Er sah dem Attentäter in die Augen

 Bei einem Terroranschlag auf den berühmten Istanbuler Nachtclub „Reina“ in dem Stadtteil Ortaköy starben mindestens 39 Menschen. Foto: dpa   Mehmet Sukapan (vorne) aus Burbach-Holzhausen hatte Blickkontakt mit dem Attentäter. Foto: Privat
  • Bei einem Terroranschlag auf den berühmten Istanbuler Nachtclub „Reina“ in dem Stadtteil Ortaköy starben mindestens 39 Menschen. Foto: dpa Mehmet Sukapan (vorne) aus Burbach-Holzhausen hatte Blickkontakt mit dem Attentäter. Foto: Privat
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

jule - Noch immer ist Mehmet Sukapan aus Burbach-Holzhausen von den dramatischen Ereignissen in der Silvesternacht in Istanbul schwer gezeichnet. Erst gestern war er in der Lage, mit der Siegener Zeitung über den schrecklichen Terroranschlag zu sprechen. Für die Silvesternacht war er nach Istanbul geflogen. In dem beliebten Nachtclub „Reina“ im Stadtteil Ortaköy wollte er gemeinsam mit Freunden einen tollen Jahreswechsel erleben. Im Hotel zogen sie sich schick an, machten noch Selfies von ihren Outfits und brachen nach dem Bildermachen ins bunte Nachtleben der Metropole am Bosporus auf. Mit dabei auch ein guter Freund vom Westerwald. Wie es dem Mann derzeit geht, darüber liegen der SZ keine Informationen vor.

Über das soziale Netzwerk Facebook ließ Sukapan seine Freunde in der Siegener Heimat noch an der ausgelassenen Stimmung in dem populären Nachtclub teilhaben. Er postete Videos vom fröhlichen Geschehen um Mitternacht. Mit Wunderkerzen in der Hand begrüßten die jungen Menschen das neue Jahr. Nur eine Stunde später endete der Start ins neue Jahr in seinem persönlichen Alptraum, den er sicher sein ganzes Leben nicht vergessen wird. Er überlebte den Terroranschlag des IS auf den Treffpunkt der Reichen und Schönen Istanbuls.

„Wir waren gegen 23 Uhr in dem Club, es war ein schöner Abend. Wir haben alle zusammen gefeiert“, berichtete der 26-jährige Fußballspieler des TSV Weißtal der SZ. Gegen 1.15 wollte er die Toiletten der Diskothek aufsuchen. Mehmet Sukapan: „Kurz bevor ich dort ankam, fielen die Schüsse. Ich hatte noch Blickkontakt mit dem Terroristen.“ Sukapan konnte sich in einem der acht Sanitärräume verstecken. Gemeinsam mit fünf weiteren Clubbesuchern harrte er dort aus. „Die Zeit auf der Toilette war grausam, wir hörten die ganze Zeit die Schüsse des Maschinengewehrs.“

In diesen Minuten fürchtete der 26-Jährige um sein Leben: „Meine größte Angst war, dass der Terrorist sich selbst in die Luft sprengt.“ Er dachte an seine geliebten Menschen und schickte ihnen Nachrichten über das Portal „Whats–app“. „Ich schrieb ihnen, dass ich sie liebe.“ Auch seinen Fußballkollegen schickte er Nachrichten und schilderte ihnen seine Emotionen und Eindrücke der schrecklichen Momente. Nach 15 ewig langen Minuten trafen die Spezialeinheiten der Polizei am Ort des Terrors ein. „Wir wurden etwa zehn Minuten später aus den Toiletten befreit“, schilderte Mehmet Sukapan das weitere Vorgehen der Sicherheitskräfte. Die Bilder, die er dann zu sehen bekam, lassen ihn nicht mehr los: Blutüberströmte, leblose Körper lagen an dem Ort, wo er noch wenige Minuten zuvor mit seinen Kumpels und vielen anderen hundert Gästen auf das neue Jahr angestoßen hatte. „Die Polizeieinheiten und Rettungsdienste haben sich sehr gut um uns gekümmert“, schilderte er. Mittlerweile ist der junge Mann bei seiner Familie in Anatolien.

Obwohl er in Sicherheit ist, kann er keine Ruhe finden. „Ich habe seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen, doch die schlimmen Bilder von den Opfern gehen mir nicht aus dem Kopf.“ In der Silvesternacht kamen in dem Nachtclub „Reina“ mindestens 39 Menschen ums Leben. Mehmet Sukapan hat ihre Leichen gesehen. Julia Opaterni-Göttert

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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