SZ

Tag des Buches
Empfehlungen der SZ-Redaktion

Lesen zählt auch im 21. Jahrhundert zu den Lieblingsbeschäftigungen des Menschen. Zwar mag die Tendenz gegen das gedruckte Wort sprechen, am Welttag des Buches gehört ihm aber die volle Aufmerksamkeit.
7Bilder
  • Lesen zählt auch im 21. Jahrhundert zu den Lieblingsbeschäftigungen des Menschen. Zwar mag die Tendenz gegen das gedruckte Wort sprechen, am Welttag des Buches gehört ihm aber die volle Aufmerksamkeit.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sz Siegen. Bücher gibt es in allen Größen, Sprachen, Längen, Genres usw. Auch in der modernen, digitalen Welt hat das geschriebene und gebundene Wort unzählige Anhänger auf der Welt. Bei der Bandbreite des Angebots sieht man oft "den Wald vor lauter Bäumen nicht", fällt die Auswahl in Buchhandel und Bibliothek sehr schwer. Hilfreich sind da häufig Tipps von Freuden und Bekannten - oder eben der SZ-Redaktion, die nachfolgend sechs ihrer Lieblingsbücher vorstellt.
Frank Kruppa liebt die Spannung
Seit mir 2008 der Thriller „Der Seelenbrecher“ in die Hände fiel, hält mich der Berliner Romanautor Sebastian Fitzek fest in seinem rhetorischen Griff.

sz Siegen. Bücher gibt es in allen Größen, Sprachen, Längen, Genres usw. Auch in der modernen, digitalen Welt hat das geschriebene und gebundene Wort unzählige Anhänger auf der Welt. Bei der Bandbreite des Angebots sieht man oft "den Wald vor lauter Bäumen nicht", fällt die Auswahl in Buchhandel und Bibliothek sehr schwer. Hilfreich sind da häufig Tipps von Freuden und Bekannten - oder eben der SZ-Redaktion, die nachfolgend sechs ihrer Lieblingsbücher vorstellt.

Frank Kruppa liebt die Spannung

Frank Kruppa.

Seit mir 2008 der Thriller „Der Seelenbrecher“ in die Hände fiel, hält mich der Berliner Romanautor Sebastian Fitzek fest in seinem rhetorischen Griff. Schon am Tag nach dem Schlusswort führte der Gang sofort wieder in die Buchhandlung, wo das Frühwerk des bis dato noch relativ unbekannten Fitzek gierig eingekauft wurde. Inzwischen ist der 49-Jährige längst zum Bestsellerautor aufgestiegen, seine Bücher werden in 20 Sprachen übersetzt. Auch sein neuestes Werk „Der Heimweg“ erfüllt wieder alle Erwartungen seiner Fans. Fitzek erzeugt einmal mehr von Beginn an große Spannungsmomente, im Grunde mag man das Buch gar nicht weglegen – aber irgendwann zeigt der Wecker halt 3.15 Uhr... In „Der Heimweg“ erhält Jules Tannberg, ehrenamtlicher Mitarbeiter eines Telefonservice für Frauen, die zu später Stunde auf ihrem Heimweg Angst bekommen, einen absolut beklemmenden Anruf. Die junge Klara hat entsetzliche Angst. Sie glaubt, von einem Mann verfolgt zu werden, der sie schon einmal überfallen hat und der mit Blut ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand malte: Klaras Todestag! Und dieser Tag bricht in nicht einmal zwei Stunden an… Atemlose Spannung, Wendungen, gut gezeichnete Charaktere, Horror – dieser Fitzek bietet wieder alles, was das gethrillte Leserherz begehrt.

Katja Fünfsinn verspricht Strapazen für die Lachmuskeln

Katja Fünfsinn.

