»Erlebtes und Erlittenes« in Worte gefasst

Erinnerungen des Kriegsteilnehmers Rudolf Lixfeld liegen jetzt in Buchform vor

ewi Siegen. »Erlebtes und Erlittenes 1939 – 1947« – unter diesem Titel hat Rudolf Lixfeld, Unternehmer und Vorkämpfer für die Errichtung eines Siegener Theaters, ein Buch mit dem Untertitel »Erinnerungen eines 90-Jährigen« veröffentlicht, das in diesen Tagen in den Handel kommt und auch in den SZ-Geschäftsstellen erhältlich ist. Beginnend mit Kindheitserinnerungen an die Zeit des Ersten Weltkriegs in Siegen legt es den Schwerpunkt auf die Jahre des Zweiten Weltkriegs und der Gefangenschaft des Autors. Während er die früheste Zeit Mitte der dreißiger Jahre schriftlich festgehalten hat, liegen den Jahren 1939 bis 1947 offenbar vielfältige Aufzeichnungen zu Grunde, hinzu kommen außerdem manche Fotos von Schauplätzen des Geschehens.

Polen – Frankreich – Afrika – der Leser wird, allerdings auf sehr distanzierte Weise, in die Maschinerie mit hineingezogen, der sich ein junger Mann in jenen Jahren ausgeliefert sah, beginnend mit dem unfrankierten Brief auf seinem Tisch, bei dem ihm sofort der Gedanke durch den Kopf fährt: »Das ist der Stellungsbefehl.« Auch die Tatsache, dass er noch aus seiner Schulzeit am Siegener Jungengymnasium vor allem durch einen herausragenden Lehrer dem nationalsozialistischen Zeitgeist ganz und gar nichts abgewinnen konnte, nützte nichts dagegen, dass auch er kurz nach Kriegsbeginn von dem unerbittlichen Räderwerk ergriffen wurde.

So sind es denn neben den Abläufen die einzelnen Beobachtungen hier und dort von Ereignissen, von menschlichen Charakteren, die zum Nachdenken anregen und die zugleich große Distanz zu dem ganzen Apparat der Kriegsführung und der politischen Begleit-Indoktrination vermitteln. Der Leser begleitet keinen Helden und keinen Anti-Helden, wohl aber einen Menschen, der mit sehr wachem Bewusstsein hinschaut, für den es aber bei allem großen Abstand von allem Menschenverachtenden der Nazi-Ideologie nicht in Betracht kommt, etwas anderes als ein Deutscher zu sein, der einfach das Geschick seines Volkes zu teilen hat.

Eine gewisse Intensität gewinnt das Buch erst in seiner zweiten Hälfte, die von den Jahren der Gefangenschaft berichtet. Mit der »Queen Elizabeth« durch den Suez-Kanal via Kapstadt und Rio de Janeiro nach Kanada transportiert, kamen auf den Autor und seine Mitgefangenen Jahre eines abstumpfenden Lebens in mehreren kanadischen Kriegsgefangenenlagern zu, die erst 1947 nach einer kurzen Zwischenstation in England mit der glücklichen Heimkehr endeten.

Stets sehr nüchtern berichtend vermag Lixfeld doch deutlich zu machen, welchen psychischen Druck die Sinnleere des Gefangenendaseins ausübt. Und so wird der Leser denn zum Beobachter von Sinnschöpfung der Gefangenen: Theaterspiel und anderes kulturelles Engagement finden breite Beachtung und lässt im Rückschluss erkennen, wie die PWO, die Kriegsgefangenen, die Leere mehr oder weniger überwinden (»Erlebtes und Erlittenes 1939–1947«, Condo-Verlag, Emmelshausen, 2003, 341 Seiten, 15,30 e).

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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