Engelsgleicher Gesang

Geistliches Konzert in der St.-Joseph-Kirche erfreute

ars Weidenau. Der Kammerchor Weidenau unter der Leitung von Franz-Josef Breuer erfreute jetzt in der St.-Joseph-Kirche in Weidenau ein zahlreich erschienenes Publikum mit geistlichen Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Jehan Alain und Malcolm Archer. Archer, derzeit Organist und Musikdirektor an der Saint Paul’s Cathedral in London, schrieb ein an den französischen Meistern orientiertes Requiem, das in England seit der Uraufführung 1993 seinen festen Platz im Musikleben behauptet. In der Tonsprache französisch, satztechnisch eher einfach, im Ausdruck gedämpft, undramatisch bis zum Sentimentalen, liegt der Schwerpunkt auf der Farbgebung und den eingängigen Harmonien, die meistens gut zu singen und damit sozusagen chorfreundlich sind.

Zudem lässt sich das Requiem ohne Orchester, nur mit einer begleitenden Orgel realisieren – sicherlich mit ein Grund für die Beliebtheit in englischen Kirchen. Gleich von Beginn an erklangen die Stimmen des Kammerchores Weidenau gedämpft, ein wenig geheimnisvoll, wie von der Schwelle zum Geisterreich. Der Tod, die ewige Ruhe, erscheint bei Archer nicht unter dramatischen Vorzeichen wie in der deutschen Musik, nichts von Aufbegehren und von Zerknirschung klingt in dieser Totenmesse an; eben darum kann die Musik aber auch auf Triumphgesten gegen Ende verzichten, dass der Tod durch die exemplarische Tat des Erlösers nicht das ganze Ende ist.

Im Offertorium (»befreie die Seelen aller verstorbenen Gläubigen vor den Qualen der Hölle«) wurde der Bariton von Dieter Moers in einer Ausdrucksspanne zwischen lyrisch und traurig eingesetzt, gerade in der harmonischen Einfachheit in Verbindung mit einer ungekünstelten, normalen Stimme überzeugend. Unerwarteter Glanz dann im »Pie Jesu« und im »Agnus Dei« durch den sehr schönen, noch immer mädchenhaften Sopran von Sandra Diehl, die mittlerweile Operngesang in Düsseldorf studiert und dem Requiem gewissermaßen die Krone aufsetzte. Nicht verwunderlich, dass es »Pie Jesu« mit der engelsgleichen Stimme Sandra Diehls als willkommene Zugabe gab, die besonderen Applaus hervorrief.

Auch die drei geistlichen Lieder op.96 für Mezzosopran (Christina Schmitt), Chor und Orgel (Gabriel Isenberg) von Mendelssohn passten sich ein in eine liedhafte eingängige Volkstümlichkeit im besten Sinne, die das gesamte Programm auszeichnete. Liturgische Gebrauchsmusik von exzellenter Qualität wurde hier auf hohem Niveau wiedergegeben; die nur zweisätzige Orgelsonate op. 65,3 von Mendelssohn, in der ihr innewohnenden Ausdrucksvielfalt von Gabriel Isenberg gut getroffen, Mendelssohns Chorhymne »Hör mein Bitten« mit einer auch hier ebenso anrührenden wie überzeugenden Sandra Diehl und das Orgelstück »Litanies« von Jehan Alain, das Maryam Haiawi mit Nachdruck intonierte, das Insistieren auf einem kurzen Thema fortwährend bunt und farbgesättigt abwandelnd, vervollständigten ein nur scheinbar disparates, letztlich sich sinnvoll ergänzendes, wieder einmal sehr hörenswertes geistliches Konzert in St.Joseph. Franz-Josef Breuer brachte es wieder in der ihm eigenen Art fertig, unauffällig, aber umso wirkungsvoller die Zügel in der Hand zu behalten und dem Ganzen durch Sachdienlichkeit und ruhige Insistenz den Stempel aufzudrücken.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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