Erste Tankstelle für Wasserstoff

Volker Schlabach, gebürtiger Siegener aus der Dreisbach-Siedlung, ist bei „H2 Mobility Deutschland“ der Projektverantwortliche für die erste Wasserstoff-Tankstelle in Siegen.  Fotos: Michael Roth
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  • Volker Schlabach, gebürtiger Siegener aus der Dreisbach-Siedlung, ist bei „H2 Mobility Deutschland“ der Projektverantwortliche für die erste Wasserstoff-Tankstelle in Siegen. Fotos: Michael Roth
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mir  Die erste Wasserstofftankstelle weit und breit steht in Siegen im Gewerbegebiet Oberes Leimbachtal unweit der A 45. Am Montag gab es die Eröffnung, die „H2 Mobility Deutschland“ als Betreiber und ihr Gesellschafter Linde hatten dazu Hunderte Gäste von überall her eingeladen. Es ist dies die 71. Tankstelle speziell für Wasserstoff im Bundesgebiet, bis Ende 2019 soll die Zahl auf 100 anwachsen. Dem stehen aktuell 392 Fahrzeuge gegenüber. Tendenz steigend.

Drei Wasserstoff-Fahrzeuge mit Siegener Nummernschild standen gestern für Probefahrten bereit, „es sind wohl die einzigen in ganz Siegen und dem Siegerland“, räumte Bürgermeister Steffen Mues ein. Zwei hat ESi, der Entsorgungsbetrieb der Stadt Siegen, vor wenigen Tagen vom Händler übernommen, das dritte Toyota-Fahrzeug dieser Art stellte das Autohaus Keller zur Verfügung. ESi-Geschäftsführer Ulrich Krüger erhofft sich viele erfolgreiche Einsätze: „Bei 500 Kilometer Reichweite kann ich die Fahrzeuge gut im Bereitschaftsdienst einsetzen. Mit E-Fahrzeugen ging das bisher nicht.“

Die Wasserstoff-Tankstelle im oberen Leimbachtal hat so um die 1,5 Mill. Euro gekostet. Philipp Braunsdorf vom Bundesverkehrsministerium umschrieb die Unterstützung aus Berlin mit 1 Mill. Euro, „das ist das Übliche bei diesen Projekten“. Mit den 71 Stationen gehe es jetzt an die Marktaktivierung: „Unser Dank geht an alle, die für diese Tankstelle getrommelt haben.“

Bürgermeister Steffen Mues hatte dazu einen Namen parat: Dominik Eichbaum, im Rathaus der Projektverantwortliche und gleichzeitig Koordinator mit „H2 Mobility Deutschland“. Dortiger Partner ist Volker Schlabach. Seit zwei Jahren arbeitet der gebürtige Siegener („ich bin in der Dreisbach-Siedlung aufgewachsen“) für das Berliner Unternehmen, das Projektmanagement für Siegen hat er natürlich sehr gerne übernommen. Schlabach lobte Eichbaum: „Es hat nur drei Monate gedauert vom Antrag bis zur Genehmigung, ein Traum.“

Dabei war das Prozedere im Vorfeld gar nicht so simpel. Lorenz Jung (H2 Mobility) berichtete von mehreren Gutachten und einer TÜV-Abnahme, auch nach der Inbetriebnahme gebe es weitere Sicherheitstests. Die werden auch nötig sein, kürzlich war eine Wasserstoff-Tankstelle in Norwegen in die Luft geflogen. Jung versicherte: „Ein Wasserstoff-Tank ist sicherer als der eines Benziners.“ Sollte an der Tankstelle eine Leckage auftreten, gebe es eine genaue Meldeliste, was zu tun sei.

Jung erläuterte dem Premieren-Publikum ausführlich die Details der Wasserstoff-Tankstelle. Drei bis vier Minuten dauert ein Tanken, vier bis fünf Kilo Wasserstoff gelangen per Zapfpistole in den Tank. Die gesamte Tankstelle hat ungefähr 200 Kilo dieses gasförmigen Gemisch in einem Großtank gespeichert. Dieses Bauteil wiederum hat die Firma Vako aus Kredenbach entwickelt und gebaut.

Thomas Gaksch vom Vorstand der Linde AG appellierte an die Autoindustrie, sich doch bitte mehr zu engagieren. Bisher gebe es nur zwei Hersteller, die sich mit der Wasserstoff-Technologie befassten: „Das muss mehr werden.“

Bürgermeister Steffen Mues freute sich über die Wasserstoff-Tankstelle: Sie ist für Siegen ein echtes Alleinstellungsmerkmal.“ Mues dankte der Bezirksregierung, sie fördert den Kauf von fünf Brennstoffzellen-Pkw mit 225 000 Euro aus dem Landesprogramm „emissionsarme Mobilität“. Außerdem hob er hervor, dass die Stadt Siegen den Kauf von 17 E-Fahrzeugen beabsichtige und somit einen bedeutenden Beitrag zur sauberen Luft leiste. „Wir sind nicht nur die grünste Großstadt Deutschlands, die neue Tankstelle steht außerdem in einem immer schöner werdenden Gewerbegebiet.“

In Zeiten des Klimawandels gab der Bürgermeister ein klares Statement für die Zukunft ab: „Es gilt, aus dem Leitbild der autogerechten Stadt der 60er Jahre auszusteigen und stattdessen Lösungen für eine nachhaltige Verkehrs-, Mobilitäts- und Energiewende zu entwickeln.“ Die besondere Lage der Wasserstoff-Tankstelle im Dreiländereck biete einen Standortvorteil, der speziell für Fachkräfte sehr interessant sei.

Ähnlich äußerte sich Landrat Andreas Müller: „Der klassische Motor hat irgendwann ausgedient. Beim Wasserstoff stehen wir noch am Anfang, aber irgendeiner muss den Anfang machen. Warum nicht wir?“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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