Energiesteuern schlagen verstärkt zu Buche

Für KEP nicht billig / Erneuerbare Energien noch teurer / Gespräch mit Dr. Sardemann

ewi Geisweid. Die nach der Wiederwahl der rot-grünen Koalition in Berlin verabschiedete Anhebung der Energiesteuern bürdet auch der Industrie zusätzliche Lasten auf, was nach allgemeiner Einschätzung als Gift für die lahmende Konjunktur und für neue Investitionen gilt. Im Gespräch mit der SZ bezifferte jetzt Dr. Klaus Sardemann, Geschäftsführer von Krupp Edelstahl-Profile GmbH (KEP) in Siegen-Geisweid als einem der größten Energieabnehmer der Region, das Ausmaß der Öko-/Energiesteuern mit ca. 20 Prozent des KEP-Durchschnittsergebnisses der letzten fünf Jahre. Dabei ist die Entlastung auf Seiten der Sozialabgaben berücksichtigt.

Beharrliches Bemühen um immer neue Verbesserungen der Produktivität in einer krisenerprobten Branche ist bei KEP längst zur zweiten Natur der Menschen geworden. Das Thema Energiesteuer wirke dennoch »belastend«, sagt Sardemann. Die Nettozunahme der Kosten durch die Steuererhöhung liege gegenüber dem, was vor den jüngsten Änderungen galt, bei 20 Prozent. Dazu gehört vor allem die Anhebung der Ökosteuer auf Strom einschließlich der Anhebung der für die Industrie geltenden Quote der Ökosteuer von 20 Prozent des allgemeinen Satzes auf 60 Prozent. Hinzu kommt die stärkere steuerliche Belastung von Gas, bei dem allerdings der Teil, der für industrielle Zwecke (z. B. Wärmebehandlung von Stahl) eingesetzt wird, ausgenommen ist. Bei KEP müssen rund 40 Prozent des Gasverbrauchs versteuert werden: die Menge, die man zum Heizen benötigt. Eine vergleichbare Regelung gibt es mit Bezug auf Strom in Deutschland nicht, so dass die Ökosteuer den Gesamtstromverbrauch erfasst. Die britische Stahlindustrie hat dagegen erreicht, dass Strom beispielsweise für den Elektroofenprozess, durch den bei KEP rund 2/3 des des Stromverbrauchs des Geisweider Werkes entsteht, von der steuerlichen Belastung ausgenommen wird – für die deutschen Erzeuger ein Wettbewerbsnachteil.

Das Gesamtvolumen der Energiesteuern vor Rückvergütung übersteigt bei KEP das durchschnittliche Ergebnis des Unternehmens in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent. Die Rückvergütung muss jeweils von den Unternehmen beantragt werden, wobei allerdings die Erstattung zügig erfolgt. In jedem Fall bedeutet das einen zusätzlichen und auch völlig unproduktiven Verwaltungsaufwand bei den Unternehmen und – parallel dazu – auf Seiten der Staatsbürokratie.

Was daneben fast gar nicht bekannt ist, so der KEP-Chef, ist die Höhe der Belastung durch das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG). Indem nämlich die Abnahme- und Vergütungspflicht zum Vorteil der Erzeuger von Strom aus Wasserkraft, Deponiegas, Klärgas, Windkraft, Sonnenenergie usw. auf die Stromabnehmer abgewälzt wird, verteuert sich der Strom. Was im Einzelhaushalt noch eher unmerkliche Konsequenzen hat, bringt Großabnehmern rasant steigende Kosten:

Dank der großzügigen Vergütungsregelung zugunsten solcher Energien haben die entsprechenden Techniken auch so zugenommen, dass die ursprünglich von Behörden, Energieversorgungsunternehmen und großen Stromverbrauchern durchgeführte Schätzung für das Jahr 2003 möglicherweise um 50 Prozent übertroffen wird. Der Effekt dieses 50-prozentigen Mehr sei drei Mal so hoch wie der Nettozuwachs der Belastung durch die vorerwähnten Steueranhebungen, erklärt der KEP-Chef. Dieses Kostenwachstum werde ohne absehbare Begrenzung durch die Politik bedrohlich. Belastend wirke sich ja nicht nur der Preis für die erneuerbaren Energien aus, sondern zusätzlich die Tatsache, dass die Kraftwerkskapazitäten doppelt vorgehalten werden müssen, weil eben vor allem der Wind keineswegs immer weht.

Die Wettbewerbsnachteile mit Bezug auf die Konkurrenz in anderen Ländern sind offensichtlich. Kann man diese ausgleichen, oder bedeuten sie letztlich auch eine Benachteiligung für deutsche Arbeitnehmer? Dr. Sardemann sieht das nüchtern. Im Grunde haben andere hochindustrialisierte Länder die Deutschen bei den Arbeitskosten »so ziemlich eingeholt«. Hierzulande drücken besonders die hohen Lohnnebenkosten. Die laufende Verteuerung der Energie kommt noch hinzu. Die Vorteile indes, die man durch Rationalisierung und durch Nutzung modernster Techniken herausholen könne, wirkten immer nur kurzfristig, bis andere nachgezogen haben. Überdies erreiche die Kurve der Produktivitätssteigerungen irgendwann einen Grenzwert.

Der Stahlmanager bleibt dennoch Optimist. Für KEP, die mit nahezu 55 Prozent von der Autoindustrie abhängen und daher über eine ordentliche Auftragssituation verfügen, könnte sich die Lage sogar bald deutlich aufhellen. Es gehe einfach darum, etwas bessere Preise durchzusetzen. Mit Anhebungen von 40 bis 70 e pro Tonne, so Sardemann, sähe es fürs nächste Jahr schon recht positiv aus.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen