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Die Gefühlslage von Lehrern, Schülern und Eltern
Endlich Sommerferien?

Hoch mit den Stühlen und endlich Sommerferien - aber verändert sich durch Corona das Feeling?
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  • Hoch mit den Stühlen und endlich Sommerferien - aber verändert sich durch Corona das Feeling?
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen. Bei dem einen oder anderen mag die eigene Schulzeit bereits viele Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen, an dieses ganz besondere Gefühl wird sich aber jeder erinnern. Wenn der Gong der Schulglocke das letzte Mal für das Schuljahr ertönt und man nicht nur das Zeugnis in den Händen hält, sondern auch die freudige Aussicht auf sechs Wochen Unbeschwertheit die ganze Last der vergangenen Wochen abfallen lässt – dann sind sie da, die großen Ferien. Endlich keine Hausaufgaben und kein Lernen mehr, morgens ausschlafen, vielleicht ein Familienurlaub an der See, viel Zeit mit den Freunden verbringen – so lauten die Pläne für die Sommerferien. Jedenfalls in „normalen“ Zeiten.
Hinter uns allen liegen in diesem besonderen Jahr jedoch ganz spezielle Monate. Es war Freitag, der 13.

cs Siegen. Bei dem einen oder anderen mag die eigene Schulzeit bereits viele Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen, an dieses ganz besondere Gefühl wird sich aber jeder erinnern. Wenn der Gong der Schulglocke das letzte Mal für das Schuljahr ertönt und man nicht nur das Zeugnis in den Händen hält, sondern auch die freudige Aussicht auf sechs Wochen Unbeschwertheit die ganze Last der vergangenen Wochen abfallen lässt – dann sind sie da, die großen Ferien. Endlich keine Hausaufgaben und kein Lernen mehr, morgens ausschlafen, vielleicht ein Familienurlaub an der See, viel Zeit mit den Freunden verbringen – so lauten die Pläne für die Sommerferien. Jedenfalls in „normalen“ Zeiten.
Hinter uns allen liegen in diesem besonderen Jahr jedoch ganz spezielle Monate. Es war Freitag, der 13. März dieses Jahres, als die Siegener Zeitung den Beschluss der NRW-Landesregierung vermeldete, die Schulpflicht ab dem 16. März aufzuheben und die Türen der Einrichtungen vorerst bis Mitte April zu schließen. Das tückische Coronavirus war endgültig angekommen im Land, und das öffentliche Leben sollte wochenlang völlig auf den Kopf gestellt werden.

Aus Eltern wurden Aushilfs-Pädagogen

Die Siegener Zeitung sprach beispielhaft mit Akteuren aus der Region. Verändert sich das Ferienfeeling durch die Pandemie? Überwiegt nach turbulenten Wochen die Erleichterung? Oder wird die bohrende Frage „Wie geht es nach den Ferien wohl weiter?“ ein ständiger und düsterer Begleiter für diesen Sommer 2020 sein? Eine Lehrerin, ein Familienvater sowie ein Geschwisterpaar geben offene Einblicke in ihre Gefühlslage.

Die Schüler

Finja (13) geht in die 8. Klasse des ev. Gymnasiums Weidenau, ihr Bruder Mika (17) strebt am Berufskolleg AHS in Siegen das Abitur an. Die Familie Vetter lebt in Trupbach.
Nein, die CoronaZeit könne man nicht als Ferien bezeichnen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Sommerferien. Vorher war es ja ein Hin und Her“, sagt Mika Vetter, wobei der Ausblick auf das neue Schuljahr dem 17-Jährigen durchaus kleine Sorgenfalten auf die Stirn treibt. „Wir haben natürlich viel verloren“, meint der Trupbacher. Es werde in jedem Fall schwer, die vielen Wochen wieder aufzuholen. Online-Unterricht könne die Anwesenheit in der Schule eben nicht ersetzen, der normale Präsenzunterricht sei alleine schon aufgrund der einfacheren Kommunikationswege „viel effektiver“. Den anstehenden Sommerferien blickt der Berufsschüler mit gemischten Gefühlen entgegen. „Das ist so eine Sache“, meint Mika Vetter und spricht eher von einer Unterrichtspause. Durchaus habe er sich vorgenommen, über den Sommer wenigstens einen Teil des versäumten Lernstoffes aufzuarbeiten. „Ich schätze, das wird aber eher schleppend verlaufen“, seufzt der 17-Jährige.

Mika Vetter aus Trupbach.

Hinzu kommt, dass der geplante Urlaub – mit einer organisierten Freizeit sollte es nach Österreich gehen – flach fällt. „Man kann es nicht ändern“, zuckt der angehende Abiturient mit den Schultern. Nun überlegt Familie Vetter, wenigstens ein paar Tage gemeinsam in Holland zu verbringen.
Für Mikas Schwester Finja kommt der Start in die Sommerferien „getrübter“ daher als in den Vorjahren. „Irgendwie wird sich ja nicht viel verändern“, meint die 13-Jährige, „richtig gefreut habe ich mich über den Ferienstart nicht. Gerade fühlt es sich eher so an wie vor einigen Wochen“. Zumal sich das gesamte Corona-Prozedere nach und nach „eingegroovt“, man sich also mehr und mehr an die Situation gewöhnt habe.
Vielleicht kommt das echte Ferienfeeling auch deshalb nicht richtig auf, weil Finja ebenfalls die bereits auf das kommende Jahr verschobene Tour in die Alpenrepublik geplant hatte. Ob sie in den Sommerferien wenigstens viel Zeit mit Freunden verbringen kann, noch mehr als in „normalen“ Ferien? Finja Vetter winkt ab: „Ich glaube eher, dass kurzfristig doch noch viele in den Urlaub fahren“, verweist die Gymnasiastin nüchtern auf die beschlossenen Reiselockerungen.

