»Entschuldigung reicht nicht«

Ein Strafbefehl sorgte beim Amtsrichter für Gesprächsstoff

pebe Siegen. »Strafbefehl« heißt die zeitsparende Methode von Staatsanwaltschaft und Gericht, kleinere Delikte gewissermaßen auf schriftlichem Weg anzuklagen und zu verurteilen. Gegen den »Kadi per Post« ist aber Einspruch möglich. Dann wird die Sache eben vor Gericht verhandelt – entweder mit Erfolg für den »Verdonnerten«, oder die Nachbarn haben was zu reden.

Einspruch gegen seinen Strafbefehl hatte jetzt auch ein 32-jähriger Siegener eingelegt. Der Mann fand sich daraufhin vor Amtsrichter Peter Kolb wieder. Er sollte, las der Vertreter der Anklagebehörde vor, einer Bekannten gedroht haben, erst ihre Familie und dann sie umzubringen, wenn sie ihm nicht ein Fahrzeug aushändige.

Der Richter schaute in den mattroten, ausgeleierten Aktenordner und dann erstaunt zum Angeklagten: »Warum haben Sie denn Einspruch eingelegt? Bei der Polizei haben Sie den Vorwurf doch eingestanden.« Der Angeklagte nickte: »Ja, das tue ich auch.« Aus dem Erstaunen des Richters wurde Ratlosigkeit: »Warum sitzen wir denn dann hier?« Sein Gegenüber druckste ein wenig herum. Er habe eigentlich einen Schlichtungstermin erwartet, denn er habe sich doch entschuldigt. Der Richter schaute freundlich: »Bei einer Straftat reicht eine Entschuldigung nicht.«

Der Angeklagte nickte ergeben unter diesem Übermaß an Rechtswissen, setzte aber dann zaghaft nach: Wie er die 40 Tagessätze à 20 e bezahlen solle, wisse er nicht. Schließlich bleibe ihm von seinem Gehalt nur der pfändungsfreie Betrag. Wieder schaute der Richter freundlich, diesmal beinahe mitleidig. »Wenn ich das mal so sagen darf: Das ist Ihr Bier, und Strafe soll ja auch weh tun.« Wieder nickte der Angeklagte ergeben: »Tja, das muss ich akzeptieren.« Richter Kolb wollte die flattrigen Aktendeckel schließen, aber »kann ich die Geldstrafe anders abstottern?« schob der Angeklagte schnell ein Fragezeichen dazwischen. Der Richter hob die Schultern. Das müsse er mit der Staatsanwaltschaft besprechen.

Und nun? »Sie können den Strafbefehl akzeptieren, dann sind Sie fertig. Sonst gibt es eine Verhandlung, und wir müssen die Zeugin hören« – und das könne dann schlechtere Folgen haben, meinte Kolb. Also nahm der Angeklagte seinen Einspruch zurück. Sein Glück. Denn, so verriet der Richter, als er die Akte endlich schloss, aus dem Vorwurf der Bedrohung hätte auch eine versuchte räuberische Erpressung werden können…

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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