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AOK sucht schwarze Schafe im Gesundheitswesen
Fast 1000 Fälle aufgedeckt

Nach dem illegalen Griff ins Portemonnaie der Krankenversicherten: Allein in den vergangenen zwei Jahren holten die AOK-Spezialisten Gelder in Höhe von über 3,8 Millionen Euro zurück.
  • Nach dem illegalen Griff ins Portemonnaie der Krankenversicherten: Allein in den vergangenen zwei Jahren holten die AOK-Spezialisten Gelder in Höhe von über 3,8 Millionen Euro zurück.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz/ch Siegen/Olpe. Die AOK Nordwest ist dem Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen auf der Spur. Aktuell verfolgt das Ermittlungsteam der Krankenkasse immerhin 959 Fälle. Allein in den vergangenen zwei Jahren holten die Spezialisten Gelder in Höhe von über 3,8 Millionen Euro zurück. „Die meisten Leistungserbringer rechnen korrekt ab. Aber schon einige wenige schwarze Schafe können ein schlechtes Licht auf den gesamten Leistungsbereich werfen“, sagte Rechtsanwalt Dr. Jürgen Mosler, Leiter des Fachbereichs Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen, bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichts für die Jahre 2018/2019.

sz/ch Siegen/Olpe. Die AOK Nordwest ist dem Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen auf der Spur. Aktuell verfolgt das Ermittlungsteam der Krankenkasse immerhin 959 Fälle. Allein in den vergangenen zwei Jahren holten die Spezialisten Gelder in Höhe von über 3,8 Millionen Euro zurück. „Die meisten Leistungserbringer rechnen korrekt ab. Aber schon einige wenige schwarze Schafe können ein schlechtes Licht auf den gesamten Leistungsbereich werfen“, sagte Rechtsanwalt Dr. Jürgen Mosler, Leiter des Fachbereichs Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen, bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichts für die Jahre 2018/2019.

AOK fordert die ganze Härte des Gesetzes

Die privaten Ermittler arbeiten eng mit anderen Krankenkassen, die alle solche Teams vorhalten müssen, sowie der Kriminalpolizei und den Staatsanwaltschaften zusammen. „Bestätigt sich der Verdacht der Abrechnungsmanipulation, schalten wir die Staatsanwaltschaft ein und fordern die finanzielle Wiedergutmachung des Schadens ein. Ebenfalls prüfen wir, ob eine weitere Zusammenarbeit mit dem Vertragspartner noch möglich ist“, erklärte Dr. Mosler. Sein Vorstandschef Tom Ackermann betonte: „Gegen die wenigen auffälligen Leistungserbringer muss konsequent und mit aller Härte des Gesetzes vorgegangen werden. Denn hier werden Gelder der Solidargemeinschaft veruntreut.“

Rund eine Million Euro Schaden

So konnte in Westfalen-Lippe, also auch in den beiden Kreisen Siegen-Wittgestein und Olpe, gleich in mehreren Fällen Fehlverhalten gegenüber Pflegediensten nachgewiesen werden. Dazu gehörte, dass Leistungen von nicht qualifizierten Pflegefachkräften durchgeführt und schließlich auch abgerechnet wurden. Die genaue Schadensermittlung ist noch nicht abgeschlossen, wird aber auf rund eine Million Euro geschätzt. In anderen Fällen haben einzelne Pflegefachkräfte zeitgleich bei mehreren Patienten und an unterschiedlichen Orten Leistungen erbracht. Hier forderte die Krankenkasse sämtliche entstandene Schäden zurück. In einem besonders schweren Fall musste ein Pflegedienst über 140 000 Euro allein an die AOK zurückbezahlen.
Ferner deckte sie im Zuge ihrer Ermittlungen auf, dass ein bundesweit tätiger Hörgeräteakustiker Leistungen für Versicherte abgerechnet habe, die so nicht erbracht wurden.

Schwerpunktstaatsanwaltschaften sollen Abhilfe schaffen

Um potentiellen Betrugsfällen noch intensiver nachzugehen, fordert die AOK für Nordrhein-Westfalen die Bildung einer oder mehrerer Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die sich ausschließlich mit Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen befassen. „Eine Zuständigkeitskonzentration im Bereich des Abrechnungsbetrugs wird bislang nicht priorisiert“, so Ackermann. Dies wäre nicht nur bei den Staatsanwaltschaften, sondern auch bei den Gerichten und der Polizei durchaus sinnvoll. In anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Bayern oder Hessen habe sich die Einrichtung solcher Schwerpunktstaatsanwaltschaften bewährt.
Außerdem fordert die Krankenkassen klare datenschutzrechtliche Regelungen. Diese sollen es im Zuge von Ermittlungen künftig ermöglichen, dass die Sozialversicherungsträger relevante Daten direkt untereinander austauschen dürfen und schwarze Schafe damit noch besser ermittelt werden können.

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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