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Längere Probezeit und früherer Fahrteinstieg
Fahrlehrer haben große Bedenken

Fahrlehrer Gero Schmidt sieht durch die mögliche Neuregelung des begleiteten Fahrens eine Menge Arbeit auf sich und seine Kollegen zukommen – dabei sei die Auslastung aktuell ohnehin schon sehr hoch.
  • Fahrlehrer Gero Schmidt sieht durch die mögliche Neuregelung des begleiteten Fahrens eine Menge Arbeit auf sich und seine Kollegen zukommen – dabei sei die Auslastung aktuell ohnehin schon sehr hoch.
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tip Siegen. Die Verkehrsminister der Bundesländer wollen darüber beraten, die Probezeit bei Fahranfängern von zwei auf drei Jahre zu verlängern. Die Gruppe habe ein erhöhtes Unfallrisiko, heißt es zur Begründung. Gleichzeitig plant die Ampel-Koalition im Bund, das begleitete Fahren schon ab 16 statt ab 17 Jahren zu ermöglichen. Wie passt das zusammen?

Für Eberhard

tip Siegen. Die Verkehrsminister der Bundesländer wollen darüber beraten, die Probezeit bei Fahranfängern von zwei auf drei Jahre zu verlängern. Die Gruppe habe ein erhöhtes Unfallrisiko, heißt es zur Begründung. Gleichzeitig plant die Ampel-Koalition im Bund, das begleitete Fahren schon ab 16 statt ab 17 Jahren zu ermöglichen. Wie passt das zusammen?

Für Eberhard Zeh gar nicht: „Ich finde, dass 16-Jährige noch nicht über die nötige Reife verfügen, ein Auto zu fahren”, lautet die eindeutige Meinung des Fahrlehrers aus Siegen. Der Inhaber der Fahrschule Zeh kennt die Altersunterschiede aus der Praxis. „Selbst bei Mofafahrern habe ich so manches Mal meine Zweifel, ob das schon das Richtige für so junge Leute ist – auch wenn ich persönlich natürlich nachempfinden kann, dass es ihnen mit der Mobilität nicht schnell genug gehen kann. Wir waren ja alle mal jung.”

"Junge Leute bleiben junge Leute"

Auch die Verlängerung der Probezeit hält Zeh für kein geeignetes Mittel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. „Ob die Probezeit zwei, drei oder fünf Jahre beträgt – junge Leute bleiben trotzdem junge Leute.” Entsprechend bleibe es auch beim Übermut. Und die fehlende Erfahrung komme dann noch hinzu.

"Ob die Probezeit zwei, drei oder fünf Jahre beträgt – junge Leute bleiben trotzdem junge Leute."
Eberhard Zeh, Fahrlehrer aus Siegen

Auch Gero Schmidt hat Bauchschmerzen. Der Fahrlehrer, der „Die zwei Fahrschulen” mit Sitz in Siegen und Wilnsdorf betreibt, denkt vor allem an die Belastung für die Fahrschulen, die dann einen Jahrgang zusätzlich abfertigen müssten. „Das würde uns angesichts der hohen Auslastung nicht gerade in die Karten spielen, auch wenn sich die Lage gerade wieder ein wenig entspannt. Aber zwischenzeitlich mussten wir aufgrund des großen Andrangs in unserer Fahrschule sogar einen Annahmestopp verhängen.”

"Feedbackfahrten" geplant

Mehr Arbeit werde es auch durch eine Zusatzoption geben, welche Fahranfänger der Idee der Verkehrsminister folgend bekommen würden: Sie könnten die drei Jahre Probezeit durch so genannte erfolgreiche „Feedbackfahrten” wiederum auf zwei Jahre verkürzen. „Aber auch diese Fahrten muss ja jemand abnehmen”, so Gero Schmidt. Ihm stelle sich da auch die Frage, ob Fahrlehrer dafür dann wiederum eine Zusatzqualifikation bräuchten.

Nur Senioren sind noch häufiger Unfallverursacher

Zahlen der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein zeigen: Die Altersgruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) weist den zweithöchsten Wert aller Altersgruppen als Unfallverursacher auf. Bei insgesamt 294 Verkehrsunfällen waren sie in 235 Fällen auch Verursacher (80 Prozent).
Getoppt wird diese Altersgruppe übrigens noch von der der Senioren: Betrachtet man alle Verkehrsunfälle (mit Ausnahme der folgenlosen Sachschadenunfälle), bei denen über 65-Jährige als Pkw-Fahrer beteiligt waren (279 Unfälle in 2020), wurden in 84 Prozent der Fälle die Senioren von der Polizei auch als Verursacher erfasst.

Bei der Anzahl der Verunglückten (verletzt oder getötet), sind die jungen Erwachsenen zu 68 Prozent die Unfallverursacher, die Senioren zu 50 Prozent.

Geteilte Meinungen

Begleitetes Fahren schon ab 16: Die Meinungen der SZ-Leser auf Instagram sind geteilt. „Gute Idee – gerade auf dem Land”, findet Sven Linnebacher. „Ich dachte, wir wollen darauf hinarbeiten, dass alle weniger Auto fahren und mehr ÖPNV?”, kritisiert Anne Rahn. Und ein Lehrer, der nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, meint: „Als Lehrer sehe ich, wie unreif viele Schüler in diesem Alter noch sind. Bitte nicht!”

Autor:

Tim Plachner

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