Studie "U 16" gestartet
Familien stürmen das Corona-Impfzentrum in Eiserfeld

Josefina (15) aus Morsbach lässt sich „selbstverständlich“ die Biontech-Spritze setzen: „Ich möchte wieder ganz normal zur Schule gehen können!“
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  • Josefina (15) aus Morsbach lässt sich „selbstverständlich“ die Biontech-Spritze setzen: „Ich möchte wieder ganz normal zur Schule gehen können!“
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ch Siegen/Bad Berleburg. Laura lacht. Geschafft. Das Spritzen des Biontech-Vakzins in ihren Oberarm hat die 14-Jährige aus Bad Laasphe gar nicht sehen wollen, jetzt ist die Schülerin erleichtert. Wie ihre Eltern, die sie in das Impfzentrum zur Erstimpfung begleitet haben – „bald haben wir angesichts der drohenden Delta-Welle eine Sorge weniger“, so Mama Andrea. Erleichtert wie alle Eltern, die an diesem sonnigen Nachmittag ihren Nachwuchs in das in einem ehemaligen Baumarkt untergebrachte Imfpfzentrum des Kreises Siegen-Wittgenstein bringen. Denn endlich sind die Zwölf- bis 15-Jährigen dran. Ihr Ansturm sorgt dafür, dass wieder alle sechs Impfstraßen des Zentrum ausgelastet sind, Hunderte Dosen mit dem Stoff gegen Corona werden in diesen Stunden verimpft.

Laura aus Bad Laasphe ist froh, ihre Corona-Schutzimpfung erhalten zu haben.

Kritik am Zögern der Ständigen Impfkommission

Dr. Thomas Gehrke, medizinischer Leiter des Impfzentrums, ist froh darüber. „Die Corona-Risiken sind auch für die Heranwachsenden um ein Vielfaches höher als die einer Impfung“, sagt er. Und damit meint er nicht nur die Covid-19-Risiken. "Mehr Übergewicht, mehr Fälle der Spielsucht, mehr Essstörungen – wir Ärzte registrieren in der Pandemie eine Häufung. Besonders Kinder und Jugendliche sind betroffen. Selbst die Selbstmordrate in dieser Altersgruppe ist gestiegen!“

Dr. Thomas Gehrke, medizinischer Leiter des Impfzentrums, vor dem Bus, der am Samstag vor dem dm-Markt in Siegens Innenstadt hält. Dort kann man sich von 10 bis 19 Uhr ohne Termin impfen lassen.
  • Dr. Thomas Gehrke, medizinischer Leiter des Impfzentrums, vor dem Bus, der am Samstag vor dem dm-Markt in Siegens Innenstadt hält. Dort kann man sich von 10 bis 19 Uhr ohne Termin impfen lassen.
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Gehrke hat wie der Weidenauer Kinderarzt Herbert Vitt – Sprecher der heimischen Kinderärzte und an diesem Nachmittag grüner Westenträger und damit Impfarzt – das Gesamtproblem dieser Generation im Blick. Vitt: „Die Eltern kommen verunsichert in die Praxis, wir müssen uns bei den Kindern seit den Lockdowns mit Angstsymptomatiken und Verhaltensstörungen beschäftigen. Das alles schlägt sich leider in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission nicht wieder!“ Damit kritisiert er das Zögern der Kommission.

Nur der Impfstoff von Biontech für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen

In Deutschland ist bislang nur der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren und nur bei bestimmten Vorerkrankungen zugelassen. Und dass, obwohl sich viele Eltern um ihre Kinder sorgen: Die Infektionen steigen, die Delta-Variante breitet sich aus. Impftermine für Kinder gab es bislang kaum wegen der Stiko-Einschränkung, obwohl es genug Biontech-Impfstoff gibt. Und jetzt stehen zumindest die NRW-Impfenzentren offen. Vitt und seine Kollegen impfen nun in Eiserfeld auf drei der sechs Straßen, nach ausführlicher Beratung.

Studie "U 16" in Siegen gestartet

„Und da ist gut so“, sagt Professorin Dr. Alexandra Nonnenmacher. Die Sozialwissenschaftlerin der Universität Siegen hat mit ihrem Team am Freitag parallel zum Impftstart für die Heranwachsenden die Studie „U 16“ gestartet. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlands und der Unikinderklinik Bochum möchte sie herausfinden, wie sich das Impfen in dieser Altergruppe auf das Infektionsgeschehen und – mit Blick auf das baldige Ende der Sommerferien – auf den Unterrichtsbetrieb in den kommenden Wochen und Monaten auswirkt.

Per Befragung wollen die Forscher bis Ende September – dann schließt das Impfzentrum – etwas über die Impfbereitschaft der Kinder und Jugendlichen erfahren. Von den ursprünglich 30.000 zu Impfenden, die die Studie, die im ersten Anlauf scheiterte, einst vorsah, ist man natürlich abgerückt. „1500 ordentliche Interviews genügen uns schon für qualitative Aussagen“, so Nonnenmacher.
Ihr Ziel: Die Rückkehr der Kinder in den gewohnten schulischen Alltag und das Verhindern von psychischen und gesundheitlichen Folgen der fehlenden Teilhabe in einem zukünftigen Lockdown.

Gott sei Dank!
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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