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Personalmangel wegen Corona-Pandemie
Erstklässler ohne Eingangsuntersuchungen

Ziel der Schuleingangsuntersuchung ist es, festzustellen, ob ein Kind den Anforderungen eines Schulalltags gesundheitlich, das heißt körperlich und seelisch gewachsen ist.
  • Ziel der Schuleingangsuntersuchung ist es, festzustellen, ob ein Kind den Anforderungen eines Schulalltags gesundheitlich, das heißt körperlich und seelisch gewachsen ist.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

tip Siegen. Wegen der Corona-Pandemie waren schon 2020 die meisten Einschulungsuntersuchungen ausgefallen. Auch jetzt wird es nur bei den wenigsten Erstklässlern klappen. Lehrer, Ärzte und der Verband Bildung und Erziehung bedauern das.

Zuständig für die Eingangsuntersuchungen ist das Gesundheitsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein. Die Untersuchungen durch Schulärzte sind eigentlich gesetzlich vorgeschrieben. Doch das Personal im Amt, so bestätigte es Kreis-Sprecher Torsten Manges der SZ am Telefon, sei auch aktuell noch mit der Pandemie-Bekämpfung ziemlich ausgelastet. Immerhin konnte gewährleistet werden, dass zumindest Kinder mit speziellem Förderbedarf untersucht wurden bzw. werden. Zahlen gibt es darüber keine.

tip Siegen. Wegen der Corona-Pandemie waren schon 2020 die meisten Einschulungsuntersuchungen ausgefallen. Auch jetzt wird es nur bei den wenigsten Erstklässlern klappen. Lehrer, Ärzte und der Verband Bildung und Erziehung bedauern das.

Zuständig für die Eingangsuntersuchungen ist das Gesundheitsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein. Die Untersuchungen durch Schulärzte sind eigentlich gesetzlich vorgeschrieben. Doch das Personal im Amt, so bestätigte es Kreis-Sprecher Torsten Manges der SZ am Telefon, sei auch aktuell noch mit der Pandemie-Bekämpfung ziemlich ausgelastet. Immerhin konnte gewährleistet werden, dass zumindest Kinder mit speziellem Förderbedarf untersucht wurden bzw. werden. Zahlen gibt es darüber keine. „Das Gesundheitsamt arbeitet gerade an einem Konzept, wie wir noch möglichst viele weitere Erstklässler vor Schulbeginn untersuchen können“, so Manges. Durch den Rückgang der Corona-Zahlen gebe es dafür wieder etwas mehr Personalkapazitäten. Eine Prognose, wie viele Schüler tatsächlich untersucht werden können, gibt es nicht.

Schuleingangsuntersuchungen wichtiges Indiz für Förderbedarfe

„Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen sind für die Grundschulen eine wichtige Informationsquelle über den aktuellen Entwicklungs- und Gesundheitszustand eines Kindes. Sie geben Auskunft darüber, in welchen Bereichen ein Kind konkrete Förderbedarfe hat. Das ist im Bereich des Übergangsmanagements von der Kita zur Grundschule ein wesentlicher Baustein“, sagt Anne Deimel. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung NRW (VBE). „Bedingt durch Corona sind die Schulen nun bei den meisten Kindern allein auf die Informationen durch die Erziehungsberechtigten und die Erzieher der abgebenden Kitas angewiesen.“

"Egal wie: Es darf nicht mehr unterbrochen werden.“
Dr. Michael Prinz
Kinderarzt aus Neunkirchen

In der Grundschule in Dielfen nutzt man dafür auch eigene Eindrücke. Im Rahmen eines „Einschulungsspiels“ werden die Kinder des kommenden Jahrgangs immer im Oktober eingeladen. „Da geht es dann um Dinge wie Motorik, Sprache und Wahrnehmung“, erläutert Schulleiterin Anke Höfer. Auffälligkeiten werden dann zunächst mit den Eltern, dann mit dem Gesundheitsamt besprochen. „Alle Kinder, die wir melden, sind dann auch noch einmal schulärztlich untersucht worden“, so Höfer. Sie bekommen, je nach Ergebnis, sonderpädagogische Unterstützung oder werden im Einzelfall auch noch einmal um ein Schuljahr zurückgestellt.

Wegfall der Eingangsuntersuchung mit Beobachtungsgabe kompensieren 

Den Wegfall der Eingangsuntersuchung für alle Schüler müssen nun die Lehrkräfte mit ihrer eigenen Beobachtungsgabe kompensieren. „Es gilt, noch genauer hinzuschauen um frühestmöglich zu reagieren“, sagt die Dielfener Schulleiterin, die nach den Sommerferien die Leitung der Grundschule in Wilnsdorf übernehmen wird. „So schade es ist: Wir haben Verständnis dafür, dass in der aktuellen Lage nicht alle Schüler untersucht werden können. Unser Eindruck ist: Es wird getan, was getan werden kann.“

Höfer hebt die im südlichen Siegerland gute Zusammenarbeit mit den Kitas vor Ort hervor. Lehrer erhielten – nach Rücksprache mit den Eltern – Einblicke in die Langzeitdokumentation der kindlichen Fähigkeiten. Daraus lasse sich schon einiges ablesen, beispielsweise bei der sprachlichen Entwicklung. Die schulischen Fähigkeiten seien ohnehin alle noch recht gut aufzuholen.

Sozialkompetenz durch Lockdowns, Social-Distancing und geschlossene Kitas stark gelitten

Anke Höfer hat eher Sorge, dass die Sozialkompetenz stark gelitten habe. Lockdowns, Social-Distancing und geschlossene Kitas könnten dazu geführt haben: „Die Auswirkungen von all dem werden wir sicher erst im kommenden Erstklässler-Jahrgang 2021/2022 so richtig sehen.“

Schuleingangsuntersuchungen zeigen Handlungsbedarf

Dr. Michael Prinz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, unterstreicht das. Auch er bedauert die wegfallenden Eingangsuntersuchungen. „Denn es gibt immer Grenzbefunde, die fallen durch und die Defizite zeigen sich dann erst im Unterricht.“ Er hat in seiner Praxis in Neunkirchen beobachtet, dass es immer mehr Vorschulkinder mit sogenannten „Ticks“ gibt. „Vermehrtes Augenzwinkern, Räuspern oder Husten, das wiederholte Streichen über ein Schreibheft – alles Dinge, die deutlich zugenommen haben.“

Ständiges Hin und Her hat Spuren hinterlassen

Ein unsteter Alltag und das ständige Hin und Her bei den Kita- und Schulöffnungen haben seiner Meinung nach Spuren hinterlassen. Sein Appell für Herbst und Winter: „Egal wie: Es darf nicht mehr unterbrochen werden.“

Autor:

Tim Plachner

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