Finja Vetter aus Trupbach.

So dürfte Finja Vetter mehr Zeit für unschöne Dinge haben, als ihr lieb ist. Denn der Lateinlehrer des Weidenauer Gymnasiums gab den Schülerinnen und Schülern einen guten Batzen an Aufgaben mit nach Hause. Das allerdings sei durchaus auch in den Vorjahren schon einmal der Fall gewesen, sagt die 13-Jährige. „Zumindest das ist also keine ganz ungewohnte Situation.“

Der Familienvater

Christian Schwarzpaul (42) lebt mit seiner Frau Kerstin und den beiden Söhnen Til (10) und Nic (7) in Helberhausen.
Familie Schwarzpaul hat schon so einige Starts in die großen Ferien erlebt. Sohnemann Til besucht immerhin bereits die 4. Klasse der Florenburg-Grundschule in Hilchenbach; in einigen Wochen steht also der spannende und viele Veränderungen mit sich bringende Gang auf eine weiterführende Einrichtung an. Für Nesthäkchen und künftigen Zweitklässler Nic ist ein letzter Schultag vor den großen Ferien indes noch Neuland. Auch er hat aber natürlich längst begriffen, dass in diesem Jahr alles irgendwie anders läuft.

Christian Schwarzpaul aus Helberhausen.

„Das Gefühl zum Ferienstart ist dieses Jahr gar nicht so viel anders. Die Kinder müssen sich jetzt erst einmal erholen“, meint Christian Schwarzpaul. Klar, die Pandemie wirbelte auch für den Familienvater aus Helberhausen den Alltag mächtig durcheinander. „Jeder musste sich natürlich komplett umstellen“, blickt der 42-Jährige auf die nicht vorhersehbare Zeit zurück.
Froh sei er, dass diese Wochen nun erst einmal hinter ihm und seiner Familie liegen. „Es fühlt sich nach Ferien an“, lächelt der Helberhäuser, wobei in diesem Jahr kein Familienurlaub ansteht. Den hatte das Quartett für die Osterferien geplant, natürlich musste die Reise storniert werden. Die Sommerzeit verbringt die Familie also daheim in der Löffelstadt, wird die gemeinsamen Wochen nach der turbulenten Corona-Zwangspause entsprechend in vollen Zügen genießen.
Christian Schwarzpaul ist es ein echtes Anliegen, die Arbeit an der Florenburg-Grundschule zu loben. „Dort wurde vortreffliche Arbeit geleistet. Ich glaube, gerade in dieser Zeit bekommen die Lehrer viel zu wenig Lob“, sagt der Siegerländer und hat für die aus seiner Sicht überzogene und unangemessene Kritik an den Pädagogen und den Schulen kein Verständnis. „Das ist absoluter Quatsch.“

Die Lehrerin

Vanessa Lanko (49) ist Lehrerin an der Stahlberg-Grundschule in Müsen. Die Pädagogin lebt mit ihrer Familie seit einigen Jahren in Kredenbach.
Viel Wehmut, große Erleichterung sowohl hinsichtlich der Corona-Lockerungen als auch des Startschusses für die Sommerferien – Vanessa Lanko treiben derzeit viele Gedanken um. „Es mischt sich Trauer hinein. Sehr traurig, dass die vergangenen Wochen nicht normal verlaufen sind“, macht die Lehrerin an der Stahlberg-Grundschule in Müsen aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Die Pädagogin betreute im abgelaufenen Schuljahr eine vierte Klasse und findet es jammerschade, dass die Schulgemeinschaft die „Großen“ nicht in gewohnter Form hat verabschieden können. Lediglich eine kleine Abschlussfeier mit ausgewählten Erwachsenen – mehr war gestern auch im Bergmannsdorf nicht drin.

Vanessa Lanko aus Kredenbach.

Vanessa Lanko hatte mit ihren Schülerinnen und Schülern zudem einen Ausflug nach Köln als „Abschlussfahrt“ geplant, abends sollte ein gemeinsamer Grillabend mit den Eltern den krönenen Abschluss darstellen. Auch dieses Vorhaben fiel natürlich ins Wasser.
Die Corona-Zwangspause habe jede Menge Mehrarbeit bedeutet, blickt die Lehrerin auf die kräftezehrenden Wochen zurück. Den Kindern habe man etwa ganz bewusst Tages- und keine Wochenpläne für die Arbeit in den eigenen vier Wänden zukommen lassen. Bitter sei die Erfahrung gewesen, dass nicht alle Kinder zu Hause auf Laptop und Drucker haben zurückgreifen können, da stieß der Online-Unterricht schnell an Grenzen. Die immer wieder aufflammende Kritik an der Lehrerschaft lächelt Vanessa Lanko übrigens weg. „Ich weiß, was ich leiste und brauche mich nicht zu verstecken. Wir im Team haben alles für unsere Schüler gegeben“, stellt die Siegerländerin, die ganz bewusst nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, klar. Es gebe immer Berufsstände, auf die man leicht einprügeln könne. „Mit diesen Klischees müssen wir eben leben.“
Nach der enorm stressigen Zeit blickt Vanessa Lanko der freien Zeit zuversichtlich entgegen. „Klar freue ich mich auf die Ferien“, sagt die 49-Jährige und kann der Zeit seit Mitte März auch viel Positives abgewinnen. Die schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht an den Schulen habe sie als große Erleichterung empfunden. „Ich weiß wieder, warum ich diesen Beruf gewählt habe“, strahlt die Kredenbacherin.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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