SZ

Der Umgang mit Corona an der Supermarktkasse
„Einfach immer lächeln“

Meryem Usta (r.) fühlt sich mit Plexiglasscheibe und Handschuhen gut geschützt. An der Kasse, wo eigentlich der engste Kontakt mit den Kunden stattfindet, sind die Verunsicherungen und die allgegenwärtige Vorsicht am deutlichsten spürbar.
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  • Meryem Usta (r.) fühlt sich mit Plexiglasscheibe und Handschuhen gut geschützt. An der Kasse, wo eigentlich der engste Kontakt mit den Kunden stattfindet, sind die Verunsicherungen und die allgegenwärtige Vorsicht am deutlichsten spürbar.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

soph Siegen. Man muss nicht unbedingt einen Kampf um die letzte Packung Klopapier mitbekommen haben, um sich vorstellen zu können, dass sich die Arbeit in den Supermärkten im Laufe der vergangenen Wochen verändert hat. Auch im Dornseifermarkt an der Leimbachstraße kann man das auf den ersten Blick erkennen: Plexiglasscheiben trennen Kassiererin und Kunden voneinander, die Kartenzahlung wird favorisiert und nichts geht mehr ohne Gummihandschuhe.

Auch Meryem Usta trägt Handschuhe, die 30-Jährige lächelt, wirkt recht entspannt. Was sie erzählt, lässt allerdings erahnen, womit sie und ihre Kollegen sich täglich auseinandersetzen müssen. „Viele Kunden sind sehr gestresst und irgendwie nervös“, ist ihr Eindruck.

soph Siegen. Man muss nicht unbedingt einen Kampf um die letzte Packung Klopapier mitbekommen haben, um sich vorstellen zu können, dass sich die Arbeit in den Supermärkten im Laufe der vergangenen Wochen verändert hat. Auch im Dornseifermarkt an der Leimbachstraße kann man das auf den ersten Blick erkennen: Plexiglasscheiben trennen Kassiererin und Kunden voneinander, die Kartenzahlung wird favorisiert und nichts geht mehr ohne Gummihandschuhe.

Auch Meryem Usta trägt Handschuhe, die 30-Jährige lächelt, wirkt recht entspannt. Was sie erzählt, lässt allerdings erahnen, womit sie und ihre Kollegen sich täglich auseinandersetzen müssen. „Viele Kunden sind sehr gestresst und irgendwie nervös“, ist ihr Eindruck. Gestern Nachmittag war es beim Besuch der SZ recht ruhig im Markt, das habe in den beiden Wochen davor ganz anders ausgesehen. „Als wäre jeder Tag der Tag vor Ostern oder Weihnachten“, fasst Kassenleiterin Blerina Kuqi zusammen.

Ausgerastet wegen fehlendem Klopapier

Auch wenn es bereits deutlich besser geworden sei, fehle seitens der Kunden oftmals noch das Verständnis für die Maßnahmen. Nach wie vor müssen die Mitarbeiter immer mal wieder darum bitten, den Abstand in den Regalreihen oder an den Kassen einzuhalten. Dort, wo eigentlich der engste Kontakt mit den Kunden stattfindet, sind die Verunsicherungen und die allgegenwärtige Vorsicht am deutlichsten spürbar. Ebenfalls verändert hätten sich die Reaktionen, die momentan mehr als üblich ins Extreme ausschlagen können – in die eine wie in die andere Richtung. „Wir hatten schon Kunden, die ausgerastet sind, weil es kein Klopapier mehr gab. Klar kann ich verstehen, dass das ärgerlich ist, aber ändern kann ich es nun mal nicht“, so Meryem Usta.

