„Einfach nur verrückt“

 Ein Foto sagt oftmals mehr als tausend Worte: Pascal Bikar versprach einen „partygeilen“ Hofstaat – und sollte Recht behalten.  Die drei Bewerber Markus Haßler (.), Martin Sonneborn (2. v. l.) und Pascal Bikar (4. v. l.) wurden von den Vorsitzenden Dirk Pöppel (M.) und Günther Strack (r.) auf den Wettkampf vorbereitet.  Maurice Schlaf griff als Bad Berleburger Geck tief in die Kostümkiste.  Sie strahlten gestern mit der Sonne am blauen Bad Berleburger Himmel um die Wette: Pascal Bikar und Lena Möldner. Fotos: Martin Völkel (7)/Carolin Marburger (3)  Schießleiter Heinrich Scheffel hatte wichtige Tipps für den späteren König parat.  Der Spielmannszug des VfL Bad Berleburg gehört schon fast zum Inventar des Traditions-Schützenfestes. Das war am Wochenende nicht anders.  Vorgänger und Nachfolger: René Schachtschneider gratulierte Pascal Bikar.  Viele hundert Zuschauer am Straßenrand verfolgten den gestrigen Festzug. Die 1. Kompanie des Schützenvereins Berleburg freute sich über den Regenten aus ihren Reihen.  Das ist Schützenfest-Begeisterung in der Odebornstadt: Der Hofstaat hatte bei der Präsentation vor der Volksbank seinen eigenen Fan-Club.  Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Ute Fuhrmann eröffneten gestern die traditionelle Polonaise mit dem Schützenkönigspaar. Foto: cm
  • Ein Foto sagt oftmals mehr als tausend Worte: Pascal Bikar versprach einen „partygeilen“ Hofstaat – und sollte Recht behalten. Die drei Bewerber Markus Haßler (.), Martin Sonneborn (2. v. l.) und Pascal Bikar (4. v. l.) wurden von den Vorsitzenden Dirk Pöppel (M.) und Günther Strack (r.) auf den Wettkampf vorbereitet. Maurice Schlaf griff als Bad Berleburger Geck tief in die Kostümkiste. Sie strahlten gestern mit der Sonne am blauen Bad Berleburger Himmel um die Wette: Pascal Bikar und Lena Möldner. Fotos: Martin Völkel (7)/Carolin Marburger (3) Schießleiter Heinrich Scheffel hatte wichtige Tipps für den späteren König parat. Der Spielmannszug des VfL Bad Berleburg gehört schon fast zum Inventar des Traditions-Schützenfestes. Das war am Wochenende nicht anders. Vorgänger und Nachfolger: René Schachtschneider gratulierte Pascal Bikar. Viele hundert Zuschauer am Straßenrand verfolgten den gestrigen Festzug. Die 1. Kompanie des Schützenvereins Berleburg freute sich über den Regenten aus ihren Reihen. Das ist Schützenfest-Begeisterung in der Odebornstadt: Der Hofstaat hatte bei der Präsentation vor der Volksbank seinen eigenen Fan-Club. Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Ute Fuhrmann eröffneten gestern die traditionelle Polonaise mit dem Schützenkönigspaar. Foto: cm
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vö - Pascal Bikar konnte es selbst nicht fassen: „Das ist einfach nur verrückt. Die beiden anderen haben dermaßen gut geschossen, dass ich dachte, einer von beiden wird es machen – aber nicht ich.“ Der 34-Jährige ließ seinen Emotionen freien Lauf, nur wenige Minuten nachdem er die letzten Reste des Berleburger Schützenvogels aus dem Kasten geschossen hatte.

Königin an der Seite des Unternehmers ist Lena Möldner. Die 36-jährige ist gebürtige Berleburgerin, lebt allerdings mit ihrer Familie seit 14 Jahren in Schwäbisch Gmünd. Damit schreibt das neue Königspaar eine ganz besondere Geschichte, eine Familiengeschichte wie aus einem Drehbuch: Im Jahr 1993 hieß der Schützenkönig Peter Haas, der Vater von Lena Möldner. Die Königin vor einem Vierteljahrhundert war Marita Bikar, die Mutter des neuen Bad Berleburger Regenten.

