Elternverein vor der Insolvenz?

mir - Die Hammerhütter Schule ist eine ganz normale Grundschule, mit 326 Jungen und Mädchen im Unterricht und 105 Kindern in der Betreuung, die vom Elternverein organisiert wird. Warmes Mittagessen, betreute Hausaufgaben, verschiedene Spiel-, Sport- und Kreativangebote sowie diverse Ferienaktionen werden gerne angenommen, die Eltern sind mit dem engagierten Team um Matthias Seibel „sehr zufrieden“, wie es in einer Eltern-Mail an die SZ heißt. Im Herbst 2018 gab es Ärger, ein damaliger Vorstand veruntreute Gelder, die Betreuung stand vor dem Aus. Die Stadt Siegen versprach dem Team damals Unterstützung. Jetzt schlagen Eltern Alarm: „Die Unterstützung ist nur sehr schleppend oder gar nicht erfolgt, der Elternverein steht kurz vor der Insolvenz“, teilte Christoph Lillpopp der SZ mit. Den Mitarbeitern seien seit Monaten Gehälter nur teilweise oder gar nicht ausgezahlt worden. Eltern versuchten, mit Geld- und Materialspenden zu helfen.

Klar, dass die SZ den Elternverein ansprach. Dabei kam heraus, Elternverein und Stadt Siegen kommunizieren per Anwalt. Noch nicht ausgezahlte Elternbeiträge im hohen vierstelligen Bereich sollten bis vergangenen Freitag auf die Weise „eingetrieben“ werden. Ohne Ergebnis. Am Montag fragte die SZ erneut beim Elternverein nach: „Ende Mai soll uns eine kleine Summe ausgezahlt werden, der Rest von mehreren tausend Euro in Raten Ende Juni und Ende Juli. Wenn sich nichts ändert, müssen wir nächste Woche Montag Insolvenz beantragen, weil der Schulträger Gelder einbehält“, sagte Matthias Seibel. „Mir ist aber zugleich untersagt worden, mit der Siegener Zeitung darüber zu sprechen.“ Starker Tobak. Sozialdezernent André Schmidt kann sich nicht vorstellen, dass seine Schulverwaltung so etwas sagen würde.

Im Hintergrund schwingt die schon einmal geäußerte Vermutung nach, die Stadt Siegen wolle den Elternverein gezielt „an die Wand fahren lassen“, um in einem zweiten Schritt die Betreuung an den Verein für soziale Arbeit und Kultur (VAKS) zu vergeben. „Das ist Humbug“, erklärte Schmidt der SZ. „Wir wünschen uns mehr Träger als VAKS, wir wollen die Vielfalt behalten.“ Und wie steht es um eine Insolvenz? Schmidt: „Der Verein hat sich dahingehend nicht an uns gewandt. Unterschwellig ist davon seit einem halben Jahr die Rede.“ Seinen Ausführungen zufolge müsste der Elternverein eigentlich ausreichend Geld zur Verfügung haben. Weil: Der Defizitausgleich für 2017/2018 sei im März ausgezahlt worden. Damals habe es seitens des Vereins geheißen, „bis April/Mail kommen wir zurecht“.

Allerdings gesteht die Stadt Siegen ein, dass die Landesmittel für die Nachmittags- und die Vormittagsbetreuung „mit Blick auf einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern in Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg seit Februar in monatlichen Raten weitergeleitet werden“. Ebenso wird es mit Abschlagszahlungen bei städtischen Zuschüssen gehandhabt. In der Zukunft will man so weiterverfahren. Schmidt: „Ich kann ein zögerliches Auszahlen nicht erkennen. Allerdings werden wir auch keine Komplettsummen im Voraus anweisen.“ Andererseits sagt der Elternverein, dass auch noch sogenannte Alt-Forderungen an die Stadt Siegen im Raum stehen. Von 43.000 Euro ist die Rede. Zur schlechten finanziellen Ausgestaltung trage bei, dass 70 Prozent der Eltern beitragsfrei seien und die Stadt Siegen für diese Kinder ein niedriges Entgelt zahle, das bei weitem nicht ausreiche. Bleiben die Sorgen der Eltern, sind die berechtigt? Auf die Frage erhielt die SZ von Schmidt eine vielschichtig zu interpretierende Aussage: Der Verein stehe für die Betreuung weiter zur Verfügung, und die Stadt vertraue hierauf. „Und stellt auch keine weitergehenden Überlegungen an.“ Jetzt kommt das dicke „Aber“: Zugleich sieht sich die Stadt Siegen in der Verpflichtung, die Fortführung der Betreuung zu gewährleisten, falls ein Träger kurzfristig nicht mehr zur Verfügung stehe. Schmidt: „Die Art und Form der Fortführung ist dann im Einzelfall zu klären.“ Formal alles korrekt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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