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Neues Waffengesetz bringt mehr Arbeit für Polizei
Fast 4000 kleine Waffenscheine

Alle Waffen, die im Kreis vorhanden sind, müssen registriert sein. Die Waffenbehörde ist Teil der Kreispolizei und hat zahlreiche Verwaltungsaufgaben.
  • Alle Waffen, die im Kreis vorhanden sind, müssen registriert sein. Die Waffenbehörde ist Teil der Kreispolizei und hat zahlreiche Verwaltungsaufgaben.
  • Foto: Innenministerium NRW
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ihm Siegen/Bad Berleburg. Vor genau einem Jahr ist das neue Waffengesetz in Kraft getreten – im September 2020 gab es noch einmal einige Verschärfungen. Bei der Waffenbehörde Siegen-Wittgenstein bedeutet das neue Gesetz vor allem mehr Arbeit.
„Der Prüfungsumfang ist höher geworden“, teilt die Polizei mit. Und die Bearbeitungsdauer der einzelnen Fälle habe zugenommen. Verringert habe sich dagegen der Erfassungsaufwand von Schusswaffen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Händler und Hersteller Waffen seit dem Herbst elektronisch registrieren müssen. Sämtliche Waffen, die bei Privatleuten, Jägern, Sportschützen etc. lagern, müssen im nationalen Waffenregister erfasst sein. Die Waffenbehörde kontrolliert das regelmäßig und stichprobenartig.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Vor genau einem Jahr ist das neue Waffengesetz in Kraft getreten – im September 2020 gab es noch einmal einige Verschärfungen. Bei der Waffenbehörde Siegen-Wittgenstein bedeutet das neue Gesetz vor allem mehr Arbeit.
„Der Prüfungsumfang ist höher geworden“, teilt die Polizei mit. Und die Bearbeitungsdauer der einzelnen Fälle habe zugenommen. Verringert habe sich dagegen der Erfassungsaufwand von Schusswaffen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Händler und Hersteller Waffen seit dem Herbst elektronisch registrieren müssen. Sämtliche Waffen, die bei Privatleuten, Jägern, Sportschützen etc. lagern, müssen im nationalen Waffenregister erfasst sein. Die Waffenbehörde kontrolliert das regelmäßig und stichprobenartig. Ergebnis im Kreis: „Die Händler kommen ihren Verpflichtungen bisher problemlos nach.“

Fast viereinhalb Stellen fürs Waffenthema

2020 wurde die Waffenbehörde, angesiedelt bei der Kreispolizeibehörde, bereits von 2,4 auf 3,4 Stellen aufgestockt. In diesem Jahr kommt eine weitere Stelle dazu, sodass sich fast viereinhalb Vollzeitkräfte um das Waffenthema kümmern. Nach einer Empfehlung des Landeskriminalamts sollen es sogar noch mehr werden.
Für den „kleinen Waffenschein“ gibt es nach wie vor eine rege Nachfrage im Kreis Siegen-Wittgenstein. Er berechtigt zum Mitnehmen von Reizstoffwaffen oder Schreckschusspistolen außerhalb der eigenen Wohnung.
Bis 2015 waren 1600 kleine Waffenscheine im Kreisgebiet ausgestellt. Seitdem stieg die Antragszahl rasant. Im Februar 2021 ist man kurz vor der 4000er-Marke angekommen: 3959 kleine Waffenscheine hat die Waffenbehörde ausgestellt.

Etliche Verstöße gegen das Gesetz

Sehr selten dagegen gibt es den echten, den „großen“ Waffenschein. Nur zwei Personen verfügen derzeit im Kreis darüber. Sie dürfen eine scharfe Schusswaffe bei sich tragen. An diese Berechtigung knüpft der Gesetzgeber strenge Bedingungen. Sachkunde, persönliche Zuverlässigkeit und ein unabweisbares Bedürfnis gehören dazu. Den großen Waffenschein bekommen nur sehr gefährdete Menschen oder professionelle Personenschützer.
Mit dem Waffengesetz in Konflikt kommen etliche Menschen. 2019 meldet die Kreispolizei 141 Straftaten und 77 Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit dem Waffengesetz. Die Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor. Rund 150 Hieb- und Stichwaffen wurden eingezogen.

Polizei macht illegale Waffen unbrauchbar

Wenn Waffen eingezogen werden, sammelt die Waffenbehörde sie nicht etwa in einer Kammer, sondern illegale Waffen werden von der Polizei unbrauchbar gemacht. Das geschieht erstaunlich häufig. Die Redaktion „Streife“ der Polizei NRW berichtet darüber. Im Bergischen Land steht der „Querstromzerspaner“ TQZ 1200, der im Jahr 40.000 bis 50.000 Waffen zerstört. Anschließend wird der Schrott recycelt.
Die Metallstücke der Waffe werden in einen Kessel mit 120 cm Durchmesser geworfen, der mit einer 2 cm dicken Stahlschicht ausgekleidet ist. Unten dreht sich eine Kette mit 900 Umdrehungen pro Minute und schreddert das Material in 75 Sekunden. Pro Fuhre schafft die Maschine 40 bis 50 Kilo.
Das 135-PS-Aggregat ist seit Januar 2020 im Einsatz.

Sogar Kalaschnikows gehen in die Knie

„In Deutschland und Europa gibt es keine Anlage, die Waffen konsequenter vernichtet“, sagt Polizeikommissar Michael Reinartz. Sogar Kalaschnikows gehen in die Knie. Kommissar Wolfgang Schröter: „Über die heißt es ja, sie sind unkaputtbar. Aber nicht bei uns.“
Wo kommen die Waffen her, die hier im Schlund der Supermaschine verschwinden? Polizei, Staatsanwaltschaften und der Zoll liefern sie an. 6400 scharfe Gewehre, darunter häufig das Weltkriegsgewehr K98, 4400 scharfe Kurzwaffen, 120 Maschinenpistolen und Sturmgewehre, 13.500 sonstige Schusswaffen wie Luft- oder Gaspistolen, aber auch 17.200 andere gefährliche Gegenstände wie Messer, Schwerter, Armbrüste und Wurfsterne wurden im vergangenen Jahr hier vernichtet.

Pfefferspray Wie viele Frauen unter den 4000 Besitzern eines kleinen Waffenscheins im Kreis Siegen-Wittgenstein sind, ist nicht bekannt. Es dürften etliche sein, die zur Selbstverteidigung eine Reizstoffwaffe, Schreckschusspistole oder Signalwaffe bei sich haben. Wie aber steht es mit dem handelsüblichen Pfefferspray? Dafür braucht man dann keinen kleinen Waffenschein, wenn die Dose den Aufdruck „Tierabwehrspray“ oder „nur zur Tierabwehr“ aufweist. Dann kann man das Spray ohne besondere Erlaubnis mit sich führen. Fehlt aber dieser Aufdruck, ist ein kleiner Waffenschein erforderlich, wenn man das Spray in der Handtasche mitnehmen will.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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