Erster Inklusionsbericht fertig

Der Kreis Siegen-Wittgenstein präsentiert den ersten Inklusionsbericht. Grafik: SZ

jak Im Februar 2012 hatte der Kreisausschuss beschlossen, die UN-Behindertenrechtskonvention entsprechend umzusetzen. Der Bericht ist in verschiedene Lebensbereiche gegliedert, innerhalb derer auch Handlungsempfehlungen für die Zukunft gegeben werden.

Neben den Wohnungsgenossenschaften sind auch 400 Wohnungseigentümer angeschrieben worden. Von 6307 insgesamt gemeldeten Wohnungen sind 939 barrierearm umgebaut, weitere 333 Umbauten sind in der Planung. Am häufigsten geht es bei den Baumaßnahmen um das Thema Badezimmer, gefolgt von Zuwegungen und Treppenliften. Um die Situation zu verbessern, stellen die Autoren des Berichts die Bildung eines Kompetenzteams vor, das u. a. aus Vertretern der Banken und Sparkassen, Mietern, Vermietern sowie der öffentlichen Verwaltung besteht. Auch soll mehr über das Thema in der Öffentlichkeit informiert werden.

Insgesamt 332 von 1446 Fragebögen wurden zurückgesandt. Immerhin 47 Prozent der Befragten gaben an, dass Inklusion in ihrem Verein ein Thema sei. In über einem Drittel der Vereine spielt das Thema Inklusion bei der Ausbildung der Mitarbeiter eine Rolle. Allerdings scheint es auch so zu sein, dass sich die Menschen noch mehr Unterstützung im Umgang mit behinderten Menschen wünschen.

Nach Angaben des Kreises sei die Inklusion in diesem Bereich neben den Schulen bereits am weitesten fortgeschritten: „Etwa 70 Prozent der Kinder im Vorschulalter werden in NRW in (Regel-)Einrichtungen betreut.“ Hier spielt vor allem die bauliche Situation eine große Rolle. Die bereits gut entwickelte Teilhabe von Kindern mit Behinderung im Vorschulalter könne weiter verbessert werden, wenn bei künftigen Baumaßnahmen immer auch die barrierefreie Bauweise eine Rolle spiele.

Durch die Änderung des Schulrechts in NRW wird das Thema Inklusion hier derzeit wohl am heftigsten diskutiert. Nach Angaben des Berichts wird die personelle Ausstattung seit dem Schuljahr 2014/2015 verbessert, indem sonderpädagogische Lehrkräfte an Regelschulen eingestellt wurden. 117 Schulen nahmen an der Befragung teil. Mit bezeichnenden Ergebnissen. In 95 dieser Einrichtungen gibt es derzeit noch keinen Aufzug, 74 Schulen haben noch nicht einmal Rampen. 115 von 117 Schulen verfügen zudem über keine selbst öffnenden Türen.

Auch in diesem Bereich – tätig sind die Volkshochschulen des Kreises und der Stadt Siegen – wurde der Status Quo untersucht. Inklusive Angebote gibt es bei der Kreis-VHS in den Bereichen Gebärdensprache, Grundbildung und Alphabetisierung, ähnlich sieht es bei der städtischen VHS aus, diese hat jedoch kein Gebärdensprachen-Angebot. 

„Inklusion heißt, überall dabei sein zu können“, unterstreicht die Arbeitsgruppe mit Blick auf die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese Forderung sei vielfach noch nicht verwirklicht. Um die „Multiplikatoren“, nämlich die Vereinsvorsitzenden, mit Argumentationsmaterial pro Inklusion zu versorgen, sollen den Verantwortlichen Folien in einer Präsentation zur Verfügung gestellt werden.

Der Schienenverkehr wurde ausgeklammert, so dass es hier vor allem um den Nahverkehr auf der Straße geht. Auffällig ist der allerorten geringe Anteil an Haltestellen mit so genannten Kapsteinen, die ein beinahe ebenerdiges Aussteigen für Rollstuhlfahrer ermöglichen. 

Die Wege zu Sitzungs- und Veranstaltungsorten sind häufig mit baulichen Hürden gespickt. Gleiches gelte immer mal wieder auch für Wahllokale. Und auch in der virtuellen Welt des World Wide Web seien immer noch Websites beileibe nicht barrierefrei.

Nur knapp 11 Prozent der befragten Unternehmen aus den Bereichen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Praxen und Beratungseinrichtungen haben die Umfrage überhaupt ausgefüllt. Diejenigen, die sich die Zeit nahmen, ließen großen Handlungsbedarf erkennen – und das nicht nur im Bereich der Erarbeitung eines Selbstverständnisses, sondern auch bei den technischen Hilfsmitteln (Aufzüge etc.).

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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