„Erinnerungen nachgenäht“

IHK-Hauptgeschäftsführer Franz Josef Mockenhaupt, Kathrin Rabenort, Stefanie Scheit-Koppitz und Helga Oberkalkofen, Galeristin und Kuratorin der Schau in der IHK-Galerie, im Gespräch (v. l.). Foto: ne
  • IHK-Hauptgeschäftsführer Franz Josef Mockenhaupt, Kathrin Rabenort, Stefanie Scheit-Koppitz und Helga Oberkalkofen, Galeristin und Kuratorin der Schau in der IHK-Galerie, im Gespräch (v. l.). Foto: ne
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ne Siegen. Die in Sachen zeitgenössische Kunst recht engagierte IHK-Galerie Siegen hat aktuell in Kooperation mit der Leiterin der Siegener Art-Galerie, Helga Oberkalkofen, eine hochinteressante und international ausstellende Künstlerin für eine spannende Ausstellung eingeladen. Denn die 1965 geborene Wahlkölnerin Kathrin Rabenort stammt aus Kredenbach, hat in Siegen ein Pädagogikstudium begonnen, um dann in Düsseldorf, Kassel und schließlich London Studien der Freien Künste zu absolvieren. Zurzeit hat die mehrfach preisgekrönte und mit vielen, auch internationalen Stipendien ausgezeichnete Textilkünstlerin einen Lehrauftrag für Plastik und Architektur im Innenraum inne.

„Spin off“, also „Ableger“ titelt die intellektualistische Schau multipler Textilarragements und skurriler Einzelstücke, die sämtlich selbst entworfen und aus neuen Stoffen genäht sind, also weder Readymades im Duchamp’schen Sinne noch Collagen aus „Secondhand“-Artikeln oder Fundstücken. Das sei der Künstlerin wichtig, wie Stefanie Scheit-Koppitz (Museum für Gegenwartskunst Siegen) in ihrer Rede anlässlich der Vernissage erläuterte.

Denn Kathrin Rabenort will mit ihren Objekten, den stofflich so prägnanten Textilplastiken, weg von der Authentizität, die Altkleidern innewohnt, zu eigen inspirierter und designter neuer Aussage, die, obschon sie oft soziale Themenaspekte miteinschließt, eher surrealer und futuristischer Kunst zuzuordnen ist.

Scheit-Koppitz unterstrich ihre Einschätzung mit Zitaten des Wissenschaftsphilosophen und Autors utopischer Romane Stanislaw Lem, dessen Romanpersonal körperlich so variabel beschrieben ist, dass es allein geeignet schien, die bunten, hintersinnigen und haptisch sinnlichen Kleidungsstücke Rabenorts zu tragen: dreiarmige Kostümjacken, dralle, prallgestopfte Pullover für vierarmige Rumpflose. Ein aus drei Astronautenjacken aus Kunstleder zusammengenähtes Objekt wirkt selbst wie ein humanoider Satellit, ein aus zwei Taucheranzugoberteilen vernähtes, frei im Raum gehängtes Objekt wirkt phänomenal als organisch-plastische Skulptur im Raum.

Diese eben beschriebenen „Modemorphosen“ beziehen ihren Reiz durch ihre Plastik, ihren nicht unerheblichen Humor, ihre ästhetische Präsenz im Raum. Näher beschäftigen sollten Kunstinteressierte sich aber auch mit den Schuluniform-Projekten, von denen vier ausgestellt sind. Hier nähte die Künstlerin Erinnerungen nach. Sie hatte verschiedene ehemalige Schülerinnen und Schüler englischer Schulen und Internate nach ihren Erfahrungen mit den dort üblichen Uniformen befragt – und nach diesen Interviews die Arbeiten ausgeführt, die Uniformen also im Wortsinn nach Überlieferung imaginiert. Mal edel, kostbar, mit prägnantem Schulemblem und glänzendem Schlips, mal mit herabhängenden Nähgarnen, außenliegenden Nähten und schlampig bemaltem Binder erzählen die Pseudokleider von schlechten, einengenden oder stolzen affirmativen Gefühlen und Erlebnissen mit entindividualisierenden Textilien, mit Macht- und Unterdrückungsmaterialien.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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