Eine Menge auf dem Kerbholz

Am Berleburger Amtsgericht fand am Freitag eine Verhandlung gegen vier junge Männer aus Bad Laasphe statt. Die hatten eine ganze Reihe an Straftaten gesammelt. Foto: Archiv
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howe - Das war ja am Freitagmorgen ein Akt im Bad Berleburger Amtsgericht: Da nahmen vier Anwälte Platz, der Staatsanwalt, das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Torsten Hoffmann, dann die Protokollführerin, der Mann von der Jugendgerichtshilfe, die Presse und zahlreiche Akteure mehr. Doch bevor die Verhandlung überhaupt beginnen konnte, war erst einmal langes Warten angesagt. Eine Stunde dauerte es, bis die Polizei den Haupttäter der vier Angeklagten von zuhause abholte und in den Gerichtssaal brachte. Der junge Mann hatte nämlich gar keine Anstalten gemacht, vor Gericht zu erscheinen.

Angeklagt waren vier junge Männer im Alter von 16 bis 22 Jahren, die sich in insgesamt zehn Verfahren auf unterschiedliche Weise strafbar gemacht haben. Erste Tat: Den Anfang machte eine gemeinschaftliche Körperverletzung. Staatsanwalt Markus Bender warf den Männern vor, sie hätten nach einem Gerangel in einem Bad Laaspher Industriegebiet auf einen Beifahrer eines Wagens eingeschlagen. Zuerst habe der 22-Jährige den Fahrer provoziert , bespuckt, mit der Faust ins Gesicht gehauen und zum „guten“ Schluss auch noch den Seitenspiegel abgetreten. Dann habe der Mitfahrer eine Tracht Prügel bezogen. Zweite Tat: Derjenige mit den meisten Taten auf dem Kerbholz, ein 20-Jähriger, schlug in einem Wohnhaus eine Scheibe ein, öffnete die Haustür und verschaffte sich Zutritt. Einer Frau schlug er ins Gesicht, eine andere warf er auf den Boden, sodass sich diese an den Scherben der Scheibe verletzte.

Dritte Tat: Der 20-Jährige beleidigte in einer Jugendeinrichtung Gleichaltrige, zeigte grundlos den Mittelfinger, spuckte herum. Die Polizei packte sich den jungen Mann, um ihn mit zur Wache zu nehmen. „Spacko“ und „Schwuchtel“ waren noch harmlose Worte, die der 20-Jährige den Beamten entgegnete. Vierte Tat: Einem 16-jährigen Angeklagten konnte die Polizei den Erwerb von Cannabis in sieben Fällen nachweisen. Vor Gericht zeigte er sich geständig. Fünfte Tat: Der 16-Jährige warf eine Tür im Städtischen Gymnasium mit einem Stein ein. 1400 Euro kostete der „Spaß“, den der junge Mann übrigens sofort beglich. Er hatte sogar den Allerwertesten in der Hose, sich beim Hausmeister und beim Schulleiter persönlich zu entschuldigen. Sechste Tat: Der 20-Jährige machte wieder von sich reden. Er schlug eine Wohnungstür ein und entwendete einen Kleiderbügel mit einer Uniform. Wohnungseinbruchsdiebstahl nannte Staatsanwalt Markus Bender das Delikt.

Siebte Tat: Bei einem Schulball soll der 20-Jährige den Kartenkontrolleur gepackt und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben. Glasflaschen sollen geflogen sein und zwei junge Frauen schwer im Gesicht und am Kopf getroffen haben. Achte Tat: „Alter Homo“ als Schimpfwort für einen Polizeibeamten, der sich mehrfach beleidigen lassen musste: Den 20-Jährigen steckten die Ordnungshüter in die Zelle und fixierten ihn. Neunte Tat: Der 16-Jährige wollte sich den Spaß machen, mit Papas Auto zu fahren. Die Tour endete im Desaster. Das Auto wurde mit Totalschaden geschrottet, obendrein erfolgte die Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Und die zehnte Tat: Außer bei der Körperverletzung trat noch der 17-Jährige in Erscheinung. Ihm warf die Staatsanwaltschaft unerlaubten Besitz von Cannabis vor.

Die Verhandlung wird am 30. Januar und am 6. Februar fortgesetzt, aber nur mit zwei der vier Angeklagten. Die anderen erhielten noch ihre Urteile: 90 Tagessätze zu je zehn Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung unter erheblich verminderter Schuldfähigkeit für den 22-Jährigen und 250 Euro Geldbuße nach Jugendstrafrecht für den 16-Jährigen – und zwar wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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