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Für drei Stunden Berufsschule ins Ruhrgebiet
Fahrten nerven Azubis und Chefs

Daniel Koch ist Fliesenleger-Lehrling. Seine Fahrten in die Berufsschule absolviert er mit dem Zug. Hin und zurück kostet ihn das mehr als vier Stunden – das Auto ist aufgrund der Umleitungen auf der A45 auch keine Alternative.
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  • Daniel Koch ist Fliesenleger-Lehrling. Seine Fahrten in die Berufsschule absolviert er mit dem Zug. Hin und zurück kostet ihn das mehr als vier Stunden – das Auto ist aufgrund der Umleitungen auf der A45 auch keine Alternative.
  • Foto: René Traut
  • hochgeladen von Michael Sauer

tip Siegen/Dortmund. Es ist wieder einmal einer dieser Tage für Daniel Koch. Die Tasche für die Schule ist schnell gepackt. Gerade einmal drei Unterrichtseinheiten stehen aufgrund von einigen ausgefallenen Stunden auf dem heutigen Stundenplan. Den meisten Platz im Rucksack nimmt die Verpflegung für den Tag ein. Denn Hin- und Rückfahrt zur Berufsschule nach Dortmund dauern für den Fliesenleger-Lehrling aus Siegen mehr als vier Stunden. Nicht nur für die Auszubildenden wird die aktuell desolate Verkehrsanbindung ins Ruhrgebiet zur Belastungsprobe. Auch die Arbeitgeber schütteln die Köpfe.

Daniel Koch ist, wie viele seiner Lehrlings-Kollegen auch, ziemlich genervt. Für den Auszubildenden im dritten Lehrjahr beginnt der Tag in seinem Zuhause am Fischbacherberg in Siegen um 4.30 Uhr.

tip Siegen/Dortmund. Es ist wieder einmal einer dieser Tage für Daniel Koch. Die Tasche für die Schule ist schnell gepackt. Gerade einmal drei Unterrichtseinheiten stehen aufgrund von einigen ausgefallenen Stunden auf dem heutigen Stundenplan. Den meisten Platz im Rucksack nimmt die Verpflegung für den Tag ein. Denn Hin- und Rückfahrt zur Berufsschule nach Dortmund dauern für den Fliesenleger-Lehrling aus Siegen mehr als vier Stunden. Nicht nur für die Auszubildenden wird die aktuell desolate Verkehrsanbindung ins Ruhrgebiet zur Belastungsprobe. Auch die Arbeitgeber schütteln die Köpfe.

Daniel Koch ist, wie viele seiner Lehrlings-Kollegen auch, ziemlich genervt. Für den Auszubildenden im dritten Lehrjahr beginnt der Tag in seinem Zuhause am Fischbacherberg in Siegen um 4.30 Uhr. Um in die Berufsschule nach Dortmund zu kommen, geht es um 5.15 Uhr vom Hauptbahnhof aus los. Auf den langen Zugfahrten hat er nicht viel zu tun, er verbringt die Zeit mit „schlafen oder Musik hören”. Pünktlich in der Schule ist er beileibe nicht immer. „Ständig gibt es Probleme mit den Anbindungen. Im Dezember kam ich gefühlt jeden zweiten Tag zu spät.”

Teuer Angelegenheit für Fliesenlegermeister Michael Bär

Michael Bär schickt gleich drei seiner insgesamt vier Lehrlinge, zu denen auch Koch gehört, regelmäßig auf die Berufsschule nach Dortmund. Für den Fliesenlegermeister aus Siegen ist das eine teure Angelegenheit. Während der stundenlangen Hin- und Rückfahrten ins Ruhrgebiet stehen die drei Nachwuchskräfte für seinen Betrieb nicht zur Verfügung. Und egal welchen Weg die Lehrlinge derzeit nehmen – er ist geprägt von Hindernissen. „Mit dem Auto müssen wir aufgrund der Sperrung der Rahmede-Talbrücke Umwege und jede Menge mehr Zeit in Kauf nehmen”, berichtet Tim Thiesbrummel. Er wird im elterlichen Betrieb in Hünsborn ausgebildet. Mit dem Zug geht es ebenfalls nicht problemlos, denn aufgrund der Hochwasser-Schäden und des damit verbundenen Schienen-Ersatzverkehrs per Bus dauert die Fahrt nach Dortmund auch länger als üblich. Der Lehrling hat Freunde aus dem Raum Wittgenstein, die ihren Weg zur Berufsschule schon um 4 Uhr antreten müssen. „Und selbst dann sind sie manchmal nicht pünktlich um 8 Uhr in Dortmund in der Schule”, so Thiesbrummel.

„Die Situation ist, wie sie ist. Auch wenn man sich ärgert, dass es überhaupt so weit gekommen ist – vor allem, was die Brücke der A 45 angeht. Ändern kann man das jetzt nicht mehr”, sagt Michael Bär, der Vorstandsmitglied der Bauinnung Westfalen-Süd ist. „Was man aber ändern könnte, ist das Modell des Schulunterrichts. Ist es wirklich nötig, dass die Azubis bei so langen Anfahrtszeiten für nur zwei oder drei Schulstunden überhaupt anwesend sein müssen? Oder ginge das nicht vielleicht auch per Distanzunterricht?” „Ja, Homeschooling, das wäre ein Traum. Dann könnte ich nach der Schule im Betrieb noch in der Praxis mithelfen“, sagt Daniel Koch.

Wie sollen wir Lehrlinge finden, die diese ganzen Strapazen auf sich nehmen müssen, nur um zur
Schule zu kommen?
Ralph Werthebach
Vorstandsmitglied Kreishandwerkerschaft

Michael Bär ärgert auch, dass es in Dortmund drei Berufsschulklassen für Fliesenleger gibt, in Siegen aber keine. „Das müssen wir ändern. Denn wenn die neue Brücke erst in fünf Jahren kommt, könnten wir in diesem Zeitraum alle Lehrlinge aus Siegen-Wittgenstein, Olpe und sogar aus dem südlichen Raum Lüdenscheids in Siegen wesentlich effektiver beschulen”, stimmt Ralph Werthebach, Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft, zu. Er befürchtet, dass das gesamte Image des Berufsbildes aufgrund der aktuell katastrophalen Situation in den kommenden Jahren leiden werde. „Wie sollen wir Lehrlinge finden, die diese ganzen Strapazen auf sich nehmen müssen, nur um zur Schule zu kommen?”

Daniel Koch ist Fliesenleger-Lehrling. Seine Fahrten in die Berufsschule absolviert er mit dem Zug. Hin und zurück kostet ihn das mehr als vier Stunden – das Auto ist aufgrund der Umleitungen auf der A45 auch keine Alternative.
Autor:

Tim Plachner

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