Eines vorab: Ich lese eigentlich nur im Urlaub. Dann auch gerne den ganzen Tag, weil die Zeit dafür da ist. Im Alltag bin ich eher der Hörbuch-Typ. Mein Bücherregal liebe ich dennoch, ich finde, in jede Wohnung gehört ein solches, in dem sich die gesammelten Werke eines jeden Lebens präsentieren. Meines, also das Regal, ist nicht sortiert, nur auf einem Boden reihen sich einige Bücher aneinander, deren Umschläge schon darauf schließen lassen, dass sie verwandt miteinander sind. Weil das - ok, ich gebe es zu, neben den Werken von Dan Brown -, die einzigen Bücher sind, die eine Treue zum Autor erkennen lassen, möchte ich Ihnen heute mein Lieblingsbuch eines meiner Lieblingsautoren vorstellen: “Muh!” In diesem Buch macht sich die ostfriesische Kuh “Lolle” mit ihren Freundinnen auf den Weg nach Indien. Warum? Na, weil sie dort vergöttert und nicht geschlachtet werden. Was sich jetzt vielleicht nicht sehr anspruchsvoll und etwas abgedreht anhören mag ist vor allem eines: sehr, sehr lustig! Ich habe wirklich selten so viel laut gelacht während der Lektüre eines Buches. Und weil mir das bei jedem seiner Bücher so geht - zuletzt bei der Geschichte der dreiunddreißigtausend Jahre alten Steinzeitdame Urga, die zusammen mit einem Baby-Mammut in einem Eisblock eingefroren wird und dank der Erderwärmung wieder auftaut -, freue ich mich immer auf die nächste Geschichte und werde nie enttäuscht. In seinem neuesten Werk “Miss Merkel: Mord in der Uckermark” begibt sich die Kanzlerin nach ihrem Rückzug aus der Politik auf Verbrecherjagd. Das Buch liegt hier und wird bestimmt nicht erst im nächsten Urlaub gelesen. Und vielleicht wird es ja auch mein neues Lieblingsbuch von David Safier.

Alexander Weiß kramt Schulstoff hervor

Alexander Weiß.

„Je, den Düwel ook …“ Mein Lieblingsbuch? Was soll ich nur dazu schreiben? Am liebsten würde ich mich aus der Affäre ziehen mit „irgendwas von Dickens“. Dabei denke ich nicht zuerst an den weidlich bekannten „Oliver Twist“, sondern an Ausnahmewerke wie „Bleak House“ oder „Große Erwartungen“. Sein vorzügliches Schrullenpersonal, der hintergründige Humor, gepaart mit knallharter Sozial- und Systemkritik, einer hemmungslos verschwurbelten Sprache und ein bisschen Kitsch – Dickens, ja, mein Lieblingsautor. Aber ein Lieblingsbuch von ihm? Fehlanzeige. Doch dann fällt mir eine Wiederentdeckung ein – und jetzt wird’s langweilig: Die „Buddenbrooks“ von Thomas Mann haben es geschafft, mich im fortgeschritteneren Alter (doch noch) nachhaltig zu beeindrucken. In der Schule habe ich nicht annähernd den Pflichtteil geschafft. Seither war der „gut abgehangene“ Schinken in meiner Erinnerung eine Aneinanderreihung weitschweifiger, grundöder Interieur-Beschreibungen bis hin zum Nippes auf dem Kaminsims. Als ich vor ein paar Jahren wieder zu ihm griff, war er für mich zu außerordentlicher Schmackhaftigkeit gereift. Eine Schmökerfreude, nie langatmig und spannend wie ein Krimi! Manchmal muss man eben ein paar Jahre älter werden …

Tim Lehmanns Tipp für Nerds

Tim Lehmann.

Ein Roman wie ein „Pac Man“-Spiel 2044: Ein virtuelles Utopia namens „Oasis“ ist für ein Großteil der Menschheit zum Arbeits-, Lebens- und Fluchtraum vor der zugrunde gerichteten Welt des „real life“ geworden. Als der Schöpfer des schier endlosen Online-Universums stirbt, macht sich der junge Wade Watts, im Netz als Parzival bekannt, auf die Jagd nach dem sogenannten Easter Egg, das der geniale Spieledesigner James Halliday vor seinem Tod in der Oasis versteckt hat und das nicht weniger als die Kontrolle über dessen virtuellen Kosmos und über das größte Unternehmen der Welt symbolisiert. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem Parzival und eine Handvoll Gefährten versuchen, das Easter Egg vor dem faschistisch geführt Konzern IOI zu finden. Ernest Cline schuf mit „Ready Player One“ den Nerd-Roman des noch jungen 21. Jahrhunderts und darüber hinaus eine Hommage an die Popkultur der 1980er-Jahre. Leser und Protagonist erleben gemeinsam eine aberwitzigen Schnitzeljagd à la Indiana Jones oder Robert Langdon – auf den Spuren der Popmusik, Filme und TV-Serien sowie der Video- und Computerspiele eines kultigen Jahrzehnts. Von wegen Zurück in die Zukunft: Dieser Science-Fiction-Pageturner (mittelmäßig von Steven Spielberg verfilmt) katapultiert direkt in die Vergangenheit. Geeks, Gamer und Kinder der 80er werden die knapp 500 so schnell verschlingen wie Pac Man sich durch 256 Level frisst. Übrigens: Dieser Tage ist „Ready Player Two“ erschienen.