Auf der anderen Seite gebe es viele Kunden, die sich sehr dankbar zeigten. „Eine Kundin hat mir Schokolade geschenkt und gesagt ,Vielen Dank, dass Sie hier sind’“, erzählt Meryem Usta und lächelt dabei noch etwas mehr. „Diese Form von Wertschätzung entschädigt für alles andere. Das gibt einem dann Kraft und Energie, um gut gelaunt weiter zu machen.“ Auch Jana Bitzer und ihre Kollegen an der Frischebäcker-Theke können von schönen Erlebnissen berichten – und eine Danksagung zeigen. Eine Kundin hat eine Karte geschrieben, verziert mit zahlreichen Herzchen steht da: „Vielen Dank an das Team für die schwere Arbeit, die sie zur Zeit für uns machen.“

Verkäuferinnen brauchen ein dickes Fell

Einen lautstarken negativen Extremfall bekommt die SZ gestern zwar nicht mit, dafür aber manche Unfreundlichkeit, mit der sich jeder Mitarbeiter vermehrt auseinandersetzen muss. Bei den Backwaren etwa ist das Schwarzbrot aus, mit einem missmutigen Gesichtsausdruck und ohne eine Verabschiedung schiebt die Kundin ihren Wagen weiter. Beim Blickkontakt mit der Redakteurin zuckt Jana Bitzer nur mit den Schultern. Sie habe schon unangenehmere Situationen erlebt. „Manche werden richtig unverschämt.“ Und dann nach einer kurzen Pause: „Man braucht im Moment schon ein dickes Fell.“ Die Gespräche mit den Kollegen seien aufbauend und auch der Versuch, alles schlichtweg nicht so an sich herankommen zu lassen, helfe weiter.

„Da rein, da raus“, sagt auch Silke Kaufmann und zeigt auf ihre Ohren. Auch bei den Blumen und Pflanzen – man glaubt es kaum – kommt es zu manchem Hamsterkauf. „Garten und Wohnung sollen ja schön sein, wenn man schon so viel zu Hause ist“, sagt sie. Dafür habe sie Verständnis, für die Unfreundlichkeit mancher Zeitgenossen allerdings nicht. Just in diesem Augenblick fragt ein Kunde nach einem Einkaufskorb. „Im Moment müssten Sie bitte einen Einkaufswagen benutzen“, so ihre Antwort, die ihn nicht zufriedenstellt. Er verdreht leicht die Augen und dreht sich ohne ein weiteres Wort um. Silke Kaufmann kommentiert die Situation kurz und knapp. „Einfach immer lächeln.“ Es sind einzeln betrachtet bestimmt nicht immer Extremsituationen, die Meryem Usta, Jana Bitzer und Silke Kaufmann dieser Tage neben all der Dankbarkeit erleben, aber sie sind mehr geworden, die negative Stimmung zieht sich durch, der Stress und die Anspannung sind spürbar.

"Der Kunde steht an erster Stelle"

Wie gehen sie denn mit ihrer eigenen Sorge um? „Ich habe keine große Angst, dass ich mich durch die Arbeit anstecken könnte, auch wenn ich mir mittlerweile mehr Gedanken darüber mache“, sagt Meryem Usta und zeigt nach oben. „Das Plexiglas und die Handschuhe geben mir ein Gefühl von Sicherheit.“ Blerina Kuqi blendet die Sorge um die eigene Gesundheit aus: „Der Kunde steht an erster Stelle, auch jetzt. Außerdem lenkt die Arbeit ab.“ Sie hat momentan fast ausschließlich mit sehr dankbaren Kunden zu tun – sie nimmt die telefonischen Bestellungen für den Lieferservice entgegen. Gestern Nachmittag waren es bereits über 60. Die Kunden sind durchweg Senioren und bestellen bei Blerina Kuqi ihren Wocheneinkauf, sie telefoniert seit Stunden und trägt die Waren in vorgefertigte Listen ein. Bevor sie auflegt kommt immer der Wunsch, den alle unzählige Male am Tag sagen – ob freundlicher und verständnisvoller Kunde oder eben das Gegenteil: „Bleiben Sie gesund!“

Meryem Usta (r.) fühlt sich mit Plexiglasscheibe und Handschuhen gut geschützt. An der Kasse, wo eigentlich der engste Kontakt mit den Kunden stattfindet, sind die Verunsicherungen und die allgegenwärtige Vorsicht am deutlichsten spürbar.
Die Dankeskarte hat eine Kundin den Mitarbeitern bei den Backwaren geschenkt.
Autor:

Katja Fünfsinn (Redakteurin) aus Siegen

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