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Die Kisten der Händler stapeln sich schon bis unter die Decke
Endlich wieder Trödeln

Seit es den Geisweider Flohmarkt gibt, ist er nie ausgefallen – dafür musste schon ein hartnäckiges Virus kommen. Jetzt aber dürfen Händler und Trödler wieder um jeden Cent verhandeln.
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  • Seit es den Geisweider Flohmarkt gibt, ist er nie ausgefallen – dafür musste schon ein hartnäckiges Virus kommen. Jetzt aber dürfen Händler und Trödler wieder um jeden Cent verhandeln.
  • Foto: Martin Lässig
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Geisweid. Chris Hauler juckt es in den Fingern, die Vorfreude wird mit jeder Woche größer. Seit Kindheitstagen verbringt er die Wochenenden regelmäßig auf dem Flohmarkt und verkauft Dinge, die er – oder damals seine Oma – nicht mehr braucht. Wegen Corona aber mussten die Kisten lange Zeit in der Garage bleiben; da war nichts mit Verhandeln überm Tapeziertisch. Inzwischen sind die Lockerungen jedoch auch bei den Flohmärkten angekommen, es darf wieder getrödelt werden. Aber natürlich nicht einfach so.
Hygienekonzept eingereicht„Es ist ein bisschen kompliziert“, gibt Mario Görög zu, der die Organisation des Geisweider Flohmarkts vor zwei Jahren von seinem Onkel Dieter Endres übernommen hat. Am Dienstag (16.

sos Geisweid. Chris Hauler juckt es in den Fingern, die Vorfreude wird mit jeder Woche größer. Seit Kindheitstagen verbringt er die Wochenenden regelmäßig auf dem Flohmarkt und verkauft Dinge, die er – oder damals seine Oma – nicht mehr braucht. Wegen Corona aber mussten die Kisten lange Zeit in der Garage bleiben; da war nichts mit Verhandeln überm Tapeziertisch. Inzwischen sind die Lockerungen jedoch auch bei den Flohmärkten angekommen, es darf wieder getrödelt werden. Aber natürlich nicht einfach so.

Hygienekonzept eingereicht

„Es ist ein bisschen kompliziert“, gibt Mario Görög zu, der die Organisation des Geisweider Flohmarkts vor zwei Jahren von seinem Onkel Dieter Endres übernommen hat. Am Dienstag (16. Juni) habe er das Hygienekonzept beim Kreisgesundheitsamt eingereicht, genaue Vorgaben habe es allerdings nicht gegeben. „Wir haben einfach mal ins Blaue geschrieben, in der Hoffnung, dass es reicht“, sagt Görög.

Flohmarkt im Juli findet statt

Und es reichte; zwei Tage später kam der erlösende Anruf: Der Flohmarkt darf stattfinden, schon am 4. Juli werden die Händler ihre Stände wieder unter der HTS aufstellen. Natürlich mit besonderen Spielregeln, unter anderem werden mehr Ordner als sonst vor Ort sein und achten, dass genügend Abstand gehalten wird. Es wird drei Eingänge geben, an den Kopfseiten und auf Höhe der Ampelanlage. Mithilfe einer Einbahnregelung soll gewährleistet sein, dass die Besucherströme geregelt an den Tischen vorbeigeführt werden. Sofern überhaupt so viele Menschen kommen. „Wir tappen im Dunkeln, was die Resonanz angeht“, so Görög. Immerhin: Viele der 30 bis 40 Stammhändler hätten schon angekündigt zu kommen, einige der älteren seien jedoch noch unsicher.

Es geht um die Gemeinschaft

Wie Chris Hauler warten die meisten schon lange darauf, dass es endlich wieder losgeht. Gar nicht so sehr, weil in den vergangenen Wochen wichtige Einnahmen ausgefallen sind, sondern weil die Kontakte fehlen. „Es hat sich eine Community gebildet“, sagt der 35-Jährige über den Geisweider Flohmarkt. „Das ist wie ein Stammtisch, eine schöne Ablenkung von Alltag und Stress.“ Klar, seine Antiquitäten, Militaria und das historische Spielzeug würde er auch im Internet loswerden. Aber das sei ihm viel zu anonym. Ebay oder ähnliche Plattformen „geben mir nichts“.

Eifrige Sammler im Siegerland

Für den Händler aus Welschen Ennest ist der Markt in Geisweid am ersten Samstag im Monat ein fest gesetzter Termin, ein bis zwei zusätzliche Märkte nimmt er auch gern mit. Seine Bananenkisten und Körbe bringt er dann am liebsten ins Siegerland, weil hier mehr los sei. „Da wird man alles los. Die Leute würden mithelfen beim Aufbauen, wenn was Gutes für sie abspringt. Das habe ich in Olpe noch nie erlebt.“

Es geht um den Kick

Reich werde man trotzdem nicht. „Wir gehen davon mal Essen mit der Familie“, sagt Chris Hauler. Der größte Gewinn sei für ihn der Kick beim Verhandeln. „Das war früher so, als ich mit meinem Bruder zusammen mit dem Bollerwagen und einer Decke auf den Flohmarkt gegangen bin, und das ist heute auch noch so“, freut sich der 35-Jährige. Für die Werbegemeinschaft Geisweid sei der Flohmarkt Einnahmequelle Nummer 1, berichtet Görög. „Einige 1000 Euro fehlen da jetzt schon in der Kasse.“ Damit werde zum Beispiel das Bürgerfest finanziert, das in diesem Jahr aufgrund von Corona aber ohnehin ausfalle.

Trödeln im Winter

Ein schöner Trost: Von Oktober bis Dezember sollen erstmals Winterflohmärkte stattfinden. Am selben Ort, aber definitiv nicht zur selben Zeit, sagt Görög. Schließlich lasse sich die Sonne an diesen Tagen selten und erst spät blicken, dann müsse man nicht schon ab 3.30 Uhr aufbauen. Die Händler wird es freuen, ist Mario Görög sicher: Nach der monatelangen Pause stapelten sich die Kiste teilweise bis zur Decke. Bei Chris Hauler ist das zumindest der fall. Zur ersten „Corona-Ausgabe“ des Geisweider Markts schafft er es allerdings nicht, es ist Urlaubszeit. Sein persönlicher Saisonstart sei dann aber definitiv der 1. August. Vorausgesetzt, die Lockerungen bleiben bestehen.

In über 50 Jahren nie ausgefallen

Das hofft Mario Görög stark. So eine Krise habe es noch nie gegeben, blickt der Wahl-Kölner zurück, seit 1969 sei der Flohmarkt nie ausgefallen. Nicht einmal Sturm Emma vor gut zehn Jahren habe die Händler davon abhalten können, ihre Tische aufzubauen – auch wenn der Markt letztendlich abgebrochen werden musste, so habe er doch stattgefunden. Um diese Erfolgsgeschichte zu unterbrechen, musste schon ein hartnäckiges Virus kommen. Die Lust am Trödeln aber bleibt glücklicherweise ungebrochen.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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