, weil die Mindesthaltbarkeit überschritten ist oder die aus Gründen der Übersättigung im Müll landen würden. Im Zuge der Corona-Krise und durch die Folgen der geschlossenen Ausgabestellen der Tafeln stehen jetzt aber neben der Rettung von Lebensmitteln auch die Versorgung von Bedürftigen mit im Fokus.

Wofür steht Foodsharing?

Ein Grundsatz ist die Verschwendung zu minimieren. Gute Lebensmittel wegzuwerfen ist ethisch nicht vertretbar. Wir wollen durch Koch- oder Schnibbelpartys aber auch soziales Miteinander stärken und nachhaltige Veränderungen im Umgang mit Lebensmitteln anschieben.

Wie organisieren Sie sich?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein und als Siegener Ortsgruppe mit Foodsavern in ganz Deutschland vernetzt, gerade auch durch unsere Plattform. Jeder Foodsaver ist darüber hinaus im Gestalten von Lebensmittelabholungen und dem Verteilen individuell und führt das nach seinen eigenen Möglichkeiten durch. Das geht im Großen und im Kleinen.

Müssen während Corona-Zeiten noch Lebensmittel gerettet werden – beziehungsweise geht die Lebensmittelverschwendung nicht vielleicht zurück?

Das beobachte ich bisher nicht. Selbst wenn die Ladentheken leer sind, wird immer noch Nahrung im Müll zu finden sein.

Wie hat Corona Strukturen bei Foodsharing verändert?

Wir sind beständig dabei herauszufinden, wie wir unseren Beitrag leisten können und unterstützen gerade bei der Versorgung von Bedürftigen. Wir bauen viele Kooperationen auf und vernetzten uns. Ich sehe das auch als Chance, Strukturen aufzubrechen, den Ressourcenkreislauf zu erweitern und das soziale Miteinander zu fördern.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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