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ADFC-Test: Schlechtes Ergebnis für heimische Städte
Fahrräder bleiben auf der Strecke

Feierabendverkehr auf Kochs Ecke. Siegens berüchtigter Verkehrsknoten schreckt viele unerfahrene, aber auch geübte Radfahrer ab. Sie weichen auf Alternativrouten oder vermehrt auch auf Bürgersteige aus. Das ist laut Straßenverkehrsordnung verboten.
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tile/win/thor Siegen/Olpe/Betzdorf. Das SZ-Verbreitungsgebiet ist nach wie vor weit davon entfernt, eine Fahrrad-Region zu sein. Im Fahrradklima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) schneiden die bewerteten heimischen Städte durchschnittlich bis sehr schlecht ab. Und das bei einer bundesweit ohnehin geringen Zufriedenheit unter der Radlern. 230.000 Radfahrern hatten über die Fahrradfreundlichkeit in 1024 Städten abgestimmt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Insgesamt gab es nur die Schulnote 3,9.

Im Ranking liegt Siegen bei den Großstädten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern wie 2018 nur auf Platz 34 (von 41). Auch die Bewertung stagniert mit 4,36 auf niedrigem Niveau.

tile/win/thor Siegen/Olpe/Betzdorf. Das SZ-Verbreitungsgebiet ist nach wie vor weit davon entfernt, eine Fahrrad-Region zu sein. Im Fahrradklima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) schneiden die bewerteten heimischen Städte durchschnittlich bis sehr schlecht ab. Und das bei einer bundesweit ohnehin geringen Zufriedenheit unter der Radlern. 230.000 Radfahrern hatten über die Fahrradfreundlichkeit in 1024 Städten abgestimmt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Insgesamt gab es nur die Schulnote 3,9.

Im Ranking liegt Siegen bei den Großstädten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern wie 2018 nur auf Platz 34 (von 41). Auch die Bewertung stagniert mit 4,36 auf niedrigem Niveau. „Es hat sich nichts getan“, bringt es Jens Kremer, stellvertretender Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein, auf den Punkt. Vor allem in den für die Radfahrer so wichtigen Kategorien Sicherheit (4,8) und Infrastruktur (4,9) hinke die Krönchenstadt nach wie vor weit hinterher. „Bundesweit ist man an vielen Stellen deutlich weiter.“ Der Wille zur Verbesserung sei zwar grundsätzlich da, vieles werde diskutiert. Aber immer wieder hapere es an der Umsetzung.

Oberfläche HTS-Radweg in miserablem Zustand

Beispiel: Immer noch gibt es kaum Fahrradschutzstreifen (Protected Bike-Lanes), baulich getrennt vom Kfz-Verkehr schon gar nicht. Diese werden vor allem auf den Hauptverkehrsachsen vermisst. Gerade Senioren, dank E-Bikes in wachsender Zahl mit dem Zweirad unterwegs, und Familien mit Kindern fühlen sich nicht ausreichend geschützt.
Oder: Auf dem für Siegen so wichtigen HTS-Radweg sei die Oberfläche zwischen Heesterstraße und Siegufer in einem miserablen Zustand, so Jens Kremer. Doch auch hier passiere nichts. Insofern seien die erneut schlechte Bewertung „gerechtfertigt“. Zumal sich nicht nur die üblichen Kritiker geäußert hätten, es seien vermehrt auch Freizeitradler und Senioren befragt worden. Insgesamt flossen die detaillierten Angaben von 232 Radfahrern in die Siegener Bewertung ein.

In der Stadt Olpe wurde ein ganzes Bündel an Einbahnstraßen für Radfahrer auch in Gegenrichtung freigegeben, was viele Wege in der Innenstadt immens verkürzt. Paradoxerweise wird genau dies im Fahrradklimatest als Mängelpunkt aufgeführt.
  • In der Stadt Olpe wurde ein ganzes Bündel an Einbahnstraßen für Radfahrer auch in Gegenrichtung freigegeben, was viele Wege in der Innenstadt immens verkürzt. Paradoxerweise wird genau dies im Fahrradklimatest als Mängelpunkt aufgeführt.
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Für die Stadt Olpe hat der Fahrradklimatest leichte Verbesserungen parat. In der Gruppe der Kommunen von 20- bis 50 000 Einwohner kommt die Kreisstadt an der Bigge im Bundesvergleich ihrer Größenklasse auf Rang 186 von 415. Die Gesamtbewertung stieg im Vergleich zum 2018er-Test von 4,0 auf 3,9, wobei sich gerade im Innenstadtbereich extrem viel getan hat: Die Öffnung einer ganzen Reihe von Einbahnstraßen verkürzt für Radlerinnen und Radler die Verbindungen enorm – bzw. stellt auf legale Füße, was vorher gern „wild“ praktiziert wurde. Als positiv werden die Fahrbahnoberflächen, die Wegweisung und korrekterweise dann auch die Fahrradförderung in jüngster Zeit beurteilt.

