Eine Welle der Hilfsbereitschaft

1. KFC Sao Paulo im Siegerland herzlich empfangen / Der kleine Mattheus traf Lucio

Krup Siegen. Ganze 30 Monate alt ist Mattheus Farias – und dennoch hat er schon ein Erlebnis hinter sich, um das ihn Millionen von brasilianischen Kindern beneiden werden. Am Samstag hat der kleine Schwarzschopf mit den lustigen braunen Knopfaugen den großen Lucio, den Kapitän der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft getroffen; hautnah und absolut »live-haftig« auf dem Rasen der BayArena in Leverkusen. Mattheus und seine Eltern gehören zur 32-köpfigen Delegation des Fußballclubs 1. KFC Diadema aus Sao Paulo, der noch bis Ende dieser Woche im Siegerland weilt.

Seit Mitte Juli sind die Kicker aus Südamerika unter der guten Bewirtung der Ev. Freikirchl. Gemeinde Baptisten Geisweid im Weidenauer Kreisjugendheim untergebracht, von dort aus starten sie ihre Tagestouren. Praktisch jeden zweiten Tag stand und steht ein Freundschaftsspiel oder ein Turnierauftritt auf dem Programm. Die gemeinsame Freude am Fußballspielen ist das Medium, das die deutschen Gastgeber und ihre brasilianischen Gäste zusammenführt – die Intention der Südamerikaner jedoch eine weitaus wichtigere. Mit ihrem Europa-Trip werben die Fußballer aus Diadema für ihr Sozialprojekt in der Heimat. Pastor Markus Lienhard (34), der sein bisheriges Leben zur Hälfte in Brasilien und in Deutschland verbracht hat, lebt seit 1999 in Sao Paulo und hat dort im mühevoller Arbeit mit ungeheurem Idealismus eine Fußballschule aufgebaut. »Mittlerweile betreuen wir in unseren drei Einzeleinrichtungen insgesamt rund 600 Straßenkinder im Alter von 5 bis 18 Jahren«, berichtet Lienhard, der in Belem geboren wurde, mit 14 Jahren nach Siegen kam und in den 80er Jahren auch selbst in der »2. Welle« der Sportfr. Siegen trainiert hat. Seine Eltern leben heute in Herdorf.

»Leben in vernünftige Bahnen lenken«

»Unser wichtigstes Anliegen ist es, die Kinder buchstäblich von der Straße zu holen und ihr Leben in vernünftige, vor allem christlich geprägte Bahnen zu lenken«, erläutert Pastor Lienhard die Ziele seiner Missionsarbeit. Deshalb wird auch derzeit eine Kindertagesstätte in unmittelbarer Nähe der Fußballschule errichtet, um den Straßenkindern aus den Elendsvierteln »Favelas« zusätzlich eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. »Das ist zwar durchaus so eine Art Konkurrenz zum staatlichen Schulsystem. Dennoch gibt es keine Probleme, weil die Lehrer unsere Arbeit eher als Hilfe und Entlastung betrachten.« Der reinen Papierform nach sollte der Staat Brasilien sogar die Fußballschulen finanziell unterstützen, doch in der Praxis ist »von oberster Stelle« kein Cent zu erwarten. So verrichtet Sportkamerad Fuzio, der Mittelfeld-Regisseur des 1. KFC Diadema, seinen Dienst als Leiter der größten Fußballschule in Sao Paulo, in der 525 Kinder (!) betreut werden, völlig unentgeltlich.

Fuzio, der Spiel- und Kaffeemacher

Die Eltern der betreffenden Kinder sind halt völlig mittellos, und einem nackten Mann kann man nun mal schlecht in die Tasche greifen. Fuzio hat jedoch kein Problem damit, auf einem ausgesprochen geringen Lebensstandard zurecht kommen zu müssen – er war früher selbst ein echtes Straßenkind der »Favelas« und haust noch heute in bescheidenen Verhältnissen. »Dafür macht er den stärksten Kaffee der Welt; mein Sohn Jens und ich haben noch nachts um drei kerzengerade in unseren Betten gesessen«, berichtet Karl Steiner aus Netphen-Salchendorf, der die brasilianischen Gäste während ihres Siegerland-Aufenthaltes praktisch rund um die Uhr betreut, von seinen eigenen Erlebnissen in Sao Paulo. Über seinen Arbeitgeber RWE und namentlich Barbara Dierich, die Chefin der Öffentlichkeitsarbeit, knüpfte der 49-Jährige den »heißen Draht« zu Bayer Leverkusen, wo die Brasilianer einen unvergesslichen Tag erlebten. Beim 4:1-Sieg gegen den SC Freiburg bejubelten sie gleich drei »Brasilianer-Tore«, nach dem Match kamen ihre berühmten Landsleute Lucio, Juan, Robson Ponte und Franca nochmals heraus, um sich mit ihnen zu unterhalten – auch über das Sozialprojekt von Markus Lienhard. Vor allem für den jungen Verteidiger Marcelo ein besonderes Erlebnis, denn der hat früher (1998/99) gemeinsam mit Robson Ponte für America Sao Paulo in der 1. Brasilianischen Liga gekickt und traf ihn nun nach vielen Tausend Flugkilometern wieder.

»Dieser Ruhm ist vergänglich«

Weltmeister Lucio ließ es sich sogar nicht nehmen, ein Videoband für die Kinder in seiner alten Heimat zu besprechen. Ein Band, auf dem er nachdrücklich auf die Rolle Gottes in seinem Leben hinweist.

Überhaupt spielt der christliche Glaube eine ganz zentrale Rolle im Leben der Akteure des 1. KFC Sao Paulo, denen im Siegerland eine regelrechte Welle der Hilfsbereitschaft mit vielen, vielen gutherzigen Aktionen entgegen schlug. Beispielhaft dafür seien der »Sandy-Bus«, den der SV Germania Salchendorf zur Verfügung stellte und der der brasilianischen Reisegruppe 14 Tage lang wertvolle Dienste leistete, sowie der Deuzer Langläufer und Masseur Carsten Thoma genannt, der die Sao-Paulo-Kicker mehrmals nach Dienstschluss auf Vordermann »knetete«.

In Gernsdorf sprach der überaus sympathische Sportsmann Guilerme (34), der vier Jahre lang als Profi in der US Major Soccer League für Sacramento gespielt hat, ganz offen über seine Gefühle, nachdem er von vielen der 120 (!) Kinder im Fußball-Camp des TSV Weißtal regelrecht wie ein Idol betrachtet worden war: »Das ist zwar schön, und es macht mich auch ein wenig stolz. Doch diese Art von Ruhm ist vergänglich. Sehr viel wichtiger ist es, Gottes Botschaft zu verinnerlichen und täglich immer wieder vorzuleben. Ich hoffe sehr, dass wir den Kindern hierzulande auch davon etwas mitgegeben haben.«

Wer die »Pfundskerle« aus Sao Paulo – menschlich und fußballerisch! – kennen lernen möchte, kann dies heute auf dem Sportplatz des VfB Burbach tun, wo der 1. KFC Diadema ab 15 Uhr seine brasilianische Fußballschule anbietet. Am Donnerstag ab 13 Uhr gastieren die Fußballer aus Brasilien auf dem Kunstrasen-Sportplatz des SV Dreis-Tiefenbach. Weitere Informationen findet man im Internet unter www.diadema.de

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen