Ex-Einrichtungsleiter verurteilt

 Nicht vorbestraft und geständig – beides sprach für den Angeklagten (l.), der das Urteil mit seinem Verteidiger Lars Leininger gefasst erwartete. Foto: Tim Lehmann
  • Nicht vorbestraft und geständig – beides sprach für den Angeklagten (l.), der das Urteil mit seinem Verteidiger Lars Leininger gefasst erwartete. Foto: Tim Lehmann
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

tile - Er war verantwortlich für die Einrichtung der sogenannten Problemzimmer in der Burbacher Notunterkunft auf der Lippe. Am Dienstag verurteilte das Siegener Landgericht den ehemaligen Einrichtungsleiter wegen Freiheitsberaubung in insgesamt 33 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Als Bewährungsauflage hat er einen Betrag in Höhe von 1200 Euro an die UNO-Flüchtlingshilfe zu zahlen. Außerdem trägt er die Kosten des Verfahrens sowie die Auslagen. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr und acht Monate gefordert.

In 31 Fällen, so legte Elfriede Dreisbach, Vorsitzende Richterin der 1. großen Strafkammer, dar, hätten die Wachleute und Sozialbetreuer auf Grundlage einer allgemeinen schriftlichen Weisung des Angeklagten gehandelt. In zwei Fällen habe der heute 38-Jährige über das Einsperren und die Dauer direkt entschieden.

Der Angeklagte sei nicht vorbestraft und habe sich von Anfang an geständig gezeigt, hielt das Gericht dem gelernten Kaufmann zugute. „Das wiegt schwer“, betonte Dreisbach. Durch seine Aussagen habe der ehemalige Einrichtungsleiter das „Verfahren erheblich verkürzt“, so die Richterin weiter. Zudem lägen die Taten lange zurück, seitdem habe der Angeklagte unter dem Druck des drohenden Verfahrens gestanden.

Zu berücksichtigen sei auch die „schwierige Ausgangslage“ innerhalb der oft erheblich überbelegten Notunterkunft, mit der er – eigentlich nicht für die Leitung qualifiziert – vom Betreiber European Home Care (EHC) allein gelassen worden sei. Zugunsten des Angeklagten legte die Kammer auch dessen Intention bei der Einrichtung der Problemzimmer aus, „nicht angepasstes Verhalten“ zu sanktionieren und „Störer“ zu separieren, um somit auch die anderen Bewohner zu schützen.

Erschwerend hingegen sei dem ehemaligen Heimleiter vor allem die „recht hohe“ Anzahl der Geschädigten, die monatelange Praxis, die Etablierung des Bestrafungssystems an sich sowie dessen „Verschleierung“ nach außen ausgelegt worden. Wobei Dreisbach für Letzteres wiederum Verständnis zeigte. Der 38-Jährige habe der Erwartung seines Arbeitgebers EHC gerecht werden wollen, die Situation allein zu regeln.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.