Aufgespießt
Ernst zu nehmen

SZ-Redakteur Holger Weber.

Die PARTEI ist so eine politische Zusammenkunft, die wohl von den Menschen im „Schwarz-Weiß-Modus“ beurteilt wird. Die einen mögen solche „Spinner“ nicht, die anderen empfinden diesen Schwung in der Politik – mit dem satirischen Blick auf die Sachthemen – als erfrischend. So mag es auch in Bad Laasphe sein, wo sich die PARTEI als Ortsverein weit vor der Kommunalwahl formierte, um der Kommunalpolitik mal neues Leben einzuhauchen. So muss an dieser Stelle konstatiert werden, dass sich die PARTEI eben nicht aufgrund eines Missstandes oder wegen Versagens anderer gegründet hat. Vielmehr befanden sich die Kräfte der Satirepartei schon lange in den Startlöchern. Immer wieder besuchten einige der heutigen PARTEI-Verantwortlichen die „alten“ Ausschüsse und Ratssitzungen, informierten sich und holten sich den nötigen – wie sagt man Neudeutsch – kommunalpolitischen „Input“.

Die PARTEI ist in Bad Laasphe sehr strukturiert und gezielt vorgegangen, hat Leute angesprochen und Kandidaten gefunden, die sich für die Sache auch mit einem Augenzwinkern stark machen. Der Start war – zugegeben – ein wenig holprig, denn das Totengedenken des Waschbären auf dem Wilhelmsplatz sorgte zwar für reichlich mediale Aufmerksamkeit, packte die PARTEI aber bei den meisten Laasphern wohl in die bereits zitierte Spinner-Schublade. Nach der Generalprobe folgte die Sacharbeit. Drei Sitze erhielt die PARTEI im Bad Laaspher Rat, weil bald jeder Zehnte sie wählte. Nochmal zum Mitschreiben: Die PARTEI holte 675 Stimmen. Das sind 9,8 Prozent. Die seit vielen Jahren etablierten Grünen landeten mit 9,5 Prozent sogar dahinter. Übrigens: Das Gewicht der PARTEI im Bad Laaspher Rat sollte nicht unterschätzt werden. Denn würde man die klassischen Konstellationen mal zusammennehmen, hätten SPD und Grüne 13 Sitze, CDU und FDP 16. Da wäre durchaus spannend, ob die PARTEI sozusagen für den Ausgleich sorgt oder die Entscheidung für eine Mehrheit fällt.

Wie dem auch sei: Dass die Neuen im Rat ernst zu nehmen sind, zeigen sie mit der aktuellen Aktion an der abgerissenen Wabach-Brücke. Dort unternahmen sie den durchaus „satirischen“ Versuch, eine Brücke zwischen Bürgern und Stadtverwaltung zu schlagen, indem sie eine Aluleiter über die beiden Uferböschungen legten. Anwohnerin und Fraktionsmitglied Stephanie Bosch zeigte beim Pressetermin im Kriechgang über die Sprossen, wie es gehen könnte – freilich immer unterschwellig mit der Botschaft an Politik und Verwaltung, sich neben der Laasphetal-Brücke auch um die im Wabach zu kümmern. Zwar äußert sich die „PARTEI“ anders als andere, aber durchaus für den Normalbürger verständlich.

h.weber@siegener-zeitung.de

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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