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Corona und der Immobilienmarkt
Familien zieht es wieder in den ländlichen Raum

Das Neubaugebiet am Weidenauer Giersberg.

nb Siegen/Hachenburg. Homeoffice und Schulunterricht „aus der Ferne“, das Zuhause als willkommener Kokon für den einen, als unliebsame Lockdown-„Arrestzelle“ für den anderen: Das Coronavirus hat (vermeintliche) gesellschaftliche Sicherheiten über den Haufen geworfen und Spuren in allen Lebensbereichen hinterlassen. Nicht davon ausgenommen: der Immobilienmarkt. Doch wie weit gehen die Veränderungen? Baumelt jetzt öfter der Schlüssel zur Eigentumswohnung am Schlüsselbund? Und gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land?
Auch stark renovierungsbedürftige Häuser werden gekauft
Bettina Dietershagen-Schäfer und Nicolas Wörsdörfer von der Westerwald Bank positionieren sich eindeutig: „Man merkt einen Wandel in der Gesellschaft.

nb Siegen/Hachenburg. Homeoffice und Schulunterricht „aus der Ferne“, das Zuhause als willkommener Kokon für den einen, als unliebsame Lockdown-„Arrestzelle“ für den anderen: Das Coronavirus hat (vermeintliche) gesellschaftliche Sicherheiten über den Haufen geworfen und Spuren in allen Lebensbereichen hinterlassen. Nicht davon ausgenommen: der Immobilienmarkt. Doch wie weit gehen die Veränderungen? Baumelt jetzt öfter der Schlüssel zur Eigentumswohnung am Schlüsselbund? Und gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Auch stark renovierungsbedürftige Häuser werden gekauft

Bettina Dietershagen-Schäfer und Nicolas Wörsdörfer von der Westerwald Bank positionieren sich eindeutig: „Man merkt einen Wandel in der Gesellschaft.“ Und der schlage sich eben auch in mehrfacher Hinsicht auf den Verkauf von Häusern nieder. Wörsdörfer, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft des Kreditinstituts, und Dietershagen-Schäfer vom Immobilienbüro Altenkirchen, haben ein Gebiet im Blick, das unter anderem bis nach Montabaur reicht, aber auch den ländlich geprägten Westerwald und den AK-Oberkreis mit dem Zentrenverbund Kirchen, Betzdorf und Wissen umfasst.
Beide können sich noch an Zeiten erinnern, als gemeinsam mit Bürgermeistern in Gremien die Köpfe rauchten: Was können wir besser machen? Wie können wir Leute aufs Land locken?
Das ist jetzt nicht mehr vonnöten. Als Folge von Corona zöge es gerade Familien wieder in den ländlichen Raum: „Das ist ein regelrechter Boom“, so Dietershagen-Schäfer. „Wir sind wieder en vogue.“ Auch stark renovierungsbedürftige Häuser fänden ihre Käufer.

Das Homeoffice prägt die Arbeitswelt nachhaltig

Ein entscheidender Faktor in der Bugwelle der Pandemie, der möglicherweise auch weiterhin das Arbeitsleben prägen wird: das Homeoffice. Möglichst nah ran an die Arbeit ziehen, habe es zuvor geheißen. Wer aber vielleicht nur noch ein, zwei Mal die Woche im Büro präsent sein muss, der nimmt auch einen weiteren Anfahrtsweg in Kauf.
Zugleich brauche man zum konzentrierten „Heim-Arbeiten“ am besten ein Arbeitszimmer, also mehr Platz, den Stadtwohnungen oft nicht bieten. Und somit steige die Nachfrage: nach Wohnen auf dem Land und das im eigenen Haus.
Und mit dem eigenen Garten. Auch dieser sei ein Traum vieler Familien mit Kindern – geschuldet den Erfahrungen im Lockdown, als sich so mancher ein eigenes Plätzchen im Freien wünschte, aber auch dem Nachhaltigkeits-Trend.

Eigentumswohnungen gingen auch schon vor Corona gut weg

Anders klingt die Stimme mitten aus dem Siegener Zentrum. Davide Primerano zumindest spürt aktuell kaum Auswirkungen der Pandemie – zumindest nicht, was Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen angeht. „Auf dem privaten Markt merken wir das wenig“, so der geschäftsführende Gesellschafter der Immobilien-Beratung Friedrich (IBF) GmbH.
Zwar gingen Eigentumswohnungen in der Region sehr gut weg, aber das sei eine Entwicklung, die schon einsetzte, bevor jemand das Wort Corona kannte. Befeuert werde die starke Nachfrage durch den bis dato zu geringen Bestand und durch die steigenden Zahl Senioren, die zwar noch fit sind, sich aber auch nicht mehr um ein großes Haus mit Grundstück kümmern wollen oder können. „Die stehen noch mitten im Leben und viele zieht es in die Innenstädte“, so Primerano.
Allerdings weiß auch er von Corona-Auswirkungen zu berichten: auf dem Mietsektor und dort besonders beim gewerblichen Part. Dafür braucht Primerano praktisch nur einen Blick aus dem eigenen Bürofenster zu werfen: Auch an der Bahnhofstraße ist so manches Schaufenster zugeklebt. Die Vermietung von Räumen für Geschäfte, Büros oder Praxen ist zurückgegangen. Weniger Risikobereitschaft oder – da Mitarbeiter ja vermehrt von zu Hause zu Werke gehen können – das Zusammenlegen von Firmensitzen spielen hier eine Rolle.

Entwicklung nach Corona ist offen

Und auch der Wohnungsmarkt für Studenten sei derzeit durchaus geprägt von Corona: Wer nur noch wenig an der Uni präsent sein kann und muss, der überlege es sich eben zwei Mal, ob sich für diese Zeit das Anmieten einer Studentenbude lohnt. Ob die gesellschaftlichen Veränderungen – die Arbeit im eigenen Zuhause, die (Rück-)Besinnung auf Natur und eigenes Grundstück – wirklich dauerhaft sein werden, können auch die Experten nicht mit Sicherheit sagen. Davide Primerano: „Wie es nach Corona aussehen wird, ob die Leute es etwas ruhiger angehen lassen, das sehen wir erst so in ein bis zwei Jahren.“

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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