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Corona-Impfung im Wohnzimmer
Ersehnter Piks in gewohnter Umgebung

Glücklich schaut Mechthild Jung zu ihrem Mann Hermann. Die Geisweider Eheleute haben ihre erste Corona-Dosis zu Hause bekommen.
  • Glücklich schaut Mechthild Jung zu ihrem Mann Hermann. Die Geisweider Eheleute haben ihre erste Corona-Dosis zu Hause bekommen.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ap Geisweid. Es ist Dienstagmittag, kurz nach zwölf, Zeit fürs Mittagessen. Doch heute kommt bei Mechthild und Hermann Jung etwas Anderes auf den Tisch: Statt Gabeln, Messern und Servietten liegen Einwilligungsformulare, Medikamentenlisten und zwei kleine gelbe Heftchen bereit. Pünktlich empfangen die beiden Senioren den seltenen und langersehnten Besuch. Mit einer großen roten Tasche steht er nun mitten in ihrem Wohnzimmer – und dann geht alles ganz schnell.

„Sie impfen doch hoffentlich mit Biontech“, versichert sich die 83-jährige Mechthild Jung bei ihrem Hausarzt, bevor er die Nadel an ihrem eigenen Oberarm und dem ihres Mannes ansetzt. „Im Moment verimpfen wir nur diesen Stoff“, beruhigt Dr.

ap Geisweid. Es ist Dienstagmittag, kurz nach zwölf, Zeit fürs Mittagessen. Doch heute kommt bei Mechthild und Hermann Jung etwas Anderes auf den Tisch: Statt Gabeln, Messern und Servietten liegen Einwilligungsformulare, Medikamentenlisten und zwei kleine gelbe Heftchen bereit. Pünktlich empfangen die beiden Senioren den seltenen und langersehnten Besuch. Mit einer großen roten Tasche steht er nun mitten in ihrem Wohnzimmer – und dann geht alles ganz schnell.

„Sie impfen doch hoffentlich mit Biontech“, versichert sich die 83-jährige Mechthild Jung bei ihrem Hausarzt, bevor er die Nadel an ihrem eigenen Oberarm und dem ihres Mannes ansetzt. „Im Moment verimpfen wir nur diesen Stoff“, beruhigt Dr. Florian Becher seine Patientin, während er einen Stempel, Zellstofftupfer und die aufgezogenen Spritzen bereitlegt.

Die Vorerkrankungen seiner beiden Impflinge kennt der Geisweider Allgemeinmediziner ganz genau. Doch in welchen Arm er die Anti-Corona-Impfung verabreichen soll, muss vorab noch geklärt werden. „Sind Sie Rechts- oder Linkshänder?“, fragt Becher. Das verheiratete Paar ist sich einig: Geschrieben wird mit rechts und der Piks soll in den linken Arm.

"Ein bisschen Muffensausen"

Hermann Jung traut sich als erstes und bringt die Corona-Schutzimpfung tapfer hinter sich. Seine Frau Mechthild wirkt etwas nervös und gesteht: „Ein bisschen Muffensausen ist da schon.“ Durch die Medien sei man etwas verunsichert, sagt sie. Aber schließlich hätten alle Bekannten, die bereits geimpft wurden, das Vakzin gut vertragen. Das macht Mut. „Und ein bisschen Gottvertrauen ist auch dabei“, sagt die 83 Jahre alte Geisweiderin aus Prioritätengruppe I.

Dass die Entscheidung über die Vergabe (noch) der begrenzten Dosen heute auf die Jungs fiel, war für ihren Hausarzt eine logische Konsequenz: Die Senioren benötigen dringend den Schutz und hatten bislang noch keinen Termin in einem Impfzentrum. Das betreffe nicht viele Patienten über 80, erzählt Becher, weshalb er davon ausgeht, allen noch ungeimpften Partienten in dieser Gruppe in den kommenden zwei Wochen die erste Dosis verabreichen zu können. „Irgendwann, hoffentlich Ende Mai, wird sich diese Reihenfolge aber ohnehin auflösen, wenn genügend Impfstoff da ist“, so der Allgemeinmediziner.

Hausarztimpfungen "lediglich ein Zusatzangebot"

Zudem seien die Eheleute seit Pandemiebeginn deutlich seltener in seiner Geisweider Gemeinschaftspraxis gewesen, um sich vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Auch deshalb habe man sich gemeinsam für die Impfung im heimischen Wohnzimmer entschieden, sagt Becher.
Impflinge, die bereits einen festen Termin in einem der Zentren haben, sollten diesen jedoch dringend wahrnehmen, mahnt der niedergelassene Mediziner. Die Hausarztimpfungen seien lediglich ein Zusatzangebot. „Wichtig ist, auf beiden Seiten zu impfen. Nur so kommen wir schnell voran“, betont Becher.

In sechs Wochen erhalten die Jungs ihre zweite Dosis. „Das ist übrigens immer so – egal ob zu Hause oder in einem Zentrum geimpft wird“, erklärt Becher. Auf diesen Tag freut sich das Rentnerpaar jedenfalls schon heute. Für den ersehnten Urlaub in Südtirol machen sie sich in diesem Jahr zwar wenig Hoffnung, wie Hermann Jung erzählt, aber auf ihre Enkel und die neuen, alten Freiheiten nach der zweiten Schutzimpfung freuen sich die Eheleute umso mehr.

„Wir gehen zwar nirgendwo hin“, sagt Mechthild Jung. „Aber natürlich sind wir froh“, bringt ihr ein Jahr älterer Ehemann den Satz zu Ende. Mit einem entschlossenen Lächeln nicken sich die beiden Senioren zu. „Dann sind wir endlich nicht mehr so eingeengt und etwas ungebundener.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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