Negativpunkte gibt es für den Winterdienst auf Radwegen, den Punkt „Radfahren durch Jung und Alt“ und befremdlicherweise die mangelnde Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung – wie beschrieben, schon vor Monaten umgesetzt. 264 Stimmen wurden hier gezählt. Für die Ortsgrößenklasse auf Landesebene macht das beim ADFC einen Mittelrang: 54 von 116.

Gemeinde Wenden erreicht Durchschnittsnote 3,7

Deutlich weiter unten in derselben Gruppe ist die Nachbarstadt Attendorn, sie kommt im Bundesvergleich nur auf Platz 274 von 415 und eine Note von 4,1. Hier werden die Punkte Fahrradiebstahl, Oberfläche der Radwege und „Spaß oder Stress“ bewertet, während außer der mangelnden Öffnung von Einbahnstraßen auch die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und fehlende Abstellanlagen auf Kritik stoßen. Allerdings haben hier mit 83 Teilnehmern deutlich weniger Radlerinnen und Radler mit abgestimmt. Im Landesvergleich landet Attendorn auf Rang 78 von 116.

Deutlich besser das Ergebnis für die Gemeinde Wenden, die sich allerdings in der Ortsgrößenklasse bis 20 000 Einwohner mit anderen Teilnehmern messen lassen muss. Hier lautet die Note 3,7, die Gemeinde erreicht im Bundesvergleich Platz 147 von 418 Orten. Die Breite der Radwege, ihre Oberfläche und der Spaß am Radeln machen hier die meisten Pluspunkte aus, während der mangelnde Winterdienst, die Fahrradmitnahme im ÖPNV und der Mangel an öffentlichen Fahrrädern für Kritik sorgen. Hier waren es allerdings lediglich 72 Stimmen, die auszuzählen waren. In dieser Größenklasse ist Nordrhein-Westfalen offensichtlich deutlich besser aufgestellt als die gesamte Republik, erreicht Wenden mit seinem Bundesrang im ersten Drittel doch auf Landesebene nur Platz 31 von 54.

Betzdorfer Ergebnis niederschmetternd

Zum ersten Mal taucht mit Betzdorf eine Stadt im Kreis Altenkirchen in der Umfrage des ADFC auf, nachdem die SZ im vergangenen Jahr einen kleinen Aufruf gestartet hatte. Und das Ergebnis der Premiere ist niederschmetternd. Unter den Städten in der Kategorie "bis 20000 Einwohner" kommt Betzdorf auf Rang 416 - das ist der drittletzte Platz. Und das mit einer Durchschnittsnote von 4,8. Nur Schiffweiler und Lahnstein erhalten von den Radfahren noch schlechtere Noten. 58 Radfahrer aus Betzdorf und Umgebung hatten sich an der Umfrage befragt. Rund drei Viertel haben angegeben, dass die Fortbewegung auf zwei Rädern für sie eher Stress als Spaß bedeutet. Sogar 79 Prozent sehen keinerlei Akzeptanz für Radfahrer im Straßenverkehr.

Feierabendverkehr auf Kochs Ecke. Siegens berüchtigter Verkehrsknoten schreckt viele unerfahrene, aber auch geübte Radfahrer ab. Sie weichen auf Alternativrouten oder vermehrt auch auf Bürgersteige aus. Das ist laut Straßenverkehrsordnung verboten.
In der Stadt Olpe wurde ein ganzes Bündel an Einbahnstraßen für Radfahrer auch in Gegenrichtung freigegeben, was viele Wege in der Innenstadt immens verkürzt. Paradoxerweise wird genau dies im Fahrradklimatest als Mängelpunkt aufgeführt.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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