Eine Reise bis zum Urknall

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kk Siegen. Was geschah beim Urknall? Woraus besteht das Universum? Woher kommt die Masse? Wo ist die Antimaterie? Wissenschaftler aus der ganzen Welt – viele davon kommen aus Deutschland – gehen diesen grundlegenden Fragen nach. Mit dem neuen Large Hadron Collider, dem großen Teilchenbeschleuniger am europäischen Teilchenforschungszentrum CERN bei Genf, hoffen sie, endlich Antworten auf diese Fragen zu finden. Einen großen Schritt sind die Forscher in diesem Jahr bereits vorangekommen: Erstmals wurden im Beschleuniger Protonen bei 7 Teraelektronenvolt zum Zusammenstoß gebracht. Das sorgte weltweit für Schlagzeilen. Auch bei den Siegener Physikern am Emmy-Noether-Campus, die an der ATLAS-Kooperation beteiligt sind, knallten die Sektkorken (die SZ berichtete). Aufgabe des ATLAS-Experiments ist es, die unvorstellbar winzigen neuen Teilchen, die bei den Kollisionen entstehen, sichtbar zu machen und die Daten auszuwerten.

Die Forschungsvorhaben am LHC sind hochspannend, künftige Ergebnisse können durchaus weltbewegend sein. Das weiß auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, kurz BMBF genannt, das einen stattlichen Teil der CERN-Finanzierung schultert (aus Deutschland kommen 20 Prozent des CERN-Gesamtbudgets, das 2007 bei rund 650 Mill. Euro lag). Die Arbeiten am LHC (Kosten des Beschleunigers: 3 Mrd, Euro) und vor allem die Beiträge der deutschen Wissenschaftler sollten einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden. Die Ausstellung „Weltmaschine“ wurde konzipiert. Erstmals zu sehen war diese im Herbst 2008. Der U-Bahnhof Bundestag war fertiggestellt. Bevor die Züge rollten, wurden die Exponate unterirdisch – auch der LHC liegt unter der Erde – aufgebaut und zugänglich gemacht. Der Siegener Teilchenphysiker Prof. Dr. Peter Buchholz: „Die Ausstellung war ein Riesenerfolg mit hohen Besucherzahlen.“

Der große Zuspruch führte dazu, die Ausstellung „Weltmaschine“ in eine Wanderausstellung umzuwandeln, die ganz oder aber auch in Teilen geordert werden kann.In Siegen standen die Planungen für den NRW-Tag an. Buchholz: „Alle Fachbereiche der Universität wurden gefragt, was sie beitragen wollen.“ Die Teilchenphysiker schalteten schnell, reservierten bereits vor einem Jahr die komplette „Weltmaschine“ für Siegen. Die Forschungstransferstelle war behilflich.

„Wir organisieren nun seit zwei Monaten sehr eifrig“, schildern Buchholz und Dr. Wolfgang Walkowiak die aktuelle Lage. „Das ist aber eine tolle Chance.“ Vom Ausstellungsort – der Galerie der Siegerlandhalle – sind die Teilchenphysiker völlig begeistert: „Wir sind sehr froh darüber.“ Zum Ende der zweiten Septemberwoche werden die Lastwagen mit den Exponaten anrollen. Verbunden damit ist viel Koordinierungsarbeit. „Die Teile kommen aus verschiedenen Orten.“ Erstmals seit längerer Zeit wird die „Weltmaschine“-Ausstellung in Siegen ganz gezeigt werden. Das Interesse ist groß. Nicht zuletzt Vertreter des BMBF, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Wissenschaftsministerin Svenja Schulze haben ihr Kommen für den Nachmittag des 18. September zugesagt.

Doch nicht nur für Ehrengäste stehen die Pforten offen. Die Ausstellung wird bereits am 14. September freigegeben. Bis zum 23. September verweilt sie in der Krönchenstadt. „Die Ausstellung ständig geöffnet zu halten, überstiege aber unsere Kapazitäten“, so Buchholz. Dienstags und donnerstags steht die „Weltmaschine“ jedermann ab 17 Uhr zur Betrachtung und Teilnahme an einer Führung frei. Um 19 Uhr wartet jeweils ein allgemein verständlicher Vortrag auf die Gäste. Am 14. September führt Prof. Buchholz ins Thema ein „Siegen und die Weltmaschine“. Am 16. September lautet das Thema von Prof. Dr. Markus Risse „Aus der Pampa zu den Sternen: Die Erforschung der höchstenergetischen Teilchen des Universums“. In die „Welt der Quarks“ entführt am 21. September Prof. Dr. Ivor Fleck. „Vom Allerkleinsten bis zum Allergrößten: Teilchenphysik und Kosmologie“ lautet am 23. September das Vortragsthema von Prof. Dr. Thomas Mannel.An den Werktagen (Montag bis Freitag) gibt es um 9 und um 11 Uhr Führungen für Schulklassen ab Jahrgangsstufe 9. Anmeldungen sind über die Website http://www.weltmaschine-siegen.de möglich. Für weitere Gruppen ab zehn Personen werden Sonderführungen angeboten. Buchholz: „Wir werden niemanden sitzen lassen.“ Im Rahmen des NRW-Tags soll es Spontanführungen geben. Filme über den Beschleuniger LHC und auch 3D-Bilder sind in Kinos zu sehen.

Gehen nochmal die Aufstellung der Ausstellung „Weltmaschine“ durch, die zum NRW-Tag – ebenso davor und danach – auf der Galerie der Siegerlandhalle zu sehen ist: Prof. Dr. Peter Buchholz, Doktorand Kai Grybel und Dr. Wolfgang Walkowiak (v. l.).  Foto: kk
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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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