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Gedenken an die Opfer der Bombardierung von Kaan
Extremen nicht auf den Leim gehen

Auf dem alten Friedhof in Kaan-Marienborn wurde am Samstag den Opfern der Bombardierung gedacht. Regen, Wind und Dunkelheit sorgten dafür, dass sich die Zusammenkunft schnell auflöste. Dieses Foto entstand einen Tag später.
  • Auf dem alten Friedhof in Kaan-Marienborn wurde am Samstag den Opfern der Bombardierung gedacht. Regen, Wind und Dunkelheit sorgten dafür, dass sich die Zusammenkunft schnell auflöste. Dieses Foto entstand einen Tag später.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Kaan-Marienborn. Ein Jubiläum, das keinen Grund zum Feiern liefert. Am Samstag jährte sich die Bombardierung auf Kaan-Marienborn zum 75. Mal. 29 Menschen starben am 1. Februar 1945, als die Alliierten ihre Sprengkörper abwarfen. Solche Erinnerungen tun weh, doch gerade deshalb ist es wichtig, immer wieder daran zu erinnern und der Opfern zu gedenken. Aus diesem Grund lädt der SPD-Ortsverein Siegen-Stadt jedes Jahr an diesem Tag auf den alten Friedhof in Kaan-Marienborn ein.
Der Himmel war hell erleuchtetKarl-Wilhelm Kirchhöfer erinnert sich gut an den Tag vor über sieben Jahrzehnten. Damals war er zwölf Jahre alt, lebte im benachbarten Bürbach.

sos Kaan-Marienborn. Ein Jubiläum, das keinen Grund zum Feiern liefert. Am Samstag jährte sich die Bombardierung auf Kaan-Marienborn zum 75. Mal. 29 Menschen starben am 1. Februar 1945, als die Alliierten ihre Sprengkörper abwarfen. Solche Erinnerungen tun weh, doch gerade deshalb ist es wichtig, immer wieder daran zu erinnern und der Opfern zu gedenken. Aus diesem Grund lädt der SPD-Ortsverein Siegen-Stadt jedes Jahr an diesem Tag auf den alten Friedhof in Kaan-Marienborn ein.

Der Himmel war hell erleuchtet

Karl-Wilhelm Kirchhöfer erinnert sich gut an den Tag vor über sieben Jahrzehnten. Damals war er zwölf Jahre alt, lebte im benachbarten Bürbach. Durch das abgedunkelte Fenster habe er einen hell erleuchteten Himmel gesehen und bald darauf mit seiner Familie und Bekannten im Keller Schutz gesucht, blickte er am Samstag zurück. Alle hätten die Erschütterungen gespürt. Nach einiger Zeit aber hätten sie sich wieder nach draußen gewagt. Ein Bild, das der letzte ehrenamtliche Bürgermeister der Stadt Siegen noch heute vor sich sieht, ist der brennende Gartenzaun. Aber es habe noch mehr Brände in Bürbach gegeben, die vor allem Frauen und Kinder gelöscht hätten. Am nächsten Tag erst habe er dann erfahren, "dass es in Kaan ganz fürchterlich aussieht. Es war klar, was hier passiert ist". 

"Die Menschheit hat wenig gelernt"

Die Erziehung damals sei geprägt gewesen von einem gemeinsamen Ziel, dem Endsieg. So habe Karl-Wilhelm Kirchhöfer die Amerikaner damals nicht als Befreier erkannt, das habe er erst im Rückblick verstanden. Jedes Verständnis fehle ihm jedoch, wenn er sehe, wie die Menschen in Syrien in Trümmern leben. Dann stelle er fest: "Die Menschheit hat bisher wenig gelernt." Deswegen sei jeder einzelne gefragt, darauf zu achten, "dass Frieden das höchste Gebot ist". Umso mehr müsse man aufpassen, Extremen "nicht auf den Leim zu gehen".  Es gelte, die Gegenwart zu gestalten und für die Zukunft zu arbeiten.

Gemeinsames Gedenken

Kerzen brannten am Samstagabend nicht. 29 Lichter hatten die Veranstalter mitgebracht, für jedes Opfer eins. Wind und Regen sorgten aber dafür, dass sich keine Flamme halten konnte. Auch ein Kranz wurde nicht niedergelegt, damit habe der Ortsverein bereits schlechte Erfahrungen gemacht, als eine Schleife durch ein Band mit rechter Botschaft ausgetauscht wurde, berichtete Adhemar Molzberger. Dafür nahmen sich die knapp 20 erschienenen Männer und Frauen an die Hände. Sie bildeten einen Kreis und gedachten gemeinsam derer, die ihr Leben an diesem Tag vor 75 Jahren verloren. "Wir sollten aber nicht pessimistisch sein, sondern optimistisch nach vorne marschieren", appellierte Kirchhöfer an seine Zuhörer.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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