„Das haben wir damals als Jugendliche natürlich miterlebt und uns gesagt, dass wir das auch mal selbst machen wollen“, verrieten beide am Samstagnachmittag nach einem verdienten Schluck aus dem überdimensionalen Bierglas. Konkretisiert worden sei die Idee dann beim Schützenfest 2017, als man sich auf dem Schützenplatz eingeschworen habe, sagte Pascal Bikar, der seinen Humor schon kurze Zeit nach dem entscheidenden Schuss wiedergefunden hatte: „Das hört sich vielleicht merkwürdig an, aber ich hatte als Aluminiumhändler heute zum ersten Mal Eisen in der Hand.“

Im Klartext: Der 34-Jährige kam Samstag zum ersten Mal überhaupt mit einem Gewehr in Berührung. Und das machte er hervorragend. Größe zeigte er in der Stunde des Triumphes aber mit Blick auf seine beiden Mitbewerber, die an der Vogelstange keinen Zentimeter verschenkt hatten: Martin Sonneborn und Markus Haßler setzten ebenfalls einen Treffer nach dem anderen – nur eben nicht den entscheidenden. Besonders enttäuscht war Martin Sonneborn: Der „Hüpper“ hatte es am Samstag zum wiederholten Mal mit einem Angriff auf die Königswürde versucht – und auch hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Alle drei Bewerber sorgten für einen Wettbewerb der Extraklasse, bei herrlichem Sommerwetter in Bad Berleburg war die knisternde Spannung förmlich greifbar. Mehrfach drehte sich der Vogel an der Schraube um die eigene Achse, immer wieder brachen große Stücke aus dem Wappentier heraus. Es war ein Nervenkampf, drei exzellente Schützen begegneten sich auf Augenhöhe. Moderator Frank Rother lobte völlig zu Recht Vogelbauer Matthias Dickel, „der mit seiner Handwerkskunst hier einen Wettbewerb möglich gemacht hat, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt“.

Der Vogel war übrigens drei Kilogramm leichter als der aus dem Vorjahr. Auch Günther Strack, 3. Vorsitzender des Vereins, brachte das Geschehen treffend auf den Punkt: „Dieses Vogelschießen war eine Werbung für unser Schützenfest, besser geht es nicht. Es war großartig.“ Als der Vereinsvorsitzende Dirk Pöppel nach dem Preisschießen (siehe Extrakasten) den Königsvogel zum Abschuss frei gegeben hatte, fanden sich gut und gerne 20 Bewerber am Schießstand ein, die dem Aar ordentlich zusetzten. Die beiden Flügel, die in Bad Berleburg traditionell nicht als Preise geschossen werden, trennten Johannes Röhl (links) und Carsten Schäfer (rechts) vom Rumpf ab. Als es schließlich ans „Eingemachte“ ging, blieben Pascal Bikar, Martin Sonneborn und Markus Haßler übrig. Lena Möldner schaute sich das Geschehen aus dem Zuschauerbereich durchaus mit einer gewissen Anspannung an. Nach dem entscheidenden Schuss wurde gejubelt. Sie wisse, dass sie die nächsten zwölf Monate öfter nach Berleburg fahren werde, aber sie könne sich auf die Unterstützung ihrer Familie absolut verlassen, verriet die Mutter von drei Kindern und Projektleiterin in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung. „Ich freue mich auf diese tolle Aufgabe.“ Pascal Bikar kündigte an, worauf sich der Schützenverein schon jetzt freuen darf: „Wir machen uns ein wunderschönes Jahr. Unser Hofstaat ist partygeil.“

Nach einem beeindruckenden Festauftakt am Freitag mit vielen musikalischen Akzenten (die Siegener Zeitung berichtete aktuell) sorgte das Vogelschießen mit anschließender Krönung am Samstag für den zweiten Höhepunkt des Tages. Abends ging es bei hochsommerlichen Temperaturen nahtlos in die Berleburger Schützennacht über. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Netphen läutete den gestrigen Fest-Sonntag mit dem Schlosshofkonzert musikalisch ein, ehe es zum Festzug am frühen Nachmittag ging. Das neue Königspaar samt Hofstaat wurde bei der Präsentation an der Volksbank von vielen hundert Zuschauern am Straßenrand begeistert empfangen. Immer wieder gab es Szenenapplaus. Von dort führte der Weg wiederum durch die Oberstadt zum Schützenplatz, wo Polonaise, Live-Musik und viel Stimmung warteten. Bis in die tiefe Nacht hinein wurde am Sonntag zum Festausklang gefeiert.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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