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Faire Entsorgung hilft Mensch und Umwelt
Elektroschrott als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

Elektro-Schrott, so weit das Auge reicht: In den Hallen der Siegener Recycling Werkstätten gGmbH wird seit einem Vierteljahrhundert Ausgedientes zerlegt und anschließend, wann immer möglich, der Wiederverwertung zugeführt.
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  • Elektro-Schrott, so weit das Auge reicht: In den Hallen der Siegener Recycling Werkstätten gGmbH wird seit einem Vierteljahrhundert Ausgedientes zerlegt und anschließend, wann immer möglich, der Wiederverwertung zugeführt.
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nja Kaan-Marienborn. Laufschuhe mit elektronisch gesteuerter Dämpfung, Nikolausmützen mit blinkenden Lämpchen: Die Wohlstandsgesellschaft sorgt dafür, dass die Müllberge wachsen und Hightech auch in schnürbares Laufwerk Einzug hält. Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Siegener Recycling Werkstätten gGmbH (SRW) zwischen die Finger bekommen, ist schon ein erstaunlich buntes Sammelsurium.

Hier offenbart der Schrott, was einmal Mode war – oder ist. Hier landen antiquarisch anmutende Mikrowellen neben dem hochmodernen Fernseher, „weil man die Fernbedienung verzammelt hat“, berichtet SRW-Betriebsleiter Rainer Setzke aus dem Alltag.

nja Kaan-Marienborn. Laufschuhe mit elektronisch gesteuerter Dämpfung, Nikolausmützen mit blinkenden Lämpchen: Die Wohlstandsgesellschaft sorgt dafür, dass die Müllberge wachsen und Hightech auch in schnürbares Laufwerk Einzug hält. Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Siegener Recycling Werkstätten gGmbH (SRW) zwischen die Finger bekommen, ist schon ein erstaunlich buntes Sammelsurium.

Hier offenbart der Schrott, was einmal Mode war – oder ist. Hier landen antiquarisch anmutende Mikrowellen neben dem hochmodernen Fernseher, „weil man die Fernbedienung verzammelt hat“, berichtet SRW-Betriebsleiter Rainer Setzke aus dem Alltag. Seit 25 Jahren gehen hier soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit eine gelungene Symbiose ein: Unter dem Motto „Fair entsorgen“ erhalten Menschen eine qualifizierte Chance, den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Ihr systemrelevanter Job: das Recyceln von Elektroschrott, das Sichern von wertvollen Stoffen wie Platin, Kupfer und seltenen Erden, sowie das fachgerechte Entsorgen u. a. von Altmetallen und Kunststoff.

Wagnis, das sich gelohnt hat

Gleichberechtigte Träger der gemeinnützigen GmbH sind der Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe der Arbeiterwohlfahrt (AWo) und die Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, die vor einem Vierteljahrhundert ihrer Zeit fast voraus waren. SRW-Geschäftsführer sind Dr. Andreas Neumann (AWo) und Jürgen Haßler, bis vor kurzem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Karl-Ludwig Völkel als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der SRW nennt den Schritt hin zum gemeinnützigen Unternehmen „ein Wagnis, das sich gelohnt hat“ und freut sich: „Wir sind gut auf dem Markt aufgestellt.“ Im Schnitt werden pro Jahr rund 2000 Tonnen E-Schrott an der Eisenhüttenstraße in Kaan-Marienborn fachgerecht zerlegt. 2008 war es im Eiserfelder IHW-Park zu eng geworden.

„Der Umweltgedanke nahm damals Fahrt auf“, erinnert sich Jürgen Haßler an die Anfangszeit. Die gesetzlichen Regelungen zur Entsorgung von Elektromüll stellte Unternehmen vor große Herausforderungen. „Das Projekt bot der Wirtschaft eine ökologisch notwendige und ökonomisch zukunftsweisende Dienstleistung an“. Zugleich wurden 35 Arbeitsplätze für junge Leute, ALG-II-Empfänger und ältere Langzeitarbeitslose geschaffen: „Als Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt.“

„Qualifikanten“ vom Jobcenter vermittelt

Daraus wurden 70 Plätze, derzeit sind es 45, von denen 30 besetzt sind. Pro Jahr durchlaufen 80 bis 90 Teilnehmer die Werkstatt. Die „Qualifikanten“ werden vom Jobcenter vermittelt und haben drei bis sechs Monate Zeit, sich zu bewähren, für den Wiedereinstieg zu empfehlen. Elf Festangestellte kümmern sich um die Qualifizierung – von der Waren- und Sachkunde übers Bewerbungstraining bis zur sozialpädagogischen Unterstützung. Andreas Neumann wünscht sich individuellere Regelungen: Manch einer werfe nach ein paar Wochen das Handtuch, andere seien überdurchschnittlich engagiert und hätten eine längere Phase in der Werkstatt verdient, erläutert er. Aber: „Eine Verlängerung ist leider nicht möglich.“

Handarbeit ist gefragt: Yousef Keddo nutzt seine Chance auf den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt.
  • Handarbeit ist gefragt: Yousef Keddo nutzt seine Chance auf den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt.
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Privatpersonen und Firmenkunden können ihren Elektromüll abgeben, mit allen acht Kommunen des Altkreises Siegen bestehen derzeit Entsorgungsverträge. „Es gab auch wirtschaftlich schwierige Jahre“, erinnern sich Haßler und Neumann. Aber: „Wir sind wirtschaftlich erfolgreich.“ „Bei uns finden Sie keine Maschinen oder Schredder – bei uns wird per Hand zerlegt und das Material sortenrein recycelt“, betont Neumann. „Wir sind zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb und Erstbehandlungsanlage“, ergänzt Rainer Setzke. „Schadstoffe entfrachten – das geht nur in Handarbeit.“ Der Anteil an Geräten mit Lithium-Ionen-Akkus nehme zu, der Umgang damit sei nicht ohne. So wird an der Warenannahme auch plakativ auf die Brandgefahr hingewiesen. Die Arbeit in der Recycling-Werkstatt ist viel mehr als ein einfaches PC-Zerlegen. „Die Mitarbeiter müssen wissen, welche Inhalte sie erwarten. Sie sind sensibilisiert.“

Nachhaltige Rohstoffverwertung bedeutende Rolle

Wie trägt sich die gemeinnützige GmbH? Zum einen über die kommunalen Entsorgungsaufträge, zum anderen über die Erträge des E-Schrott-Verkaufs. Rainer Setzke ist sich sicher, dass sein Betrieb Zukunft hat. Ein Grund: Nachhaltige Rohstoffverwertung spiele vor dem Hintergrund des Klimaschutzes eine bedeutende Rolle.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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