Sarah Benscheidts Krisenbewältigung

Sarah Benscheidt.

Als junger Mensch Hermann Hesses Siddhartha zu lieben, ist ein bisschen romantisiertes Klischee, ich weiß. Ihn in Krisenzeiten zu lieben, noch mehr. Ich tu‘s trotzdem. Ist doch schön, wenn freigelegte Nerven Sinn und Sein betreffend (Krisen haben ja diesen Nebeneffekt) auch mal schönsprachig stimuliert werden. Die kleine indische Parabel, erschienen 1922, kriegt das immer wieder hin. Aber angenehm eben. Subjektiv betrachtet verbinden die ausgefranste Taschenbuchlektüre und mich (Vorsicht, Kitsch!) warme Urlaubsabende im Tessin, objektiv gesehen kann sie genauso gut im Corona-Krisenjahr funktionieren. Weil es ja um Krisen geht. Mit sich selbst, mit seiner Umwelt, der Gesellschaft, Traditionen, der Familie und so weiter. Schon Kriegsgenerationen hat die Parabel das Hoffen gelernt und im Homeoffice kann sie das irgendwie immer noch ganz gut. Entführt ins magische alte Indien, 3. Jhd. vor Chr., nimmt der fiktive Buddha mit Vornamen Siddhartha den Leser mit auf die Suche nach „seinem ewigen Herz, seinem Innersten, seinem Letzten“. Oder – um ein bisschen zu entschwurbeln – er ist auf Selbstsuche, die schlussendlich von Erfolg gekrönt wird. Um zu dieser Erleuchtung zu gelangen, versucht der Held dabei von Askese über Ekstase so ziemlich alles, bis er durch seine gemachten Erfahrungen zu dem Ansatz gelangt, dass Einheit mit der Welt nur gelingt, wenn es in der eigenen Innenwelt stimmt. Dann kann die nämlich quasi als Unterschlupf funktionieren, wenn es „draußen“ mal nicht so passt. Um seinen persönlichen „Love-Yourself“ Anspruch zu erreichen, braucht Siddhartha viel Ausdauer – glücklicherweise hat er im Rahmen seiner Selbstschulung aber ein nützliches Mantra gelernt: „Ich kann denken. Ich kann warten. Ich kann fasten.“ Nicht der schlechteste Ansatz mitten in einer Pandemie.

Andreas Goebel und die Achterbahn der Gefühle

Andreas Goebel.

„Ich fiel einer Verkäuferin auf. Ein ausgesprochen hübsches Mädchen. Sie sprach mich an. Ob sie mir helfen könne, fragte sie mich. Der gestärkte grellweiße (Ariel) Arbeitskittel lag straff auf ihrem Busen. Auf dem Namensschild stand Frl. Ursula. Sie lotste mich zum Ölsardinenregal, das heißt, ich hatte die Ehre, hinter ihr herzugehen. Bitte schön, sagte sie und lächelte mich an.“ Eine Spätentdeckung ist wie eine künstliche Hüfte nach Jahren der Beschwerden oder der unverhoffte Anblick eines Bauerngartens voll blühender Dahlien am 2. November. Du denkst: So geht es also auch! Mit Heiner Links Frl. Ursula ging mir das so. Aufgeschlagen, angefangen, das erste Mal gelacht, gestaunt, dann wieder gelacht, dann geweint und tief in der Nacht die Feststellung gemacht, dass ich 222 Seiten am Stück gelesen hatte.

Wie jedes gute Buch kann man es auf verschiedene Art lesen. Oben schwimmt das Klamaukige und Frivole, darunter entdeckt man das Tragikomische, das sein schmales Werk durchzieht. Schaut man genauer hin, entdeckt man einen ganz freien Geist voller Poesie. Link findet sie im Alltag der Bewohner der Vorstädte und Neubaugebiete. Er hatte Feinde, die ihn um seine freche Lässigkeit beneideten, mit der er das „konsumversaute Spaßspießertum“ vorführte. Und er hatte manche Bewunderer. Ich verneige mich vor einem großen Schriftsteller, dessen wenige Bücher heute schwer zu beschaffen sind. Er verunglückte im Mai 2002 tödlich mit 42 Jahren mit seinem Motorrad.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen