Erstmals Kind „aktiv getötet“

Der Deutsche Kinderhospizverein verurteilt den ersten Fall von aktiver Sterbehilfe für einen minderjährigen Patienten in Belgien. Foto: dpa
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sz/mir - Einem todkranken Kind aktiv Sterbehilfe gewähren, das ist in Deutschland schier undenkbar. In Belgien aber ist genau dieser Fall eingetreten. Der Chef der nationalen Sterbehilfekommission, Wim Distelmans, bestätigte dies, genaue Angaben fehlen bisher. Ein belgischer Radiosender soll gemeldet haben, es handele sich eher um einen Teenager als ein Kind.

Wie auch immer, dieser Vorfall in Belgien hat eine massive Reaktion erzeugt. Vor zwei Jahren hatte die belgische Abgeordnetenkammer die aktive Sterbehilfe auch für Kinder und Jugendliche legalisiert. Der in Olpe beheimatete Deutsche Kinderhospizverein (DKHV) hat die „erstmalige Tötung eines Kindes auf Verlangen“ scharf verurteilt. Erstmals sei ein Kind in Belgien „aktiv getötet“ worden.

Es sei das eingetreten, „was wir befürchtet haben. Mit der Sterbehilfe wird eine vermeintlich schnelle Alternative für menschliche Zuwendung und Humanität bis zum Lebensende umgesetzt. Doch das Töten ist keine Alternative zum Leben“, erklärte Martin Gierse , Geschäftsführer des Deutschen Kinderhospizvereins.

Auf SZ-Nachfrage hin nannte Silke Keller, Pressesprecherin des Hospizvereins, ein besonderes Detail: „In den 26 Jahren unseres Bestehens haben wir über 1000 todkranke Kinder und Jugendliche begleitet. Und es ist von diesen betroffenen jungen Menschen nicht einmal der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe geäußert worden.“

Gerade die Hospizarbeit für Kinder zeige, wie lebensverkürzend erkrankte Menschen solidarisch und in mitmenschlicher Weise im Leben und Sterben begleitet werden könnten. Die Erfolge der Palliativmedizin belegten, wie man dieses Leben schmerzfrei gestalten könne. Kinder hätten ein Recht zu leben. Keller: „Auch diese Kinder brauchen unseren Schutz.“

Kinder könnten sich nicht zur Beendigung ihres eigenen Lebens entschließen, weil sie die Tragweite einer solchen Entscheidung nicht erfassen könnten“, betonte Geschäftsführer Martin Gierse. Kinder hätten „ein Recht zu leben, und sie sind besonders schutzwürdig“. Diese endgültige Entscheidung könne auch niemand anderes für das Kind treffen.

Warum aber hat der Kinderhospizverein so massiv reagiert? Dazu Silke Keller: „Was in Belgien passiert ist, das widerspricht total unserer Philosophie. Wir starten sofort nach Bekanntwerden der Erkrankung mit unserer Betreuung und gehen einen ganz langen Weg mit den Verwandten. Dabei merken alle Beteiligten, wie lebenswert auch ein solches beeinträchtigtes Leben ist.“

„Betroffene Eltern seien ohnehin häufig schon zu Beginn des Lebens ihres Kinders einem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt. Oder sie müssten sich für das Leben ihres erkrankten Kindes auch noch rechtfertigen. „Für uns ist es völlig richtig, dass der assistierte Suizid in Deutschland gesetzlich geregelt und jede organisierte Suizidbeihilfe verboten ist“, stellte der DKHV gestern fest.

In Belgien gibt es bisher noch keine Versorgung von todkranken Kinder und Jugendlichen in Einrichtungen wie den Kinderhospizen. Hierzulande hat sich die Zahl der stationären Kinderhospize auf 16 erhöht, darunter das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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