Synagoge am Obergraben stand nur 34 Jahre / Auch ihre „Schwestern“ wurden zerstört
Erinnerung an die Zerstörung des jüdischen Gotteshauses

Die Siegener Synagoge am Obergraben wurde 1904 erbaut und 1938 zerstört.
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  • Die Siegener Synagoge am Obergraben wurde 1904 erbaut und 1938 zerstört.
  • Foto: Sammlung H. Schmeck
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sz - Der örtliche Baumeister der Siegener Synagoge war Hermann Giesler. Seine Söhne machten im Dritten Reich Karriere,
sz Siegen. Am Dienstag, 10. November, jährt sich zum 82. Mal die Brandstiftung der Siegener Synagoge, die am 22. Juli 1904 feierlich eingeweiht wurde. – Die Geschichte der verspäteten In-Brand-Setzung durch die Nazis ist hinlänglich bekannt, einschließlich der grotesken (wäre das gesamte Handeln nicht so furchtbar) Fahrt nach Kreuztal, um Benzin für die Brandstiftung zu besorgen. Traute Fries hat sich auch mit der Architektur der Siegener Synagoge auseinandergesetzt und erstaunliche Parallelen zu anderen Synagogen der Zeit fesgestellt.
Dr. Felix Coblenz (1863 – 1923) hielt im Juli 1904 die Predigt zur Einweihung der Synagoge am Obergraben. Er war von 1882 bis 1889 als erster Lehrer an der neu gegründeten Schule der jüdischen Gemeinde in Siegen tätig. Die Geistlichen beider Konfessionen fehlten bei der Feier, und der Bürgermeister ließ sich vertreten.

Siegener Synagoge hatte zwei bauähnliche "Schwestern"

Die Synagoge stand danach nur 34 Jahre an ihrem Platz am Obergraben, an der Stelle, an der sich heute der Bunker neben dem ehemaligen Stadtkrankenhaus befindet. Im Bunker befindet sich heute das Aktive Museum Südwestfalen, das derzeit umgebaut wird. Ähnlich erging es ihren beiden „Schwestern“ in Dortmund und Bielefeld, die wesentlich größer waren, wie schon auf den Fotos zu erkennen ist.
Der Regierungsbaumeister in der preußischen Bauverwaltung Berlin, Eduard Fürstenau, hat alle drei entworfen. Fürstenau wurde am 21. Januar 1862 in Marburg geboren. Der Architekt hatte die Wettbewerbe zum Bau der Dortmunder Synagoge 1896 und der Bielefelder Synagoge 1902 als Nichtjude gewonnen. Fertiggestellt wurde die Dortmunder Synagoge am Hiltropwall im Jahr 1900, die Bielefelder 1905.

Bielefelder und Dortmunder  Synagoge auch von Eduard Fürstenau entworfen

Beim Bau der Bielefelder Synagoge spielte Dr. Coblenz eine maßgebliche Rolle. Von Siegen war er als Rabbiner und Lehrer nach Bielefeld und 1917 in die jüdische Reformgemeinde Berlin gewechselt. Die „Alte Synagoge Dortmund“, zentrale Kult- und Betstätte der jüdischen Gemeinde, wurde bereits im Oktober 1938 abgerissen. Die örtliche NSDAP hatte ihr Quartier gegenüber der Synagoge errichtet. Sie zwang die jüdische Kultusgemeinde aus angeblich städtebaulichen Gründen zum Verkauf des Grundstücks. Der Kaufpreis wurde der Gemeinde vorenthalten (https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Synagoge_(Dortmund), Stand 30.10.2020). Adolf Hitler soll bei einer Fahrt durch Dortmund sinngemäß gesagt haben: „Das da muss weg!“
Eduard Fürstenau war bereits am 26. Mai 1938 in Berlin gestorben, sodass er den barbarischen Akt der reichsweiten Zerstörung von mehr als 1400 Synagogen und Beträumen am 9. und 10. November desselben Jahres nicht mehr erleben musste.

Hermann Giesler war Bauleiter in Siegen: Söhne machten im Dritten Reich Karriere

Der örtliche Baumeister in Siegen war der Architekt Hermann Giesler, dessen Söhne Paul und Hermann, ebenfalls Architekten, im Naziregime Berühmtheit erlangten. Paul war zuletzt bayrischer Ministerpräsident, Hermann war der „zweite Architekt“ des Führers nach Albert Speer.
Auf dem Grundstück der Siegener Synagoge wurde 1941 der Hochbunker, in Dortmund das Stadttheater errichtet. Auch die jüdische Gemeinde in Siegen erhielt keine Entschädigung. Die Kosten für die Abräumarbeiten wurden ihr aufgebürdet. Vom Grundstückspreis in Höhe von 5500 Reichsmark erhielt die Maklerwitwe 225 Reichsmark, die Restsumme ging an das Referat „Juden und Judenangelegenheit“ (Amt IV B 4) der Geheimen Staatspolizei im Reichssicherheitshauptamt und wurde für die Finanzierung der Deportationsfahrten benutzt.
1948 wurde den Brandstiftern vor dem Landgericht in Siegen der Prozess gemacht. Drei von sechs Angeklagten wurden freigesprochen. Die übrigen drei erhielten äußerst milde Strafen. Traute Fries

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Redaktion Kultur

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