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Niedrigere Ansprüche im Corona-Jahr?
"Einser"-Flut auf Abiturzeugnissen

Die Abiturzeugnisse fielen in diesem Jahr bei vielen heimischen Schülern besonders gut aus.
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  • Die Abiturzeugnisse fielen in diesem Jahr bei vielen heimischen Schülern besonders gut aus.
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ap Siegen/Olpe/Bad Berleburg. Medizin, Psychologie oder doch etwas ganz anderes? Wer einen Einser-Abischnitt hat, der hat die große (Berufs-)Wahl. Doch was ist ein sehr gutes Zeugnis schon wert, wenn es viele haben – so wie in diesem Jahr? Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) hat dazu jedenfalls eine eindeutige Meinung. „Die ausgestellten Testate sind weniger wert als der Druck des Papiers kostet“, zeigt Gräbener klare Kante.
"Die ausgestellten Testate sind weniger wert als der Druck des Papiers kostet."
Klaus Gräbener
IHK-HauptgeschäftsführerFür die vielen guten Abschlüsse kann es aus seiner Sicht nur zwei Erklärungen geben: Entweder haben die Eltern und Schüler qualitativ gute Arbeit geleistet – oder die Anforderungen wurden abgesenkt.

ap Siegen/Olpe/Bad Berleburg. Medizin, Psychologie oder doch etwas ganz anderes? Wer einen Einser-Abischnitt hat, der hat die große (Berufs-)Wahl. Doch was ist ein sehr gutes Zeugnis schon wert, wenn es viele haben – so wie in diesem Jahr? Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) hat dazu jedenfalls eine eindeutige Meinung. „Die ausgestellten Testate sind weniger wert als der Druck des Papiers kostet“, zeigt Gräbener klare Kante.

"Die ausgestellten Testate sind weniger wert als der Druck des Papiers kostet."
Klaus Gräbener
IHK-Hauptgeschäftsführer

Für die vielen guten Abschlüsse kann es aus seiner Sicht nur zwei Erklärungen geben: Entweder haben die Eltern und Schüler qualitativ gute Arbeit geleistet – oder die Anforderungen wurden abgesenkt. „Die Ursache ist aber auch eigentlich egal, denn das Ergebnis ist das gleiche“, erklärt Gräbener. „An den Unis wird es Aufnahmeprüfungen noch und nöcher geben“, prognostiziert der IHK-Chef. Gleichzeitig schieße dadurch auch der Numerus Clausus nach oben. „Und ob das wirklich so gut ist? Da habe ich meine Zweifel.“

Abitur geschenkt? "Möchte deutlich widersprechen"

Am Ende des Tages sei den Schülern damit also kein Gefallen getan – wenngleich Gräbner einräumt, wie „ungeheuer schwer“ es gewesen sein muss, nach einem solchen Schuljahr Noten zu vergeben. Haben die Lehrer also ein Auge zugedrückt, und war das diesjährige Abitur wirklich ein geschenktes?
„Dem möchte ich deutlich widersprechen“, betont Schulleiter und Mathelehrer Holger Köster vom Städtischen Gymnasium Olpe (SGO). „Ich persönlich fand die Prüfungen sogar schwerer als im vergangenen Jahr.“

Holger Köster (l.) vom Städtischen Gymnasium Olpe.

Doch die anspruchsvollen Aufgabenstellungen konnten seinen Schülern nichts anhaben: So machten 40 Prozent ihr Abitur mit einer Eins vor dem Komma, neun von insgesamt 93 Absolventen hatten sogar die Traum-Abschlussnote 1,0. Ähnlich erfolgreich haben die Abiturienten ihre Schullaufbahn am Gymnasium am Löhrtor beendet. Ein Drittel der 90 Oberstufenschüler hat einen Schnitt unter Zwei – fünf davon haben mit der Note 1,0 abgeschlossen.

Belastung statt Erleichterung

„Das hat nichts mit Corona zu tun“, davon ist Schulleiter Dr. Reiner Berg überzeugt. Er denkt, dass die pandemische Situation für die angehenden Abiturienten keine Erleichterung, sondern eine zunehmende Belastung war. „Es ist deshalb nicht fair zu sagen, dass die Schüler ihren Abschluss geschenkt bekommen haben“, findet Berg. „Und es wurde auch kein Auge zugedrückt.“ Dieser Jahrgang sei einfach sehr leistungsstark gewesen, so sein Eindruck. Und: „Die Schüler hatten ein unglaubliches Durchhaltevermögen, haben Förderangebote genutzt und sich der Situation gestellt“, fasst Berg zusammen. „Deshalb sind ihre Noten mehr als verdient.“

Löhrtor-Schulleiter Dr. Reiner Berg (r.) mit Stellvertreter Dr. Holger Zeigan.
  • Löhrtor-Schulleiter Dr. Reiner Berg (r.) mit Stellvertreter Dr. Holger Zeigan.
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"Wir scheinen vieles richtig zu machen"

„Dass wir viele so gute Schüler haben, ist wirklich außergewöhnlich“, sagt auch Clemens Binder vom Johannes-Althusius-Gymnasium Bad Berleburg (JAG). An seiner Schule haben 25 von 75 Abiturienten einen Einser-Schnitt, fünfmal stand die 1,0 auf dem Abschlusszeugnis. Zudem habe es in diesem Jahr eine sehr hohe Bestehensquote gegeben.

JAG-Schulleiter Clemens Binder.

Dabei spielten aus Sicht des Berleburger Schulleiters mehrere Faktoren eine Rolle: „In erster Linie sind die Schüler natürlich selbst verantwortlich für ihre guten Noten. Aber auch wir scheinen vieles richtig zu machen“, erklärt Binder. Schon vor einiger Zeit seien Lernteams gebildet und klasseninterne Förderkonzepte erstellt worden, die während des Lockdowns zum Einsatz kommen konnten. „Ich glaube, das hat in der Corona-Zeit Früchte getragen“, so Binder.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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