»Eines der besten Regionalliga-Spiele«

Ralf Rangnicks Lob galt auch für Siegen:

Aber 1:2-Niederlage in der Schlussphase / Gegner vom Niveau her hart an der Bundesliga

geo Siegen. Wer je ein Spiel auf diese Weise verloren hat, kann sich in die Köpfe der elf Siegener Kicker hineinversetzen, die nach dem Schlusspfiff gestern nachmittag wie versteinert auf dem Rasen standen oder hockten. Als gäbe es eine Gedenkminute abzuhalten. Aber es war niemand gestorben, nur ein Spiel verloren. Und was für eins! Die entscheidenden Tore fielen in der 83. und 91. Minute - gegen Siegen. Das war grausam für Fans und die Kicker. Doch man muss fairer Weise anerkennen, dass das Ergebnis die 90 Minuten zuvor widerspiegelte.

Dennoch war es keinesfalls plumpe Anbiederei, als der einst in der Champions League tätige Ralf Rangnick das Kompliment des Tages ausrichtete: »Es war eines der besten Regionalliga-Spiele, die ich bisher gesehen habe - und zwar von beiden Mannschaften!«

Dass die »Sportfreunde ein Spiel 83 Minuten lang auf Siegeskurs steuerten, obwohl der Gegner ein Spielniveau an den Tag legte, dass mindestens gehobenes Zweitliga-Niveau widerspiegelte, ist die erfreuliche Erkenntnis an diesem wunderschönen Herbsttag. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen die, das die TSG Hoffenheim im Angesicht der eigenen Klasse höchst fahrlässig mit dem Spiel und den eigenen Chancen umging. Zu viel Schönheit, zu wenig Killerinstinkt. Aber zum anderen lag das auch an einer sehr starken Siegener Mannschaft, die aus ihren Möglichkeiten das Optimum herausholte und nebenbei noch einigen schon abgeschriebenen Akteuren eine fast unerwartete Leistungssteigerung bescherte.

Vor allem in der ersten halben Stunde hatten die 6217 Zuschauer das Gefühl, eher bei einem Pokalspiel mit Klassenun terschied zu sein. Individuelles Können jedes einzelnen Hoffenheimers traf auf Willen und Kampfkraft, doch es schien in dieser Phase nur die Höhe der drohenden Niederlage diskussionswürdig zu sein. Wunderbare Ball-Staffetten, modernste Diagonalwechsel, Außenverteidiger, die per se ihren Stammplatz nicht in der eigenen sondern in der Siegener Hälfte zu haben schienen - selbst Rangnick wähnte sich »wie bei einem Heimspiel«.

Doch das Tor machten dann die »Sportfreunde«. Erfreulicher Weise wieder einmal durch eine Standardsituation, denn aus dem Spiel heraus waren sie bis zu dieser 23. Minute noch nicht in den gegnerischen Strafraum gedrungen. Gaetan Krebs flankte von halbrechts, und Daniel Bogusz schlich sich listig von der hinteren Linksaußenposition an Freund und Feind vorbei und köpfte aus Elfmeter-Position in die Maschen! Und das 1:0 beflügelte die Gastgeber zu großen Taten. Es folgten atemberaubende Minuten mit spektakulären Torchancen hüben wie drüben. Islamoglu köpfte an die Latte, Heller setzte zweimal spektakulär Blessin in Szene, doch ein Treffer fiel nicht mehr.

In der 2. Halbzeit wankte das »Sportfreunde«-Schiff wieder eine Viertelstunde lang höchst bedenklich, und es schlug nun die große Stunde des Torhüters Thomas Richter, der serienweise mit Glanztaten den Ausgleich hinauszögerte. Aber anders als eine Woche zuvor in Kassel zogen die Siegener diesmal nicht verängstigt die Krallen ein sondern hielten energisch dagegen. Blessin und Heller hielten vdie TSG-Abwehr bei Kontern in Atem, nur das erlösende 2:0 fiel einfach nicht.

So erlahmten die Kräfte: Hellers Riesenpensum nach hinten und die weiten Wege des kleinen Gaetan Krebs - in der letzten Viertelstunde ging da nicht mehr viel. Umgekehrt Hoffenheim: die Mannschaft hatte nur einen Schwachpunkt, den hüftsteifen Abwehrrecken Göttlicher, aber der durfte sich in der Pause den Trainingsanzug überstreifen. Alle anderen zeigten eindrucksvoll, was eine Klasse-Mannschaft ausmacht. Es gab nicht ein einziges Anzeichen aufkommender Panik angesichts der drohenden ersten Pleite nach zuvor neun Spielen ohne Niederlage. Kein »Hoch-Weit«, kein Powerplay, keine Hektik. Man spielte den Stiefel stur und unverdrossen weiter. Dahinter steckt die gnadenlose Zuversicht, besser zu sein.

Und so kam es dann auch. Nach einer Ecke beförderte Matthias Keller in der 83. Minute den Ball mit einem spektakulären Fallrückzieher ins Netz. Siegen wirkte geschockt und enttäuscht. In diese geistige Leere hinein setzte Hoffenheim den Todesstoß. Einen Freistoß aus dem Halbfeld köpfte Christoph Janker in der Nachspielzeit zentimetergenau an die Stelle des Siegener Netzes, in die der Ball schon beim 1:1 gerauscht war. Brutal.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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